Online-Partnerbörsen 7E46487C sucht die Liebe

Für Akademiker gibt es elitäre Heiratsbörsen, für den schnellen Flirt taugt das Online-Forum: Partnersuche im Internet ist zu einem ausdifferenzierten Millionengeschäft geworden. Um jeden einsamen Single wird erbittert gekämpft.

Von Annette Bruhns

Homepage von Elitepartner: 30 Millionen Euro Umsatz mit dem Versprechen von Glück

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Das Interieur kommt maritim daher, Marinebleu auf Weiß mit rotem Dekor. Es ist ein virtueller Ort, an dem viele Gäste ihr wahres Gesicht mit Masken von Idealmännern und Idealfrauen kaschieren. So könnten sie direkt dem Werbefilm entstiegen sein, in dem sich ein Model neugierig umschaut: Sie sucht Ihn. Und er: Sie.

Der TV-Spot wirbt für ElitePartner.de, der blaue Treffpunkt ist die Website des Portals. Hierher kommen Singles, die keine mehr sein wollen, zum Schutz ihrer Identität maskiert und mit einer Chiffre versehen: Projektleiter, 49, 7E46487C oder Ärztin, 37, 7E588F9D.

Ein signalroter Doktorhut ziert die Seite. ElitePartner wirbt damit, "Akademiker und Singles mit Niveau" zu verkuppeln. Das Konzept scheint aufzugehen, im Monat Januar tummelten sich bei ElitePartner 557.000 Besucher, wie die Marktforschungsfirma Nielsen ermittelte. Das ist zwar noch weit entfernt von Friendscout24.de mit 833.000 Nutzern im selben Zeitraum. Aber dafür ist ElitePartner eben auch ein Eliteclub mit gepfefferten Preisen: Bis zu 139,90 Euro kostet eine Monatsmitgliedschaft.

Doch nicht jeder liebesdurstige Akademiker denkt elitär. Das Dating Cafe etwa, eines der ältesten Singleportale Deutschlands, wird ebenfalls viel von Studierten frequentiert. Es ist deutlich kleiner; im Januar suchten hier laut Nielsen 99.000 Nutzer ihr Glück. Dafür verbrachte jeder von ihnen mehr als anderthalb Stunden im Schnitt in seinem E-Café. Auf nur 19 Minuten dagegen kamen die Nutzer von ElitePartner im selben Monat.

Statt Nummern tragen die Dating-Cafe-Gäste Phantasienamen. Sie nennen sich "man2go", "kroete68" oder schlicht "irene". Und sie zeigen sich: mit dem Motorrad oder am Strand, neben dem Hund oder vor der Zimmerpalme. Nur eine Minderheit anonymisiert die Fotos mittels des Unschärfe-Buttons. Nicht der Beruf, sondern Alter und Körpergröße gehören bei Dating Cafe zu den Pflichtangaben. Diese werden sogar überprüft: Die Betreiber bitten die Mitglieder um Ausweiskopien und geben dem Profil dann ein Echtheitssignet.

Partnerbörsen als Zufallsbeschleuniger

ElitePartner und Dating Cafe stehen beispielhaft für zwei unterschiedliche Arten der Partnersuche im Internet. Das eine Portal wirbt mit der Verheißung: "Liebe ist kein Zufall". So lautet der Slogan von ElitePartner, danach gestalten aber auch Parship oder eDarling ihr Angebot. Sie sehen sich als Partnervermittler, die ihre Mitglieder passend zueinander matchen, wie der übliche Anglizismus lautet.

Das zweite Modell ist bescheidener. Portale wie Dating Cafe sehen sich lediglich als Zufallsbeschleuniger. Die Mitglieder müssen sich ihre Partner selbst suchen, und zwar nach Optik und Angaben zur Person. Bei der Kontaktaufnahme hilft eine Chatfunktion. Es ist das Flirtmodell, das auch Branchenriesen wie das Gratisportal Badoo anbieten.

Die Macher halten den Unterschied zwischen Partnervermittlung und Flirtbörse für grundlegend. Wie wichtig ist er aber für die Nutzer? Ist es für sie wirklich relevant, ob der Zufall oder ein Matching-Algorithmus sie zu dem Menschen führt, der sie liebt und begehrt? Und wie erleben sie die Zeit davor, die Monate des Suchens, des Mailens, Anrufens, Datens und Wartens?

Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist beim Geschäft mit der Liebe ein düsterer Abgrund. Eine Zurückweisung tut auch dann ganz real weh, wenn sie per Mausklick erteilt wird. Keiner weiß besser von den Hochs und Tiefs der Pirsch im Netz zu berichten als die Suchenden selbst. Und niemand geht lieber über die Schattenseiten hinweg als die Betreiber.

