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Allergiepflanze Ambrosia: Biologische Bombe

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Ambrosia: Die invasive Pflanze hat stark allergieauslösende Pollen

Ambrosia gehört zu den stärksten Allergieauslösern. Kommunen versuchen, die Pflanze zu bekämpfen.

Ihren ersten bekannten Auftritt in Deutschland hatte die seltsame Pflanze auf einem Kartoffelacker südöstlich von Hamburg. Im September 1860 untersuchte ein Pflanzensammler ihren haarigen Stängel und ihre feinfiedrigen Blätter, die an Gewöhnlichen Beifuß erinnerten.

Doch dieses Gewächs war anders. Der Sammler identifizierte sie schließlich als Ambrosia artemisiifolia, als Beifußblättriges Traubenkraut. Das stammte ursprünglich aus Nordamerika und schien ein harmloses exotisches Unkraut zu sein, das wohl auf einem Schiff als Samenkorn in einer Ladung verunreinigten Saatguts eingeschleppt worden war. Das kühle deutsche Klima würde ihr auf Dauer nicht bekommen - dachte man damals.

Heute ist Ambrosia in Deutschland stellenweise so stark verbreitet, dass viele Allergiker sie fürchten. Denn wenn sie zu blühen beginnt, kann sie bis zu einer Milliarde Pollen pro Exemplar freisetzen. Diese Pollen, so Mediziner, zählen zu den stärksten Allergieauslösern der Pflanzenwelt. Es sind winzige, Tausendstel Millimeter kleine biologische Bomben, die bis in die hintersten Verästelungen der Bronchien gelangen.

Nach US-Studien können Ambrosien doppelt so häufig Asthma verursachen wie andere Gewächse. In Deutschland blühen sie von August mitunter bis in den Dezember, wodurch sie die Leidenszeit vieler Allergiker empfindlich verlängern. Das Gewächs sei weiter auf dem Vormarsch, warnte kürzlich ein Team des Klima-Forschungszentrums und der Universität Frankfurt am Main.

Bis zu acht Millionen Menschen potenziell betroffen

Ambrosia profitiere vom zunehmend milden Klima in Mitteleuropa, aber auch von einer gelungenen Anpassung an das Wetter. So seien europäische Jungpflanzen bereits frostbeständiger als ihre amerikanischen Urahnen. Zudem keime die europäische Variante häufiger und schneller und breite sich so immer weiter nach Norden und Nordosten aus. "Wir müssen so schnell wie möglich dagegen aktiv werden", fordert die Frankfurter Biologin Marion Leiblein-Wild.

Die Gesundheitsfolgen sind beträchtlich. Nach einer Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung könnten Therapien und Arbeitsausfälle durch Ambrosia in Deutschland Hunderte Millionen Euro pro Jahr kosten. Bis zu acht Millionen Menschen seien potenziell betroffen.

Einige Bundesländer und Städte bekämpfen die Ambrosia bereits systematisch. In Berlin etwa streifen alljährlich im Auftrag des Senats "Ambrosia-Scouts" durch die Stadt. Ihre Aufgabe: Die Pflanzen auszurupfen, wo immer sie welche finden. Im Städtchen Drebkau in Brandenburg werden jedes Jahr Hunderttausende der Pflanzen gefunden, auf Äckern, in Gärten, an Straßenrändern.

Die Drebkauer versuchen es mit Pflanzengiften, Mäheinsätzen und Ein-Euro-Jobbern, die Ambrosia mit Mundschutz und Handschuhen an den Stängel gehen. Doch die Pflanze ist zäh, sie muss mit Wurzel aus dem Boden gerissen werden, damit sie nicht gleich wieder nachwächst, "ein Riesenaufwand", sagt Bürgermeister Dietmar Horke. Und selbst wenn es gelänge, alle Pflanzen rechtzeitig vor der Blüte auszurupfen, wäre das Problem noch lange nicht beseitigt: Ambrosia-Samen können bis zu 40 Jahre lang im Boden überleben, sagen Experten.

Auch die EU versucht nun, die Ausbreitung wenigstens zu bremsen. Sie hat die Richtlinien für Vogelfutter verschärft, es darf weniger fremde Samenkörner enthalten. Viele Gartenbesitzer hatten sich die Pollenschleudern mit verseuchten Meisenknödeln ins Blumenbeet geholt.

