Warum Religion? Wo wir Wahrheit suchen

Sechs Menschen, die häufig im Licht der Öffentlichkeit stehen, erzählen von ihrem persönlichen Glauben.

Von Jenny Becker und Kristina Maroldt


Andrea Nahles

Nahles: "Die Kirche sollte Geschiedene in ihrem Glauben unterstützen"
Maurice Weiss/ SPIEGEL WISSEN

Nahles: "Die Kirche sollte Geschiedene in ihrem Glauben unterstützen"

Ich habe durchaus gezweifelt an meinem Glauben, gerade in meinen Zwanzigern, aber irgendwann Anfang dreißig habe ich dann den Weg zurückgefunden: "Mach es wie Jesus, werde Mensch", dieser Satz des Limburger Altbischofs Franz Kamphaus hat mir eine wichtige Brücke gebaut.

Jesus ist für mich bis heute ein großes Vorbild. Nicht im Sinne einer einengenden Moral, sondern weil er gezeigt hat, worauf es im Leben ankommt: dass wir die eigenen Talente erspüren und entwickeln. Schwächen zulassen, Fehler zugeben und verzeihen. Dass wir die Gemeinschaft mit anderen Menschen suchen und zusammen eine möglichst gerechte Gesellschaft gestalten.

Gerade als Jugendliche hatte ich öfter das Gefühl: Das schaffst du nie! Klar ist man da versucht, alles hinzuschmeißen. Zum Glück war ich Mitglied in einer ökumenischen Jugendgruppe. Dort haben wir unsere Ideen diskutiert, aber auch über die Möglichkeit des Scheiterns gesprochen. Da habe ich eine zweite wichtige Botschaft gelernt: Jesus verzeiht dir, wenn du scheiterst. Du hast immer wieder eine neue Chance.

Diese Botschaften sind für mich so wichtig, dass ich trotz mancher Vorbehalte, die ich gerade als junge Frau gegenüber der katholischen Kirche hatte, fest zu meinem Glauben stehe. Klar, wir brauchten dringend Reformen. Die Kirche sollte Geschiedene in ihrem Glauben unterstützen, statt sie vom Abendmahl auszuschließen. Wir müssten uns endlich dazu durchringen, auch Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Und Schwule und Lesben sollten nicht nur als Personen geachtet werden, sondern ihre Liebe auch leben dürfen.

Doch seit ich mich einmal mit den Hintergründen all dieser Fragen beschäftigt habe, wurde mir auch klar, wie schwierig die Reformen sind. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, in der sehr unterschiedliche Meinungen bestehen. Wenn man da einen Konsens sucht, geht es wohl ähnlich zu, wie wenn die SPD einen Parteitagsbeschluss fällt: Man diskutiert ewig. Am besten ist, wenn am Ende ein Kompromiss steht, der sicher nicht perfekt ist, aber der einen gemeinsamen Nenner darstellt.

Aktuell beschäftigt meinen Mann und mich vor allem die Frage, wie wir unserer kleinen Tochter den christlichen Glauben überhaupt vermitteln können. Das ist nämlich gar nicht so einfach. In meiner Kindheit war Religion selbstverständlicher Teil des Lebens. Heute findet in unserem Dorf wegen des Priestermangels nicht einmal mehr jedes Wochenende eine Messe statt.

Wir versuchen zu Hause, unsere Tochter mit Gott bekanntzumachen. Vor dem Essen sprechen wir immer ein Gebet, zumindest das "Amen" am Schluss kräht sie schon prima mit. Abends danken wir für den Tag. Mir ist wichtig, dass sie die christlichen Werte verinnerlicht, die Prinzipien der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit, der Hoffnung, des Verzeihens. Sollte sie sich später entscheiden, aus der Kirche auszutreten, wäre das für mich sicher bitter. Ich hätte aber immer die Hoffnung, dass sie durch kritische Fragen ihren eigenen Weg zum Glauben findet. Wie ich damals.

Nahles, 42, ist Bundestagsabgeordnete und seit 2009 Generalsekretärin der SPD. Mit ihrem Mann und ihrer zweijährigen Tochter lebt sie auf dem ehemaligen Bauernhof ihrer Urgroßeltern in der Eifel.