"Ich glaube fest an Colour-Coding"

Jost Schwaner, Geschäftsführer von ElitePartner, hat das Gardemaß des Erfolgsmanagers. Der Jargon seiner Branche geht ihm geschliffen von der Zunge; seine Mundwinkel zieht er meist länger hoch, als das Lachen andauert. "Die HafenCity ist ein schönes Surrounding für eine Onlinecompany", sagt er mit Stolz. Seit 2010 residieren er und seine rund hundert Mitarbeiter auf einer 1200-Quadratmeter-Etage in der neuen Prestigelage von Hamburg. "Aufstrebende City, urban, da gehören wir dazu."

Der große Mann hat eine Top-Konzernkarriere hinter sich, Bertelsmann, Kabel Deutschland, dann Manager beim heutigen Konkurrenten Parship und jetzt Chef der EliteMedianet, die ElitePartner betreibt. Seit 2007 gehört die Firma zur Tomorrow Focus AG, einer Tochter von Burda in München.

Auf Obstkisten im multikulturellen Schanzenviertel habe ElitePartner einst angefangen, erzählt Schwaner. 2004 war das, in Internetzeiten gemessen vor einem Äon. Rasant gewachsen ist das Portal nach dem Einstieg von Burda. Das frische Kapital ermöglichte die Werbekampagnen, für die Schwaner engagiert wurde. In Marketing hat er promoviert. Ihm verdankt die Site auch den maritimen Look: "Ich glaube fest an Colour-Coding. ElitePartner ist blau. Punkt. Genau wie die Telekom magenta ist."

35 Jahre plus, bildungsaffin, kultiviert

Keep it simple - mach's einfach, lautet Schwaners Rezept. ElitePartner stehe für genau zwei Dinge. Erstens eine klare Zielgruppe: "35 Jahre plus, bildungsaffin, kultiviert". Kein Mitglied dürfe etwa durch Gossenjargon andere verschrecken. "Wer keinen geraden Satz formulieren kann, fliegt bei uns raus. Sofort." 30 seiner Mitarbeiter sind nur damit beschäftigt, Profile zu löschen, die dem Elite-Standard nicht gewachsen sind - darunter auch solche mit Nacktfotos.

Zweitens stehe ElitePartner für echte Partnervermittlung. Dazu füllt jeder Kunde zunächst einen Persönlichkeitstest aus. Charakterisieren ihn Sätze wie "Ohne meine Freiräume könnte ich nicht existieren"? Ist er eher ein Frühlings- oder ein Wintertyp? Die "beziehungsrelevanten Dimensionen der Persönlichkeit" will Schwaner erfassen, also das, was eine Partnerschaft stabil hält oder gefährdet: Dominanzstreben, Extrovertiertheit, das Bedürfnis nach Nähe, die Konfliktfähigkeit und anderes.

Das Testergebnis bildet die Grundlage des Matchingprozesses. "Wir haben etwa 3,1 Millionen Profile, davon 47 Prozent Männer, 53 Prozent Frauen. Wenn eine neue Frau dazukommt, matchen wir ihr Profil also auf rund 1,5 Millionen Profile." Gewaltige Zahlen nennt Schwaner da. Wie viele der Profile nur virtuelle Karteileichen sind, sagt er nicht.

Das Matchen erledigt eine mathematische Formel. Der Algorithmus ist Firmengeheimnis. Er gewichtet nach dem bewährten Grundsatz: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Den höchsten Wert beim Matchen, 115 Punkte, erreicht allerdings nicht ein Paar mit identischen, sondern mit nur ähnlichen Charakterzügen. "Wenn wir zwei total Extrovertierte aufeinander loslassen, dann brennt da bald die Luft", sagt Schwaner. "Bei zwei Introvertierten, zwei Schweigern, bleibt dagegen die Küche kalt. Deshalb treffen sich bei uns nie zwei mit denselben Extremwerten."

Im Foyer der loftähnlichen Büro-Etage hängen Hochzeitsfotos und Geburtsanzeigen, "ElitePartner-Kinder" nennt Schwaner diese Babys. Der Kaufmann ist selbst kinderlos, seine Lebensgefährtin hat er mit 18 Jahren kennengelernt. Geheiratet hat das Paar bis heute nicht.

"Dieses Mitglied hat sich von Ihnen verabschiedet"

Wie es ist, online eine Abfuhr zu bekommen, hat der Chefkuppler nie erlebt. Wie das Herz im Hals schlägt, wenn man nach zwei netten Mails das eigene Foto freischaltet. Und wie es dann in den Magen rutscht, wenn statt einer Antwort die Standardabsage erscheint: "Dieses Mitglied hat sich von Ihnen verabschiedet."