Schwieriger einzudämmen sind die Ambrosia-Kolonien an Straßen und Eisenbahnlinien. "Kilometerlange Bestände" gebe es etwa an der A 8 in Bayern, so die Biologin Leiblein-Wild, als Samen eingestreut etwa bei Saatgut-Transporten oder durch Mäharbeiten am Straßenrand.

Die Frankfurter Forscher fordern dringend "eine konzertierte, nationale Bekämpfungsstrategie" gegen Ambrosia. Jedes Bundesland arbeite für sich, mal sei diese, mal jene Behörde zuständig. "Da läuft wenig zusammen", klagt Leiblein-Wild. In der Schweiz dagegen müssen nicht nur Gärtner oder Landwirte Ambrosia-Bewuchs melden, sondern jeder Bürger. Dadurch habe das Nachbarland das Problem längst besser im Griff, sagt Uwe Starfinger, Ambrosia-Experte am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig.

Eine Hoffnung richtet sich nun auf einen braun-schwarzen Käfer namens Ophraella communa, der letztes Jahr in Norditalien und der Südschweiz mehrere Ambrosia-Bestände ratzekahl abgefressen hat.

Dieser natürliche Feind könnte auf dem Weg nach Norden sein, glaubt Starfinger, und der Ambrosia auch hier den Garaus machen. Die beiden haben sogar gemeinsame Wurzeln: Ophraella stammt ebenfalls aus Nordamerika.

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1. Ambrosia
spikes 09.06.2014
verabreicht als Globuli beim Homöopathen hat mein Heuschnupfenleiden gemildert - sogar fast verdrängt. Seit nun mehr 3 Jahren ist aus 3 Monaten Heuschnupfen im Jahr knapp 1 Woche geworden.
2. Erst Indisches Springkraut jetzt Ambrosia
strickpullover 09.06.2014
Jedes Jahr eine neue "Killerpflanze". Der Artikel ist ja wieder ein Paradebeispiel wie man mit Pseudosensationen Panik macht: "zählen zu den stärksten Allergieauslösern der Pflanzenwelt." Und wo ist es da in der Rangliste? Allergien sind ja immer indivuell, den einen betriffts den anderen nicht. "Es sind winzige, Tausendstel Millimeter" Wie viele andere Pollen auch. Weglassen von weiteren Informationen wird aus einem schlichten fakt eine Sensation gemacht. "kleine biologische Bomben" Gefährlichkeit durch falsch verwendetet Begriffe hochgejazzt. "die bis in die hintersten Verästelungen der Bronchien gelangen." Und andere Pollen schaffen das nicht oder vielleicht auch? usw. Sommerloch, Feiertage. Mal wieder ins Panikartikelarchiv der Bildzeitung gefasst und den über Ambrosia rausgezogen. Was ist eigentlich mit dem Indischen Springkraut geworden? Laut damaliger Meldungen müsste heute ganz Deutschland damit überwuchert sein.
3. Ambrosia
nomade 09.06.2014
Könnten Sie bitte genauere Fotos und Zeichnungen, auch der Wurzeln zeigen? Darf man ausgerissene Ambrosia auf dem Feld verbrennen, oder wie soll man dieses Kraut vernichten?
4. Sind Schweizer intelligenter?
vantast64 09.06.2014
Hier macht es den Anschein und bei den Bahnen schon lange, es gibt noch andere Gebiete, wo diese Leute Spitze sind im Vergleich zu unseren gedankenlosen Führungskräften. Schon vor vielen Jahren hörte ich vom Ambrosiaproblem, es hat sich natürlich nicht durch Liegenlassen erledigt, nur verschärft. Wenn jetzt ein Käfer zur Rettung käme, wäre das sehr schön, aber verdient hätten wir es nicht. Wer weiß, was der kleine Wicht sonst noch so bewirkt, es gibt genügend Beispiele aus z.B. Australien, wo die eine neue Tierart die andere ausrottet. Diese Bedrohungen sind größer als das ganze Terrorismusgedöns und werden trotzdem vernachlässigt, denn nicht alle Politiker sind Allergiker.
5. Leider wir nicht überall gehandelt
wolli1969 09.06.2014
So löblich die Massnahmen in größeren Städten sind, desto überforderter sind offenbar kleine Kommunen die das Problem meist ignorieren.
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