Partnersuche: Spiele, und du wirst finden

Von Eva-Maria Schnurr

2. Teil: Jedes dritte Paar trifft sich im Freundes- und Bekanntenkreis

Große Gefühle: "Liebe muss man spüren" Fotos
Corbis

Da wundert es wenig, dass Liebe auf den ersten Blick zumindest bei längeren Beziehungen gar nicht so häufig ist, wie das Klischee suggeriert. In Pines' eigenen Untersuchungen hatten sich nur 11 Prozent der Befragten gleich beim ersten Treffen verliebt. Und auch eine britische Online-Umfrage ergab, dass lediglich 20 Prozent der Männer sofort und schlagartig von der Liebe getroffen wurden und nur 13 Prozent der Frauen.

Sicher, es gibt diese beiläufigen Begegnungen, bei denen der Atem stockt, wo der Funke in null Komma nichts zu einem Wildfremden überspringt. Eugenie Wulfert traf ihren Freund Peter auf einem Flug von Wien nach Berlin: Sie starrte beim Start wegen ihrer Flugangst angespannt aus dem Fenster, ihr Sitznachbar fragte sie, was es da draußen Interessantes zu sehen gebe.

"Ich bin nicht der Typ, der im Flugzeug Bekanntschaften schließt, eigentlich mag ich es überhaupt nicht, so von der Seite angequatscht zu werden", erzählt die 30-jährige Berlinerin, doch etwas widerwillig ließ sie sich auf das Gespräch mit dem sieben Jahre jüngeren Mann ein, merkte, dass sie schnell gemeinsame Themen fanden.

Am Gepäckband steckte er ihr seine Visitenkarte zu, ein paar Tage später trafen sie sich zum Beachvolleyball, redeten bis drei Uhr nachts, so fing es an. Drei Jahre ist das jetzt her, vor zwei Jahren zog er von Österreich zu ihr nach Berlin.

Statistisch gesehen sind Zufallstreffer eher selten

Statistisch gesehen sind solche Zufallstreffer allerdings eher selten. Denn zwei Drittel der Paare lernen sich in ihrem direkten sozialen Umfeld kennen, ergaben Auswertungen der Pairfam-Studie. "Paare treffen sich am ehesten dort, wo sie sich eine Weile beobachten und herausfinden können, ob es überhaupt passen würde", sagt die Psychologin Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut in München, die mit den Pairfam-Daten Paarbeziehungen untersucht.

Es ist die größte und aktuellste Langzeiterhebung über Beziehungen und Familien in Deutschland - und sie dauert noch an. Seit 2008 befragt ein interdisziplinäres Team jährlich in einer repräsentativen Stichprobe Menschen, die bei der ersten Befragung entweder 15 bis 17, 25 bis 27 oder 35 bis 37 Jahre alt waren. Die Daten der ersten beiden Erhebungen liegen inzwischen vor. Sie zeigen, wo die 7225 Befragten, die in einer Beziehung leben, ihren Schatz fanden.

Auf Platz eins liegt unangefochten der Freundes- und Bekanntenkreis, jedes dritte Paar traf sich dort, so Walper. Mit 22 Prozent auf Platz zwei liegen Arbeit, Schule und Ausbildung; Hobby, Verein und Sport kommen mit knapp 9 Prozent auf Platz vier. Begegnungen in Kneipen und Discos machen immerhin fast 16 Prozent aus, das Internet liegt abgeschlagen bei 5,6 Prozent.

"Wir hätten erwartet, dass das Internet eine größere Rolle spielt", sagt Walper. Während bei den 15- bis 17-Jährigen immerhin fast jede zehnte Liebe online begann, war es bei den 35- bis 37-Jährigen nicht einmal jede 25.

Bei den über 40-Jährigen jedoch scheint sich das Bild wieder etwas zu ändern, darauf deutet eine 2011 veröffentlichte Studie des Internetinstituts der University of Oxford in 17 Ländern hin: Im Freundeskreis wird man nun weniger häufig fündig, dafür jedoch eher im Internet, und zwar nicht nur in Partnerschaftsbörsen, sondern auch in Chats, Foren, sozialen Netzwerken und bei Online-Spielen.

Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwinden

Noch deutlich wichtiger für die Partnersuche als die virtuelle Welt ist in den vergangenen Jahren das Arbeitsleben geworden. Was vor allem daran liegt, dass mehr Frauen berufstätig sind als noch vor ein paar Jahrzehnten. Zudem kommen sich Kollegen durch flachere Hierarchien und verschwindende Grenzen zwischen Job und Privatleben viel schneller näher als früher.

Eigentlich hatte sich Jörg Fudickar fest vorgenommen, niemals in der Firma etwas anzufangen, zu groß schien ihm das Risiko, dass die Arbeit darunter leiden könnte, erzählt der 47-jährige Werbefilmproduzent. Doch bei einem Besuch in der Hamburger Niederlassung seines Unternehmens traf er Frauke.

