Psychotherapie "Ich glaube, es geht hier um mich"

Einen Blick ins eigene Innenleben wagen die meisten Menschen erst, wenn der Leidensdruck groß ist. Wer einen guten Therapeuten findet, wird aus Krisen gestärkt hervorgehen.

Corbis

Wenn Peter Meichsner(*) Bilanz ziehen soll, jetzt nach 58 Jahren Leben, will er "nicht undankbar" sein. Seine beiden Kinder sind "eine Freude", zu der getrennt lebenden Frau hat er "guten Kontakt". Im Beruf sei er erfolgreich, sagt der selbständige Architekt. Meichsner fühlt sich wohl in seinem Freundeskreis, er kocht und isst gern, treibt viel Sport, geht ins Kino und in die Oper, liebt es, in der Natur unterwegs zu sein.

Als seine Frau ihm 2011 nach 20 Jahren Ehe erklärte, dass sie in Zukunft lieber ohne ihn leben wolle, meldete sich der Einmeterneunzig-Mann in der Praxis einer Therapeutin. Die Trennung war der Anlass, sagt er. "Aber vor allem wollte ich wissen, warum ich das quälende Gefühl hatte, dass mir das zu Recht geschah."

Sandra Pohl ist das, was im Arbeitsleben leistungsbereit genannt wird. Intelligent, schnell und bis zur Hingabe fleißig. In ihrem Job bei der Stadtverwaltung fiel das den Vorgesetzten auf. Die gebürtige Dresdnerin war 30, als sie in der Münchner Randgemeinde, in der sie lebt, zur stellvertretenden Personalleiterin der Behörde aufstieg.

Doch parallel zu ihrem beruflichen Vorwärtskommen fiel die freundliche, zielstrebige Frau immer häufiger in "ein tiefes Loch". Auch Urlaube halfen nicht mehr, kurz nach einer Reise bekam sie plötzlich hohes Fieber. Es verschwand, kehrte zurück, immer wieder. Organisch war nichts zu finden, aber die junge Beamtin konnte sich kaum noch konzentrieren, "meine Unterlagen hab ich vor dem PC nur noch von einer auf die andere Seite geschoben".

Der Sache auf den Grund gehen

Schließlich erklärte sie ihrem Vorgesetzten, dass sie so nicht mehr weitermachen könne und meldete sich bis auf weiteres krank. Ostern 2009 landete sie auf Empfehlung in der Klinik Wollmarshöhe, einem psychosomatischen Fachkrankenhaus in der Nähe von Ravensburg. Das Etikett, das auf ihrem Zustand klebte, hieß "Burnout". Aber Sandra Pohl ahnte, dass es nicht damit getan sein würde, wieder jobtauglich zu werden. "Ich musste herausfinden, warum mir diese Ausfälle passiert sind, obwohl ich doch gern arbeite."

Erschöpfung im Beruf, eine Trennung - was so alltäglich erscheint, erschüttert die Betroffenen oft buchstäblich im Innersten. Niedergeschlagenheit, das Gefühl, im eigenen Leben fehl am Platz zu sein, sich über sonnige Momente nicht mehr zu freuen, solche Empfindungen können vorübergehen. Wenn sie chronisch werden, stellen sich oft heftige körperliche Symptome ein. Zustände oder Schmerzen, die wie eine Krankheit einzustufen sind und behandelt werden müssen.

So lange sie sich erinnern kann, hatte Sandra Pohl "furchtbare Angst vor dem Alleinsein" gehabt, vor Gedanken, Grübeleien und welche Gefühle sie auslösen könnten. "Um das zu vermeiden, bin ich in Aktionismus verfallen." Sport, Freunde, Reisen, jede Art von Ablenkung war ihr recht. Peter Meichsner konnte monatelang nachts kaum schlafen, weil er dachte, dass er die Kontrolle über sein Leben verlor. Seine Rückenprobleme bekämpfte der ehemalige Leistungssportler mit Yoga und Pilates. Über seine Sorgen sprach er sich wieder und wieder mit Freunden aus, die ihm zuhörten und doch nicht helfen konnten.

