Promis über ihre Schulzeit "Unser Lehrer war ein Sadist"

Nicolette Krebitz: "Ich benutzte fortan eine Pflegelinie für Großmütter"


Nicolette Krebitz als Jugendliche

Nicolette Krebitz als Jugendliche

Dr. Bohn und ich: Lange bevor ich in die Schule kam, hatte mir jemand einen Chemiekasten geschenkt. Seitdem explodierte es manchmal in meinem Zimmer, und ich wusste, was ich werden wollte.

In der achten Klasse war es endlich so weit. Chemie stand auf dem Stundenplan. Mein Lehrer hieß Dr. Bohn. Er war eher zierlich, hatte einen Schnurrbart und trug immer einen weißen Kittel. Der Klassenraum, in dem der Unterricht stattfand, war ein Hörsaal mit kleinem Hinterzimmer, dem Versuchslabor. Dr. Bohn hatte für alles gesorgt, Reagenzgläser in sämtlichen Größen, Zylinder aus Glas, Petrischalen und Pulver in allen Farben. Wir trugen Schutzbrillen und zu große Handschuhe, erhitzten Metalle oder zerkleinerten Chemikalien mit dem Mörser. Manchmal hatte man das Gefühl, der Vorstellung eines Zauberers beizuwohnen.

Nicolette Krebitz heute
dapd

Nicolette Krebitz heute

Ich verehrte Dr. Bohn, und Dr. Bohn fragte mich, ob ich Hormocenta benutze, weil mein Gesicht so leuchtet. Ich war mir sicher, dass es sich um eine seltene Chemikalie handeln müsse, und stellte Nachforschungen an. In einer Drogerie wurde ich fündig und benutzte fortan diese Pflegelinie für Großmütter, in der Hoffnung, für Dr. Bohn zu leuchten.

Plötzlich wurde ein Junge aus einer höheren Stufe in unsere Klasse zurückversetzt, und ich habe aufgehört zu sprechen. Ich hatte mich in ihn verliebt und wusste nicht, wie das geht. Auch in Dr. Bohns Zauberstunden schwieg ich und starrte auf den Fußboden. Zuerst machte er sich lustig über mich: "Früher war Nicolette hübsch und fleißig, heute ist sie nur noch hübsch." Später hielt er mich im Treppenhaus auf und erzählte mir, ich sei in seinem Traum wie eine Elfe über eine Wiese gesprungen und hätte gelacht.

Dann war Dr. Bohn sehr lange krank. Zwei Jahre später stand er wieder vor uns. Seine Stimme klang monoton. Mich ignorierte er komplett. Ich trug mittlerweile einen Irokesen und war von den vielen Zigaretten ständig der Ohnmacht nah. Ich war mir sicher, Dr. Bohn hatte den Verstand verloren. Wahrscheinlich dachte er das Gleiche von mir.

Nicolette Krebitz, Schauspielerin und Regisseurin, 38 - Bis zur 11. Klasse an der Marie-Curie-Oberschule in Berlin