Für die heute 35-Jährige war es Liebe auf den ersten Blick: Jedes Mal, wenn sie im Büro nur seine Stimme hörte, wurde sie rot, und ihr Herz hämmerte. Irgendwann bemerkte auch Jörg ihr Interesse, doch seine Skepsis blieb - er wollte wirklich sicher sein, dass sie seinen Lebensstil mittragen würde, bevor er sich auf eine feste Beziehung einließ. Zwei Jahre lang verband die beiden eine On-off-Affäre inklusive intensiver Freundschaft. Bis sie ihm sagte, dass sie so nicht weitermachen wolle.

Seither sind sie offiziell ein Paar, vergangenen Oktober haben sie geheiratet. "Dass wir den gleichen Beruf haben, sorgt oft für mehr Verständnis - man weiß, wie der andere sich fühlt, wenn er nach einem anstrengenden Job nach Hause kommt, platt ist, weil so viele an ihm herumgezerrt haben und er einfach nicht mehr reden kann", sagt er. "Hinzu kommt, dass wir eine ähnliche Lebensplanung haben - ich könnte beispielsweise nie mit jemandem zusammen sein, der nicht ähnlich ambitioniert ist wie ich", ergänzt sie.

Ähnlichkeit ist eine weitere heimliche Kupplerin, die besonders im Job, unter Freunden oder Vereinskameraden am Werke ist. Sie sorgt für Vertrautheit, dafür, dass man sich gleich verstanden fühlt.

Spricht es nicht für Seelenverwandtschaft, wenn der andere vom selben Lieblingsfilm schwärmt wie man selbst? Derselben Fußballmannschaft anhängt? Oder den Einrichtungsgeschmack teilt? Sogar ein übereinstimmender Sprachstil führt dazu, dass sich zwei beim Speeddating attraktiver finden, zeigte ein Versuch in Texas.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Danke.
Tom Joad 08.05.2012
"Offen bleiben" ist also die Nachricht. Wäre ich nicht drauf gekommen. Vielleicht klappt's ja nun doch noch.
2. Passt in etwa
mitch72 08.05.2012
Also, ich habe in Dublin gelebt und meine Frau in Berlin. Wir haben uns auch nur übers Internet kennengelernt und leben nun seit 7 Jahre glücklich zusammen. So lag dies wohl nicht wirklich an der "räumlichen Nähe".
3. Das freut mich wirklich für Sie...
heineborel 08.05.2012
Zitat von mitch72Also, ich habe in Dublin gelebt und meine Frau in Berlin. Wir haben uns auch nur übers Internet kennengelernt und leben nun seit 7 Jahre glücklich zusammen. So lag dies wohl nicht wirklich an der "räumlichen Nähe".
... aber nur weil manche Menschen sich trotz großer Nähe übers Internet kennen lernen heißt das ja nicht, dass Sie und Ihre Frau da eher die Aussname sind... Aus Einzelfällen aufs Ganze schließen birgt immer das Risiko des Fehlschlusses (Klugscheißmodus aus). 90% der späteren Paare in Städten lebten vorher nicht mehr als 20km voneinander entfernt, das finde ich schon sehr beachtlich. Und wenn ich mich so in meinem Freundeskreis umschaue ist das auch eher die Regel, die Ausnahmen bilden Leute wie Sie und Ihre Frau...
4. Wir sind verkuppelt worden!
wolfi7777 08.05.2012
Wir waren schon beide ü60, ich Witwer, sie geschieden, als eine gemeinsame Bekannte uns (unabhängig voneinander) immer wieder drängte: " Ich habe den idealen Partner für Dich! Schließlich habe ich in ein gemeinsames Abendessen mit der Kupplerin als "Anstandswauwau" eingewilligt - als ich die mir bis dahin völlig unbekannte, aber nette Dame nach Hause fuhr, bedankte sie sich für den netten Abend. Und als ich fragte, ob sie mich wieder sehen wolle - und wann, antwortete sie: Ja, morgen! Am nächsten Abend fand dann bei mir das kleine schwäbische Vesper statt - und danach landeten wir im Bett ... Seitdem sind wir unzertrennlich. Der entscheidende Punkt war vermutlich, als sie bei mir ins Auto stieg - ich hatte gedacht, die Kupplerin hätte ihr gesagt, dass ich einen großen Hund habe - aber sie wusste das nicht. Als der Hund ihr freundlich übers Gesicht leckte und sie feststellte: was für ein lieber Hund, war alles ok. Das hätte natürlich ganz anders ausgehen können: Der Hund brummt oder bellt, sie schreit entsetzt "Igitt" etc ... Wenn wir diese Kuppelei-Geschichte im Freundeskreis erzählen, gibt es natürlich immer ein großes Hallo!
5.
super_nanny 08.05.2012
Zitat von mitch72Also, ich habe in Dublin gelebt und meine Frau in Berlin. Wir haben uns auch nur übers Internet kennengelernt und leben nun seit 7 Jahre glücklich zusammen. So lag dies wohl nicht wirklich an der "räumlichen Nähe".
War das bei *allen* Deinen Beziehungen so? Ja? Ist völlig normal, 10% aller Paare in Städten lebten vor dem Kennenlernen mehr als 20 km auseinander. Steht übrigens im Artikel :)
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