Aber Psychotherapie? Das schien ihm lange "wie ein Eingeständnis individueller Schwäche". Schließlich sei er im Freundeskreis mit der Trennung von seiner Frau "in bester Gesellschaft". Aber seine Traurigkeit wollte kein Ende nehmen. Und es schwante ihm, dass sein Zustand weniger mit seiner Frau zu tun hatte. Eines Tages musste er sich eingestehen: "Ich glaube, es geht hier um mich."

Ein Drang, sich selber kennenzulernen

Sandra Pohl wünschte sich nur, dass ihre "Hilflosigkeit endlich ein Ende nehmen" sollte. Drei Wochen wollte sie in der Klinik bleiben - es wurden neun daraus. "Ich hatte ja keine Ahnung", sagt sie, "wer ich bin."

Was Meichsner und Pohl zur Therapie bewog, war weniger der äußere Zwang, besser zu funktionieren. Vielmehr trieb die beiden ein inneres Bedürfnis, das eigene Erleben und Verhalten besser verstehen und beeinflussen zu wollen. Dazu kam der Leidensdruck, den die kreisenden Gedanken und die Schlaflosigkeit, das Fieber oder die Konzentrationsstörungen ausübten.

Für die Münchner Therapeutin Angelika Egger, bei der sich Meichsner in Behandlung begab, greift eines ins andere, die persönliche Krise und die Person, die sich auf eine Therapie einlässt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehe "das urmenschliche Bemühen, das wahre Selbst, den eigenen Wesenskern, stetig weiterzuentwickeln", sagt Egger. Es gehe nicht darum, "ein geklontes, vermeintlich ideales Selbst zu formen, das dem gerade herrschenden Zeitgeist entspricht".

Für einen seelisch belasteten Menschen ist es ohne die Hilfe eines professionellen Begleiters fast unmöglich, zwischen der Suche nach dem "wahren Selbst" und einem ungesunden Ego-Tuning zu unterscheiden. Der Patient kann nur die Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie schaffen: die Bereitschaft, nach Innen zu schauen. Dieser Schritt fällt vielen Bedürftigen noch immer schwer.

Erst in der Not, fängt man an zu forschen

In seinem Buch "Seelenleben" schildert Therapeut Till Bastian, der in der Klinik Wollmarshöhe Patienten wie Sandra Pohl behandelt, mit welcher Fürsorge der Durchschnittsdeutsche sein Auto wartet(**): Schon die Bedienungsanleitung für einen VW Polo umfasse 359 Seiten, "ein stattliches, Respekt einflößendes Druckwerk". Wie aber, fragt der Autor, "bediene, warte und pflege ich meine Seele"? Und warum, will Bastian von seinen Lesern wissen, "stehen wir der faszinierenden Vielfalt unseres 'Innenlebens', so ignorant und desinteressiert gegenüber"?

Fast immer braucht es, wie bei Meichsner und Pohl, eine existentielle Krise, bis Menschen sich auf den Weg zu sich selbst machen. Die Ursachen der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu erforschen, ist freilich mühsamer und lästiger, als sich eine Ayurweda-Kur in Niederbayern zu gönnen. Forschungsreisen ins Ich benötigen Geduld, führen erst mal ins Dunkle und erscheinen anfangs ungefähr so verlockend wie die Beschäftigung mit dem eigenen Testament.

Peter Meichsner hatte den Namen seiner Therapeutin in einer SPIEGEL-WISSEN-Geschichte gelesen. Was ihn irritierte, aber auch interessierte, war die Form der Hypnosetherapie, die Egger einsetzt. "Hypnose, das kam für mich bis dahin gleich hinter Spökenkiekerei", was in Meichners emsländischer Heimat so viel wie Hellseherei bedeutet. Dabei geht es bei der Hypnose darum, mit Hilfe des Therapeuten in einem tief entspannten Zustand, ähnlich dem beim autogenen Training, "die Kraft und die Kreativität des Unbewussten zu nutzen, um Verletzungen des Selbst zu heilen", sagt Egger. "Vergessene oder verdrängte Erlebnisse und Erinnerungen tauchen auf und erfahren eine neue Lösung."