Uwe Hück

Hück: "Herrgott und Buddha, zwei Ansprechpartner"
Markus Hintzen/ SPIEGEL WISSEN

Hück: "Herrgott und Buddha, zwei Ansprechpartner"

Ich bete vorwiegend zu Buddha, nicht zu Gott. Aber das ist für mich das Gleiche. Es ist, als würde ich eine Sprache in zwei Dialekten sprechen. Einmal ist sie buddhistisch, dann wieder näher an der Bibel. So gesehen bin ich evangelischer Buddhist.

Als Kind lebte ich im Heim, dort wurde der Glaube erzwungen. Ich musste das Alte und Neue Testament lesen. Aber der Herrgott wurde mein Partner, er gab mir Kraft. Ich hatte ja sonst niemanden. Irgendwann habe ich zum Himmel geschaut und gesagt: Wenn du mich stark machst und mächtig, dann kümmere ich mich um die Schwachen. Dieses Versprechen habe ich dem Herrgott gegeben, nicht Buddha. Deshalb habe ich heute zwei Ansprechpartner.

Den ersten Kontakt mit Buddha hatte ich ungefähr mit 18 Jahren, als Thaiboxer. Ich war Profi in dieser asiatischen Sportart. Bevor man den Ring betrat, betete man für einen guten Kampf. Das gehörte einfach dazu. Also habe ich mit Buddha gesprochen.

Für den Buddhismus habe ich mich begeistert, weil er liberal ist. Buddhisten leben absolute Offenheit und absoluten Respekt! Die christlichen Kirchen unterscheiden die Menschen danach, ob sie Mitglieder sind oder nicht, ob sie ihre Kirchensteuern zahlen oder nicht. Das finde ich unerträglich, genauso wie die strenge Auslegung der Bibel.

In meinem Haus habe ich ein großes Regal mit Bibeln und einen buddhistischen Tempel. Am Altar stehen 60 Buddhas. Ich liebe die Figuren und sammle sie auch. An Sonntagen reinige ich den Altar, bestücke ihn neu, und es werden frische Blumen aufgestellt. Ich bete jeden Morgen ungefähr fünf Minuten und abends noch einmal 15 Minuten. So finde ich Ruhe. Bei der Arbeit habe ich keine Zeit, mich zu sammeln, da rotiere ich mit voller Drehzahl.

Zum Meditieren bin ich zu ungeduldig, und auch die buddhistische Selbstaufgabe ist nicht meine Art. Ich will Macht haben, um Unrecht zu bekämpfen. Wenn ich Ungerechtigkeit sehe, kann ich nicht mit Gleichmut reagieren, sondern werde zu einer Naturgewalt. Ich setze mich beispielsweise für benachteiligte Jugendliche ein. Bevor ich Entscheidungen treffe, horche ich nicht still in mich hinein. Aber ich trage einen Buddha an der Kette, und wenn ich eine schwere Aufgabe habe, küsse ich ihn und sage: Hilf mir, dass ich das hinkriege.

Hück, 50, sitzt als Betriebsratschef im Aufsichtsrat von Porsche. Der gelernte Lackierer wuchs im Kinderheim auf. Er ist zweifacher Europameister im Thaiboxen und lebt mit seiner vietnamesischen Frau und drei Söhnen in Mühlacker bei Pforzheim.


Fatmire Bajramaj

Bajramaj: "Mich stört die ständige Kritik an Muslimen"
Markus Hintzen/ SPIEGEL WISSEN

Bajramaj: "Mich stört die ständige Kritik an Muslimen"

Als ich Kind war, habe ich mich gewundert, warum meine Mutter manchmal nicht geantwortet hat, wenn ich sie angesprochen habe. "Was machst du da?", habe ich sie deshalb einmal gefragt. "Ich bete", sagte sie. "Das will ich auch!", rief ich. Also hat sie mir ihr Gebet aufgeschrieben. Auf Albanisch, wir stammen ja aus dem Kosovo. Seitdem ist es auch mein Gebet.

Ich spreche es mehrmals am Tag. Vorm Essen und Schlafengehen, aber auch vor einem Fußballspiel oder einer langen Autofahrt. Es sind nur ein paar Sätze: Ich danke Gott, dass es mir gutgeht, bitte darum, dass er mich, meine Familie und meine Freunde beschützt. Diese Zwiegespräche sind für mich so wichtig wie Essen und Trinken. Sie geben mir Sicherheit. Weil ich weiß: Da oben ist jemand, und immer wenn ich mit ihm spreche, wird es mir gutgehen.

