Diagnose Das sind die Vor- und Nachteile der Krebsfrüherkennung

Es ist ein alter Traum: den Krebs im Frühstadium zu erkennen, um ihn dann auszumerzen. Prominente und Politiker rufen daher zu Screening-Untersuchungen auf. Aber die üblichen Methoden haben ihre Schwächen.

Von SPIEGEL-WISSEN-Autorin Kristina Maroldt

Die weibliche Brust (Illustration): Viele Tumore können heute leicht erkannt werden
Oliver Schwarzwald/ SPIEGEL WISSEN

Die weibliche Brust (Illustration): Viele Tumore können heute leicht erkannt werden


In Deutschland gibt es heute sieben kassenfinanzierte Untersuchungen, um Darm-, Haut-, Prostata-, Brust- und Gebärmutterhalskarzinome möglichst früh zu entdecken; ein gutes Dutzend weiterer Tests können Selbstzahler in Anspruch nehmen. Es gibt Prominente, die zur Darmspiegelung aufrufen, und Politiker, die sich dafür einsetzen, dass die Menschen zur Mammografie, zum Gebärmutterhals- und Darmcheck regelmäßig eingeladen werden. Keine Frage: Krebsfrüherkennung hat in Deutschland ein fantastisches Image.

Doch seit einiger Zeit mehrt sich die Kritik. Meist sind es Statistiker, die den Nutzen der Programme anzweifeln und die vielen Fehldiagnosen bemängeln. Jürgen Windeler etwa, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), der das Hautkrebsscreening und die routinemäßige Prostata-Tastuntersuchung vor einigen Monaten für "fragwürdig" erklärte. Oder das "Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin", das im Mai eine Neubewertung des Mammografie-Screenings forderte, weil viele Studien zeigten, dass die medizinische Routine viele Frauen unnötigerweise zu Krebspatientinnen mache.

Auf der anderen Seite stehen oft Ärzte und Selbsthilfegruppen, die das Leiden der Betroffenen vor Augen haben: "Natürlich beschweren sich die Kostenträger, dass bei der Früherkennung so viele untersucht werden müssen, um ein Leben zu retten", sagt Kurt Miller, Direktor der Klinik für Urologie an der Berliner Charité. "Aber das interessiert den einzelnen Patienten nicht."

Der, um den es bei der Früherkennung eigentlich geht, der Gesunde, der sich für oder gegen eine Untersuchung entscheiden soll, ist häufig ratlos: Sind die Programme nun sinnvoll - oder nicht? Welche Tests sollte man auch gegen den Rat kritischer Stimmen machen lassen? Und welche schaden mehr, als sie nutzen?

Die Tests, ihre Vor- und Nachteile im Überblick:

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insgesamt 11 Beiträge
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ratte321 31.08.2014
1.
Die Evolution hat uns die Möglichkeit gegeben das wir so etwas nutzen können! Dann tuen wir es auch! Die Beurteilung der Befunde muß immer nüchtern und mit Vernunft statt finden. Wir sollten uns freuen das wir diese Möglichkeiten haben.
Spiegelleserin57 31.08.2014
2. keine Sicherheit!
Screening heißt immer eine Momentaufnahme und ich kenne sogar Fälle die keine 4 Wochen später mit Krebs und Metastasen in die Klinik kamen. Ja da hat doch jemand etwas übersehen. Es kommt immer darauf an wer die Bilder befundet.
Isolde_S. 31.08.2014
3. Relative versus absolute Zahlen
"... Die Senkung der Sterblichkeit an Brustkrebs ist in einigen großen Studien nachgewiesen und beträgt 10 bis 30 Prozent ..." - Mit relativen Zahlen kann man jeden in die Irre führen bzw. beeindrucken. In absoluten Zahlen sieht die Sache schon anders aus: Ohne Screening sterben von 1000 Frauen binnen 10 Jahren 5 an Brustkrebs, mit Screening nur 4. Das ergibt eine Senkung der Sterblichkeit um sage und schreibe 20 %. Allerdings: Von 1000 Frauen wird mittels Screening nur einer einzigen das Leben gerettet, also gerade einmal 0,1 %. Das liest sich dann schon ganz anders. Von den falsch-positiven Befunden und (möglicherweise) unnötigen belastenden Therapien mal ganz zu schweigen.
greywolf58 31.08.2014
4. Das mafiöse Millionengeschäft mit der Prostata
Die Statistiken sind eindeutig und weisen darauf hin, dass sehr vielen Männern das unsäglfiche Leid der Impotenz und Inkontinenz nach der profitablen (und im Urologie-Studium gelernten) Radikalen Prostata Ektomie (RPE) hätte erspart werden können. Stattdessen "raten" nach wie vor fast alle Urologen weiterhin zu dieser radikalen Entfernung, natürlich incl. Samenbläschen. Eine etwaige nervenerhaltende bzw -schonende Operation, die den Männern ihre Potenz und Libido erhalten würde, ist schon deswegen nur ein Trugbild, weil der zusätzliche Aufwand von den Kassen nicht getragen wird und die meisten Urologen derartige OP-Techniken auch gar nicht beherrschen. Deshalb bedient man sich gerne des Totschlag-Arguments der Biopsie. Und hier liegt denn auch der Hund begraben: Die Biopsien werden stets von "befreundeten" Laboren oder gar der klinikeigenen Histologie durchgeführt. Der Patient bekommt weder seine Proben zu Gesicht, noch hat er auf den Ablauf irgendeinen Einfluss. Damit ist dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet. Richtig wäre es, wenn die Biopsie-Proben lediglich mit dem Namen des Patienten, den Zuordnugsnummern und einer anonymen Begleitliste an den Patienten direkt nach der Biopsie übergeben würden, der diese dann selbst in ebenfalls anonymen Verpackungseinheiten an ein Labor seiner Wahl schickt. Das Labor darf weder die Identität oder Tel.-Nr. des Urologen erkennen und das Resultat steht ausschliesslich dem Patienten zu und wird auch direkt an ihn verschickt oder gemailt, der dieses dann mit den Urologen seines Vertrauens besprechen kann. Damit wäre der Mißbrauch mit den Biopsie-Ergebnissen unterbunden und die Zahl der Ektomien ginge - jede Wette - "radikal" zurück. Unglaublich? Es wäre nicht der erste bundesweite Ärzte-Skandal, der aufgedeckt würde.
tomy1983 31.08.2014
5. Darmspiegelung
Gerade erst durchgeführt und es hat sich gelohnt. Ich bin viel zu jung für Darmkrebs und es musste extrem viel entfernt werden. Aber besser jetzt als später. Kann's nur empfehlen.
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