Probleme, die sich weit ins spätere Leben verschleppen

Oft hat der Patient früh im Leben eine verstörende Hilflosigkeit erlebt. Meichsners Eltern hatten sich getrennt, als er fünf Jahre alt war, er wurde wochenlang vor dem Vater versteckt, der die Mutter mit Gewalt zurückgewinnen wollte. In solchen Extremsituationen bringen Kinder eine Anpassungsleistung auf, die ihnen, so Egger, "in einem vergifteten Umfeld das Überleben sichert". Der Preis dafür wird im Erwachsenenleben gezahlt.

Meichsner halfen die Erinnerungen, besser zu verstehen, was ihm in seiner Ehe wie auch in anderen Beziehungen, etwa im Job, immer wieder Schwierigkeiten bereitet hatte: Kritik beispielsweise nahm er allzu persönlich, eigene Wünsche und Anliegen behielt er aber so lange für sich, bis er sich benachteiligt fühlte und aufbrausend wurde. Seine frühere Frau und die Kinder waren mit den lauten Ausbrüchen ebenso wenig zurechtgekommen wie die Mitarbeiter im Büro. "Da bin ich zwar der Chef", sagt der Architekt, "aber es gefiel mir nicht, dass ich bei vielen als arrogant und ungeduldig galt." Es hatte ihm lange schon zu schaffen gemacht, "das nicht ändern zu können".

Sandra Pohl fand in der Klinik Wollmarshöhe in den Gesprächen mit ihrem Therapeuten Bastian heraus, "wie empfindsam, aber auch verletzbar mein Gemütsleben ist". Jahrelang hatte sie ihre eigenen Belange und Bedürfnisse in der Arbeit wie im Privatleben quasi ignoriert und damit unbewusst herausgefordert, dass andere ihre Grenzen missachteten - wie jener Mann, der zwar nur zu gern mit der hübschen Frau eine Affäre hatte, ihr aber gleichzeitig sagte, sie sei nicht sein Typ. Oder wie jener Chef, der Pohl zwar mit Arbeit eindeckte, sie aber zurückwies, wenn sie Informationen gebraucht hätte.

"Ich dachte, ich muss das mit mir ausmachen"

Teil der Therapie in der Klinik war ein Tag allein in der Natur. Obst und Wasser hatte sie dabei. Und etwas zum Schreiben. Pohl schrieb die Geschichte eines kleinen Mädchens auf, das jahrelang seine Traurigkeit darüber unterdrückt hatte, vom Vater verlassen worden zu sein. "Dabei ging's dem Mädchen gar nicht gut." Tatsächlich war der Vater der damals zehnjährigen Sächsin nach einer Reise in Westdeutschland geblieben, Jahre vor der Wiedervereinigung. In der Schule wurde sie gehänselt, weil sie Hautunreinheiten bekam, die ihre Klassenkameraden "Ausreisepickel" nannten. "Aber ich dachte, ich muss das mit mir ausmachen, meine Mutter hatte doch schon so viel zu tragen, allein mit mir und meinem kleinen Bruder."

Therapeuten wie Egger und Bastian geht es nicht darum, in der Kindheit ihrer Klienten herumzustochern. Aber um ein Reaktions- oder Verhaltensmuster zu verändern, ist es notwendig, zu ergründen, wie solche Muster entstanden sind. Bastian spricht von "Seelenvergessenheit", wenn Menschen dem Glauben erliegen, sie könnten sich ein starkes Ich gewissermaßen zusammencoachen, ohne nach innen zu schauen.

Unkontrolliertes Aufbrausen, mangelndes Selbstwertgefühl - egal, was jemanden hindern mag, seinen inneren und äußeren Lebensspielraum voll auszunutzen: Sehr häufig basieren solche Verhaltensweisen auf Abwehrstrategien, die der- oder diejenige "in einer leidgeprüften Kindheit" (Bastian) gebraucht und verfestigt hat.

"Selber schuld"

Wie groß dieses Leid sein kann und wie notwendig die Introspektion, um erst einmal nur am Leben zu bleiben, hat Daniela E., eine andere Patientin von Bastian, erfahren. 18 Jahre lang, von ihrem zweiten bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr, wurde E. mal von ihrem Großvater, mal von ihrem Vater sexuell missbraucht. 18 Jahre lang gehorchte sie den Drohungen der Täter, ja nichts zu sagen, "sonst passiere etwas ganz Schlimmes, und ich sei schuld". Als sie vier war, hat sie im Garten Blüten gesammelt und sich einen Zaubertrunk gebraut, "der sollte meine Seele schützen, wenn ich schon meinen Körper nicht schützen konnte".