Das traditionelle Ritualgebet, das viele Muslime fünfmal am Tag praktizieren, mache ich nur, wenn ich in die Moschee gehe. Seit ich in Frankfurt wohne, ist das aber die Ausnahme. Ich kenne mich hier noch nicht so gut aus, und allein in die Moschee zu gehen, finde ich nicht schön. Auch das Fasten ist für mich als Leistungssportlerin schwierig, vor allem das Trinkverbot. Einmal habe ich es trotzdem probiert. Nach zwei Wochen musste ich abbrechen. Mein Kreislauf hat schlappgemacht.

Umso wichtiger ist mir das Almosen-Gebot des Islam. Egal, ob beim Zuckerfest oder im Ramadan: Zu spenden ist für mich ein richtiges Muss. Das haben mir meine Mutter und meine Oma so vermittelt, sie sind die Gläubigen in unserer Familie und meine Vorbilder. Mein Vater ist da anders, er fastet nicht, geht nicht in die Moschee. Doch natürlich respektiert er, dass meine Mutter es tut. Alles andere fände ich auch blöd. Glaube ist schließlich Privatsache.

Mich nervt es deshalb sehr, wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die ganze Welt auf uns Muslimen herumgehackt hat: als ob wir alle Terroristen wären! Ich sage mir zwar immer: Hör nicht auf die, du weißt doch, wie der Islam wirklich ist. Trotzdem stört mich die ständige Kritik.

Von meinem Glauben hat sie mich nicht abbringen können. Bis jetzt gab es keinen Tag, an dem ich an Gott gezweifelt hätte. Selbst wenn ich mich wie kürzlich schwer verletzt habe und monatelang nicht auf den Fußballplatz kann, bin ich nicht sauer auf Gott. Ich denke eher: Das ist eine Prüfung. Gott vertraut darauf, dass du stark genug bist, damit klarzukommen. Das hilft mir sehr.

Bajramaj, 25, ist deutsche Fußball-Nationalspielerin. 1992 kam sie mit ihrer Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland, 2011 wurde sie zur deutschen Fußballerin des Jahres gekürt. Derzeit spielt die Angreiferin für den 1. FFC Frankfurt.


Ulrike Kriener

Kriener: "Ich empfinde mich bis heute als kritische Katholikin"
DPA

Kriener: "Ich empfinde mich bis heute als kritische Katholikin"

Der Glaube ist für mich ein Gefühl von Heimat. Ich bin in einem katholischen Elternhaus groß geworden und fühlte mich aufgehoben in den Ritualen, den Festen, der heiligen Kommunion. Oft bin ich an heißen Sommertagen nach dem Spielen in eine kühle Kirche gegangen. Das tue ich immer noch gern. Es ist, als würde man eine andere Dimension berühren. Ich muss dort gar nicht unbedingt beten, einfach nur sitzen und sein.

In der Pubertät erwachten meine Zweifel an der Kirche. Ich wollte die Pille nehmen und war dadurch von der Gnade der Kirche ausgeschlossen. Auch die Beichte mochte ich nicht mehr. Ich wollte den alten Herren, die in diesen dunklen Kästen sitzen, nichts mehr von meinem Leben erzählen. Das Problem war zum einen, dass ich mich als junge Frau nicht in der Kirche wiederfand. Mir fehlten weibliche Identifikationsfiguren. Zum anderen gab es keinen geistlichen Begleiter, der sich meiner Kritik gestellt und mich in dieser Krise begleitet hätte. Ich habe mich immer weiter entfernt von der Kirche und bin dann ausgetreten.

Zurückgefunden habe ich erst vor meiner Hochzeit 1992. Für die Verbindung wollte ich einen kirchlichen Segen haben. Das ist mir nicht leichtgefallen, und ich empfinde mich bis heute als kritische Katholikin. Ich versuche zu benennen, was mir nicht behagt. Mein Mann und ich geben beispielsweise den Lektoren Sprechunterricht, die während der heiligen Messe aus der Bibel lesen. Oft werden die Texte aus dem Evangelium so heilig heruntergeleiert, das ist furchtbar. Außerdem wollen wir Priester unterstützen, die sich verliebt haben. Anlass dazu hatten wir durch den Priester, der uns 1992 getraut hat.