Aufgezeichnet von Jörg Böckem, Bettina Musall und Eva-Maria Schnurr




insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
allereber 09.06.2011
1. Pervers
Zitat von sysopProminente erinnern sich. http://www.spiegel.dewissen/0,1518,760432,00.html
Unser Lehrer schlug gerne die Jungs. Bei jeder Kleinigkeit. Als Fachmann eine Größe. Als Mensch eine Niete. Der Zeigestock mit Eisengriff war seine Tatwaffe. Er beklaute sogar seine Schüler. Ca.1966 hat sich unser Lehrer vor einem Zug geworfen. Warum war er wohl so? Seine Frau(mit großer Oberweite)zeigte uns gerne ihre Möpse. Hüpsche Mädchen haßte sie. War selbst Lehrerin.
quadraginti, 09.06.2011
2. Der Lehrerberuf zieht
Der Lehrerberuf zieht überwiegend Nulpen an. _Beweis:_ *(1)* Habe als Student ein paar mal an Geburtstagspartys teilgenommen, wo überwiegend Studenten der Päd.Hochschule teilnahmen, sprich künftige Grund-, Haupt- bzw. *Volksschullehrer*. *(2)* Worüber haben die Lehrertypen den ganzen Abend gesprochen? *(a)* Über die letzte Party. *(b)* Über die kommende Party. *(c)* Wer gerade mit wem ein Verhältnis hat. *(d)* Welches Pärchen sich gerade getrennt hat. *--->* Und *die Intelligentesten *dieser Lehrertypen, waren sogar in der Lage ein paar zusammenhängende Sätze über die letzten Bundesligaspiele rauszukriegen. Aber damit war ihre *geistige Kapaziät aber auch voll ausgelastet*.
mats123 09.06.2011
3. Plumpes Lehrer-Bashing
Ja klar, wenn es um Schule geht, dann steht bei SPON der Titel schon fest: Die Lehrer müssen wieder eins drauf kriegen. Diesmal sind sie Sadisten. Na toll. Da muss wohl irgendein SPON-Redakteur seine missglückte Schullaufbahn noch verarbeiten. Ich hatte keine Sadisten als Lehrer, aber Mitschüler, die ich als Sadisten einstufen würde. Ich denke, das sehen die meisten so. Also SPON, schreibt lieber über die Unsitten der Schüler und deren Eltern, denn die verderben unser Schulsystem. Verwahrlosung und Werteverfall sind die Stichworte, um die es geht.
Boesor 09.06.2011
4. -
Zitat von quadragintiDer Lehrerberuf zieht überwiegend Nulpen an. _Beweis:_ *(1)* Habe als Student ein paar mal an Geburtstagspartys teilgenommen, wo überwiegend Studenten der Päd.Hochschule teilnahmen, sprich künftige Grund-, Haupt- bzw. *Volksschullehrer*. *(2)* Worüber haben die Lehrertypen den ganzen Abend gesprochen? *(a)* Über die letzte Party. *(b)* Über die kommende Party. *(c)* Wer gerade mit wem ein Verhältnis hat. *(d)* Welches Pärchen sich gerade getrennt hat. *--->* Und *die Intelligentesten *dieser Lehrertypen, waren sogar in der Lage ein paar zusammenhängende Sätze über die letzten Bundesligaspiele rauszukriegen. Aber damit war ihre *geistige Kapaziät aber auch voll ausgelastet*.
na wenn das keine schlüssige Beweisführung ist. Wenn ich selbige auch anwende muss ich allerdings meine bislang nicht negative Meinung über Maschinenbauer, Juristen, Informatiker, Ingenieure usw. auch ändern. Alle haben sich auf Partys (!!!) mitunter daneben benommen.
efka 09.06.2011
5. Liebe Lehrer - böse Lehrer
Wir hatten einen, der hat Kinderköpfe an Tafelunterkanten geschlagen … ein anderer schmiss mit seinem Schlüsselbund in die letzte Reihe wieder ein anderer hatte mir eine 6 in einer Mathe Ex gegeben und ein Direktor sprach von "geistigen Tieffliegern" aus seiner Schule … Und wie viele Kauzke kauende Gören und frühpubertierende Pickel-Lollies kammen unausgeschlafen mit den immer gleichen blöden Ausreden zu spät in die Klasse, natürlich NIE provozierend, rülpsend oder Cola trinkend … welche unbeabsichtigt angezogenen Paradedekoltees liessen andere Noten als die realen verzaubern … ? Lehrer gab es immer solche und solche - sicher: mehr solche als solche - das stimmt schon. Aber rein rechnerisch und statistisch gab es sicher mehr Schüler die jenseits von Gut und Böse waren. Und es wird immer schlimmer! Dass es immer noch Leute gibt die Lehrer werden wollen - ists Idealismus, Blindheit oder Masochismus vermengt mit Sadismus. Mir tun die leid! Ehrlich. Aber schon der Titel des Artikels ist doch schon verräterisch und falsch: Wo bleiben die PROMINENTEN in dem Bericht? efka
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL Wissen 2/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.