Das erste Mal sterben wollte sie mit fünf. Sie erinnert sich so: "Da hab ich eine Banane in ein rotes Halstuch gepackt, es verknotet und an ein Stöckchen gebunden, das ich dann über die Schulter legte, und bin heimlich zum Spielplatz. Stundenlang war ich dort, aber es hat keiner gemerkt. Niemand hat mich vermisst. Irgendwann bin ich wieder nach Hause und dachte: selber schuld."

Mehrfach hatte das Kind gesehen, wie der Vater, ein Geschäftsmann, die Mutter vergewaltigte, geschäftlich ging es bergab, die Villa mussten sie verlassen, die Familie zerbrach. Und Daniela dachte: "Ich bin das Böse, ich bin schuld."

Ritzen, Essstörungen, Mobbing in der Schule, Sitzenbleiben. Mit 19 ein fester Freund, die Mutter warf ihn nach einem Streit raus, und die Tochter musste auch gehen. Der Freund behandelte sie schlecht, aber wo sollte sie hin? "Zum Jugendamt wäre ich nie gegangen, eher hätte ich mich umgebracht, als gegen meine Familie vorzugehen."

Erst als sie 20 war und der Vater nachts in ihre Wohnung kam, sich auszog und nackt neben sie legte, habe sie das "in der Familie zum Thema gemacht", sagt E. ohne erkennbare Emotionen. Ihren Brüdern ist sie bis heute dankbar, dass sie die Schwester dabei unterstützten, dem Vater die Wohnungsschlüssel abzunehmen.

Es verschwindet nicht von alleine

Beruflich bewährte sich die schwer traumatisierte Frau in einer Beratungsfirma. Vielleicht ist es vorüber, dachte sie eines Tages, "vielleicht hab ich es hinter mir".

Abtauchen. Nur nicht nachdenken. Weitermachen, als ob nichts gewesen wäre. Oft stürzen sich seelisch verletzte Menschen in die Arbeit, scheinen erfolgreich, während es im Inneren vor sich hin schwelt.

Bei Daniela E. kamen die Schmerzen 2008. Zuerst in einer Schulter, dann nach und nach im ganzen Körper. Von Arzt zu Arzt rannte sie, immer neue Diagnosen, schließlich hatte sie einen Bandscheibenvorfall, der später sogar mit Morphium behandelt wurde. Noch keine dreißig war sie da. Es folgte ein schrecklicher Entzug. Ihr wurde klar, dass sie den Dingen auf den Grund gehen musste, und sie suchte eine passende Klinik. "Ich wollte was mit Sport, Kunst, Natur." 2011 humpelte sie an Krücken in die Wollmarshöhe. Alle Gelenke waren entzündet, sie konnte nicht mehr Auto fahren, nicht mehr die Beine überkreuzen.

Bei derart schwer verwundeten Patienten kommt es vor, dass selbst erfahrene Therapeuten wenig ausrichten können. Bastian fand die Frau anfangs "gar nicht so angenehm, völlig fixiert auf ihre körperlichen Beschwerden, immer nur neue Medikamente". Als er die Einzelheiten erfuhr, dachte er: "So eine extreme Geschichte, was soll ich da bewirken?" Schließlich wusste er, wie seine erste Botschaft lauten musste: "Sie sind nicht nur das allein, nicht nur ihre schreckliche Geschichte. Sie haben Missbrauch erlebt, aber Sie sind mehr als das. Sie bestehen nicht nur aus Schmerzen."

"Auf den eigenen Trommler hören"

Zehn Monate, verteilt auf drei Klinikaufenthalte, hat E. gebraucht, was gemessen an ihrer Leidensgeschichte wenig erscheint. Einzelheiten des Missbrauchs hat sie während der ersten Behandlungsetappe nicht erzählt, "es reichte mir, es überhaupt gesagt zu haben, ich dachte, so könnte ich mich von dem Ganzen befreien".