Eine emotionale Nähe zur Kirche entstand wieder, als mein erstes Kind starb. Max hatte ein Aneurysma im Hirn und wurde nur eine Woche alt. Ein junger Geistlicher war als Erster an meiner Seite. Er war unsicher und mit der Situation auch sicher überfordert, aber er war da, hat neben mir gesessen und für mich gebetet. Mich hat sein Mut gerührt. Wie er sich so selbstverständlich zuständig fühlte für jemanden, der gerade Grauenvolles erlebt hat. Wenn man ein Kind verliert, will man erst einmal nicht über seine Gefühle sprechen. Man will sie nur aushalten. Deswegen war nicht die Krankenhauspsychologin der richtige Partner für mich, sondern der Priester. Was meine Seele brauchte, war schlichtweg ein Gebet.

Heute engagiere ich mich für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser. Dadurch habe ich die engste Verbindung zu dem, was ich unter Christentum verstehe. Denn die eigentliche Aufgabe der Kirche ist es, für andere da zu sein, zu dienen.

Kriener, 58, spielte in über 70 Filmen mit. Bekannt wurde sie mit dem Kinoerfolg "Männer". Seit 2003 ermittelt sie als Kommissarin Lucas im ZDF. Sie lebt mit ihrem Mann in München und hat einen Sohn.


Ilja Richter

Richter: "Am meisten übernehme ich aus dem Judentum"
DPA

Richter: "Am meisten übernehme ich aus dem Judentum"

Ich komme aus einem Gemischtwarenladen: Mein Vater war überzeugter Atheist. Meine Mutter war Jüdin, wollte das aber nie ausleben. Im "Dritten Reich" war sie verfolgt worden, auch später hatte sie deshalb Angst, ihre Religion könnte ihr Probleme bereiten. Was ich über Gott erfuhr, brachte mir deshalb Frau Pranke bei. Sie war die Lehrerin im protestantischen Religionsunterricht, den ich damals in Berlin besuchte. Und ich war ihr Lieblingsschüler.

Frau Pranke hat mich für Jesus begeistert. Den bewundere ich heute noch. Allerdings nicht als Sohn Gottes, sondern eher als wunderbaren, von Gott bestrahlten Wanderrabbi. Zum Christsein hat's damit natürlich nicht gereicht. Dass der Messias noch kommt, wie die Juden glauben, erscheint mir aber auch nicht plausibel.

In Glaubensdingen bin ich also ziemlich gespalten.

Manchmal macht mich das ein bisschen wehmütig. Ich konnte nie erleben, wie es ist, sich in einer Religion richtig zu Hause zu fühlen. Als ich mich für mein neues Buch mit dem Älterwerden beschäftigte, habe ich aber gemerkt: Je länger ich mit meinem Gemischtwarenglauben lebe, desto heiterer sehe ich ihn. Er erlaubt einem ja auch Freiheiten. Ich picke mir aus den Religionen einfach das heraus, was mir am ehesten zusagt.

Am meisten übernehme ich aus dem Judentum. Denn auch wenn ich nicht an die Ankunft des Messias glaube: Ich finde, sein Leben als Wartender zu verbringen ist grundsätzlich eine gute Entscheidung. Wer auf jemanden wartet, benimmt sich einfach anständig. Ist der Besuch dagegen schon weg, herrscht bekanntlich sofort wieder Chaos. Außerdem mag ich die geschäftige Atmosphäre in den orthodoxen Synagogen. Schon als ich als junger Mann im Schlepptau eines jüdischen Freundes zum ersten Mal so ein Gotteshaus betreten habe, habe ich mich sofort wohl gefühlt. Dieses herrliche Durcheinander der Stimmen! Im Vergleich zur Strenge der protestantischen Kirchen fand ich das so angenehm normal.

Sich in Deutschland als Prominenter zu seinen jüdischen Wurzeln zu bekennen birgt natürlich immer die Gefahr, zum "Hausjuden" zu werden. Der wird dann in Talkshows herumgereicht, soll zu allem Möglichen die jüdische Perspektive beisteuern. So eine Rolle war mir immer zuwider.

Genauso wie die Tatsache, dass man auch heute noch gern gefragt wird, ob man eigentlich Halb-, Voll- oder Vierteljude sei. Wenn ich das höre, wird mir sofort schlecht. Dass so ein rassistischer Terminus noch immer benutzt wird, sogar von Juden selbst - einfach grauenhaft! Hat irgendwer schon mal von Halbchristen gehört? Na also. Meine Mutter ist jüdisch. Also bin auch ich Jude. Und zwar voll und ganz. Zumindest aus der Sicht des Rabbi bin und bleibe ich einer - wenn auch ein nicht ganz seriöser. Aber ich kann nicht immer Jude sein.