In der zweiten Phase brachen die Erinnerungen hervor. "Frau E. setzte sich mit dem Missbauch kreativ auseinander", sagt Bastian. Bilder über Bilder hat sie gemalt, mit weißer Farbe auf schwarzem Hintergrund. In der Kunsttherapie zeigte sich E.s Einfallsreichtum, ihre Fähigkeit, sich eigene Welten zu erschaffen. Bastian vermutet: "So wird sie sich auch in den schlimmsten Situationen gerettet haben." In den Einzeltherapiesitzungen entstand der Wunsch, "das Schweigen zu brechen und sich Luft zu machen". Bastian: "Danach besserte sich ihr körperliches Befinden rapide." Für jeden Fortschritt hat E. sich bei ihrem Körper bedankt, sich umarmt, als sie das erste Mal wieder im Schneidersitz sitzen konnte.

Ob die Behandlung dauerhaft das Leben verändern kann, zeigt sich erst nach ein paar Jahren. Therapeut Bastian rät, unabhängig von der Schwere der seelischen Belastung in jedem Falle "misstrauisch zu sein gegen Gefühle, die uns von außen aufgedrängt werden". Er zitiert den amerikanischen Schriftsteller und Philosophen Henry David Thoreau, der schon im 19. Jahrhundert empfahl, bei der "Reise ins Ich" auf den eigenen inneren Trommler und nicht auf einen anderen zu hören.

Lohnt sich die Reise?

Sandra Pohl betäubt sich nicht mehr durch Aktionismus, wenn mal ein starkes Gefühl aufkommt. Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst oder Freude - "früher wäre ich gleich zum Sport gerannt, heute gehe ich erst mal nach Hause und nehme mir das Recht heraus, mich hinzulegen und abzuwarten, bis mir wieder danach ist, etwas zu tun, und wenn's nur Abwaschen ist". Sie hat verstanden, dass sie nicht immer leisten muss, um geliebt zu werden, nun muss die neue Einsicht nur noch ins Leben übersetzt werden. In ihrer Behörde ist sie bald nach der Auszeit weiter befördert worden, hat sich dann ganz bewusst neue Aufgaben gesucht. Gerade fühlt Pohl sich nicht so ganz ausgefüllt, das will sie gemeinsam mit ihren Vorgesetzten ändern - mit Augenmaß: "Auch da geht es um mein Seelenleben."

Peter Meichsner ist froh, sich auf den Weg gemacht zu haben, "viel besser, als immer so weiterzuwursteln". Er bemüht sich mittlerweile, rechtzeitig in einem guten Ton zu sagen, wie er etwas haben will. Und es sich nicht so übelzunehmen, wenn er manchmal ungeduldig ist. "Wenn ich weniger perfekt sein will", sagt er lächelnd, "kann ich auch mit anderen nachsichtiger sein."

"Ich freue mich"

Daniela E. beeindruckt einen tief, wenn man sie heute sieht und weiß, was sie durchgemacht hat. Der offene Blick, die aufrechte Haltung, dazu ein Strahlen, das einen unwillkürlich anzieht, wenn sie die Hand ausstreckt: "Ich freue mich." Sie ist hübsch, aber das ist es nicht. Als sie sagt: "Ich freue mich", klingt das, als freue sie sich wirklich. Vielleicht über die Begegnung, vielleicht aber auch einfach darüber, dass ihr Leben jetzt, mit 30, hoffentlich endlich beginnen kann.

Die junge Frau hat gelernt, sich mitzuteilen. "Mein Papa-Mama-Loch kann ich nicht füllen", sagt sie, "ich kann das betrauern, aber nicht mehr ändern." Sie ist glücklich über ihren Freund, der ihre Reise zum gesünderen Ich seit vier Jahren liebevoll begleitet.

Und sie hat die Täter für das, was sie ihr angetan haben, angezeigt. Doch der Versuch, Ermittlungen in Gang zu setzen, hat nicht geklappt, Missbrauch verjährt. Sie gibt nicht auf. In der Klinik, als sie schon dachte, jetzt geht's nicht weiter, ist ihr ein Satz eingefallen, der ihr Kraft gibt, weil er stimmt und anderen Mut machen kann: "Ich bin die Frau, die so viel erreicht hat. Ich prüfe jeden Schritt, und ich gehe meinen Weg."



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Seite 1
Evoken 22.09.2013
1. Jap
Wohl wahr, wohl wahr. Leider muss ich dem entgegnen, der Bedarf übersteigt bei Weitem die Anzahl der Praxen und es gibt zu wenig anerkannte Psychotherapeuten und viele glauben einen vor sich zu haben, dabei ist es keiner - Stichwort Homöopathen. Daher wichtig, Kassenzulassung und Ausbildung des Therapeuten (psychologischer Psychotherapeut) checken. Nach der dritten Ablehnung durch die Kasse, kann auch ein nicht bei der GKV zugelassener Therapeut beantragt werden!
Neinsowas 22.09.2013
2. meine Erfahrung:
Zuerst muss man den passenden Therapeuten überhaupt finden...mit Wartezeiten dauert das u.U. Jahre....dann muss man sich arrangieren: Jeder Therapeut hat seinen eigenen Ansatz und sein eigenes System, mit dem er arbeitet. Ob man will oder nicht, ist man, per Krankenakte, einmal für immer durch ihn eingeordnet. Selbst wenn man sich mit dem Therapeuten gut versteht, bleiben Verständnislücken...oft wird gesagt, man solle das Vergangene loslassen und sich auf das Zukünftige konzentrieren...hierbei werden verschiedene Methoden angeboten. Jedoch gibt es Dinge, gerade die, die in der Kindheit geschehen sind,die mit einem verknüpft sind, die einen geprägt haben, die immer in meiner Person da sind und da sein werden...keine Chance! Man kann vllt. Wut, Schmerz, Verfangensein, Depressionen,... abbauen, letztlich mit medikamentöser Hilfe. Und es tut sicher gut, einen Ansprechpartner zu haben. Aber keine Psychotherapie vermag Wunder zu vollbringen. Letztlich auch dadurch, dass das Erlebte für den Therapeuten nicht nachvollziehbar ist und dies auch gar nicht gewollt wird. Man muss lernen mit sich weiterzuleben und das beste draus zu machen. Wegrennen kann man, auch mit Therapie, vor seinem Schicksal nicht!
elpackito 22.09.2013
3. Tipp
Unbedingt vor einer Therapie Versicherungen wie bspw. Berufsunfähigkeit überprüfen lassen!!! Hinterher sperren sich diese bis zu 5-10 Jahren gegen eine (Nach)Versicherung. Auch wenn es der/dem Patienten/in besser geht.
sitiwati 22.09.2013
4. wenn man
Pech hat, gerät man eine Therapeuten, der selber Probleme hat, erinnert mich an eine Kur, als wir im Kreise sassen und die Therapeutin was erzählte, als ein Mitkurgast sagte. Sie haben doch vom Leben keine Ahnung ! da war der Kurs vorbei!
meinemeinung: 22.09.2013
5. Prägende Kindheitserlebnisse
Der Bericht hebt sich in mancher Hinsicht wohltuend von der sontigen Berichterstatung zu psychischen Themen ab. Bei seelischen Problemen spielen in irgendeiner Form immer auch unverarbeitete Erlebnisse aus der Kindheit eine Rolle, die bis ins Erwachsenenleben das Verhalten prägen und starke Emotionen auslösen. Ohne dies zui berücksichtigen bleibt jede Behandlung nach meiner Auffasung, nur oberflächliche Symptombehandlung. Allerding halte ich auch Hypnose- und Kunsttherapie für eher oberflächliche Therapiemethoden. Um Geschehenes wirklich bis in die Tiefe zu verarbeiten ist nach meiner Erfahrung eine intesive Therapie die den Körper und die Gefühle mit einbezieht notwendig. In psychosomatischen Kliniken ist man sich dessen teilweise bewusst, so das dort auch Körpertherapien zum Einsatz kommen. Es bleibt wohl noch ein weiter Weg bis dier auf breiter Ebene erkannt und entsprechend gehandelt wird. Zumindest erfreulich das soche Themen überhaupt mehr an Bedeutung gewinnen, und so notwendige Veränderungen möglich machen. Ich selbst kann aus Erfahrung sagen, das mir erst der gefühlsbetonte Ansatz mit Hilfe von körpertherapeutischen Methoden, mich mir selbst ein Stück näher gebracht hat, und es erst ermöglicht hat die Ursachen zu erkennen und zu verarbeiten. Es ist allerdings ein langwieriger Prozess. Für mich allerdings auch einer der sich lohnt.
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