Richter, 60, wurde in den siebziger Jahren als Moderator der Musiksendung "Disco" berühmt. Heute arbeitet er als Schauspieler, Synchronsprecher und Regisseur. Im Mai erscheint sein Buch "Du kannst nicht immer 60 sein".


Anja Kruse

Kruse:
DPA

Kruse:

Meine Kraftquelle ist das Chanten, das singende Rezitieren eines einzigen Satzes. Morgens und abends setze ich mich hin und chante "Nam Myoho Renge Kyo". Das ist der Titel vom Lotus-Sutra, der letzten Lehre Buddhas. Sie besagt, dass jeder Mensch den Buddha-Zustand schon in sich trägt. Durch das Chanten kann man diesem Zustand näher kommen. So lehrt es Nichiren Daishonin, ein japanischer Mönch aus dem 13. Jahrhundert. Er ist der Begründer des Nichiren-Buddhismus, den ich seit 18 Jahren praktiziere.

Wichtig für diese Form des Buddhismus ist der Gohonzon, das ist eine Schriftrolle in einem Schrein. Sie ist eine Art kalligrafisches Mandala, mit dem Satz "Nam Myoho Renge Kyo" im Zentrum. Zum Chanten setze ich mich vor meinen Gohonzon. Ich mache nicht die Augen zu, sondern fokussiere mich auf ihn. Es ist wie ein Gebet, in einer meditativen Versenkung.

Wenn man sich durch diesen Satz mit dem Universum verbindet, kann man tiefsitzendes Karma und alte Muster ändern. In mir hat es sehr viel bewirkt. Früher wollte ich immer mit dem Kopf durch die Wand. Das ist verschwunden. Ich habe eine große Gelassenheit entwickelt, die Dinge sanfter anzugehen und mehr an andere zu denken. Das ist dem "Liebe deinen Nächsten" aus dem Christentum nicht unähnlich. Bisher war das nur ein Satz, den ich theoretisch verstanden habe. Jetzt ist es ein Gefühl in mir drinnen.

Manchmal chante ich, um eine bestimmte Rolle zu bekommen oder mir andere Wünsche zu erfüllen. Das ist okay. Begierden gehören zum Leben dazu. Das gefällt mir am Nichiren-Buddhismus: Er will Spaß und Begierden nicht ausmerzen, sondern akzeptiert sie als einen Zustand vorübergehender Freude. Ich darf also als Schauspielerin den roten Teppich genießen, solange mir klar ist, dass er keine Priorität hat. Mittlerweile habe ich gelernt, mich nicht auf die Erfüllung meiner Wünsche zu fixieren. Manchmal klappt etwas nicht, doch dann stellt sich heraus, dass es so viel besser für mich ist.

Kruse, 56, wurde als Darstellerin in TV-Serien wie "Das Traumschiff" und "Die Schwarzwaldklinik" bekannt. Sie ist Mitglied der buddhistischen Gemeinde Soka Gakkai und lebt in Südfrankreich und Salzburg. Im April erschien ihr Buch "Mein Weg mit Buddha".



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 20.05.2013
1.
Alle äussern sich weitgehend neutral über ihre Sicht ihrer Religionen, aber es ist auch eine leicht beleidigte Antwort dabei. Wer kann sie finden?
kas075 20.05.2013
2. (Nicht)Glauben
Allesammt interessante, für die Personen schlüssige Ausführungen. Aber warum kommt niemand zu Wort, der erläutert, dass auch der engagierte und durchdachte Nichtglaube eine Perspektive bietet und letztendlich durch die massive Präsens von Religionsfunktionären in den öffentlich rechtlichen Medien gerade in diesen diskriminiert wird!
spiegelleser_weiß_mehr 20.05.2013
3. Die Werbung liegt über dem Artikel
Was soll das denn? Die Werbung auf der linken Spalte vergrößert sich derart, dass es nicht möglich ist, in den Artikel zu zoomen und den Text zu lesen. Ich nutze ein iPhone - stellen Sie diesen Bug auf Ihrer Seite bitte ab.
Kometenhafte_Knalltüte 20.05.2013
4. Wo ist der Rationalist?
Ich vermisse den neutralen Standpunkt, einen Menschen der allein von seiner Persönlichkeit gelenkt offen zu seinen Entscheidungen steht, welche er höchstpersönlich trifft und keinen Alibigott zum Vorschieben braucht.
Lexx 20.05.2013
5.
"Prominente"
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