Schwaner nickt. "Die automatische Absage, ja, das ist ein Evergreen bei Sitzungen." Immer wieder drängten ihn sensible Mitarbeiter, den roten "Profil löschen"-Button abzuschaffen. "Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera", hält er dagegen. "Denn wenn der Button zum Löschen nicht da ist, was passiert dann?" Schwaner macht eine rhetorische Pause. "Nichts! Der Kunde bekommt weder eine Absage, noch sonst ein Feedback. Was ist schlimmer?"

Das notorische Nicht-Antworten vieler Mitglieder ist aus Sicht des Managers das größte Ärgernis überhaupt. "Wir weisen die Kunden ständig in Mails darauf hin, dass sie Post schon aus Höflichkeit beantworten sollten. Wenn sie es trotzdem nicht tun, fällt das auf ElitePartner zurück", ärgert er sich. "Die sind doof dort, heißt es dann, die antworten nicht."

ElitePartner stehe dennoch gut da auf dem harten "Verdrängungsmarkt". Die Portale kämpfen um jeden Single im Netz; Wachstumsraten durch Neu-User - diese Goldgräberzeiten sind vorbei. "Wir sind die einzigen Matcher, die derzeit profitabel arbeiten", behauptet Schwaner keck. Die Konkurrenz bestreitet das und kontert mit eigenen Erfolgsmeldungen. In diesem Markt ist jeder ein "Testsieger" oder "Marktführer" - Web-Seiten sind geduldig.

Reklame muss sein. ElitePartner etwa hat allein im Januar 1,6 Millionen Euro für TV-Werbung hingeblättert. Den letzten Jahresumsatz beziffert Schwaner auf 30 Millionen Euro, "mit einer Wachstumsprognose für 2012".

Zu viel Arbeit für den Flirt

Matthias Münster hat den Service von ElitePartner im November für ein Jahr abonniert. "Für mich gibt es keinen Unterschied, ob ich jemanden online kennenlerne oder in einer Bar", sagt der Bayer. Münster ist Controller bei der Raiffeisenbank, er lebt in Mering bei Augsburg, in einer Wohnung, die er für sich und seine damalige Freundin gekauft hat. Mit 26 Jahren ist der Banker jünger als Schwaners Zielgruppe. Aber seine Lebensziele sind alterslos.

Denn jetzt ist die Freundin weg, und das Kinderzimmer steht noch leer. Nur die Wäsche des Junggesellen trocknet in dem kleinen Zimmer mit Balkon. Picobello hält er sein Zuhause, die Wände im Esszimmer leuchten gelb, im Wohnzimmer stehen Edelcouch, Glastisch und Flachfernseher. An die Wand hat Münster ein lebensgroßes Schwarz-weißfoto von sich selbst gehängt: Ein Schatten teilt den Körper in zwei Hälften, taucht das Gesicht in eine helle und eine dunkle Seite. "Voll ego" findet sein bester Freund das Großbild.

"Wenn ich eine Freundin habe, dann hänge ich so ein Profi-Foto von uns beiden auf", hält Münster ruhig dagegen.

Der schlaksige junge Mann geht die Suche gelassen an. Zurzeit flirtet er nicht, weil in der Firma so viel Arbeit anliegt, dass er abends nicht auch noch Briefe formulieren will. Ein automatischer Gruß kommt für ihn nämlich nicht in Frage. Die ElitePartner-Seite generiert solche Botschaften aus einem Abgleich der Profile. "Liebe Unbekannte", heißt es dann etwa, "als liebste Sportart habe ich auch Joggen gewählt. Vielleicht machen wir das mal gemeinsam?"

Münster grinst, das ist ihm zu plump. Er sucht hier schließlich die Frau fürs Leben. Deshalb investiert er auch sein Geld in ElitePartner, "hier sind nur Leute, die ernsthaft eine Beziehung wollen", glaubt er. Parship wäre für ihn auch in Frage gekommen - ein Kollege ist mit einer Frau verlobt, die er dort kennengelernt hat. "Aber im Fernsehen lief damals Werbung für ElitePartner, da habe ich darauf gesetzt, dass die jetzt neue Mitglieder bekommen."

Viel billiger, räsoniert er, wäre die Suche per Facebook zu haben. Er habe Bekannte, "die über Lokalisten.de nach weiblichen Facebook-Mitgliedern in der Nähe suchen und sie dann aufs Geratewohl anschreiben". Seine beste Freundin allerdings beantworte solche Anfragen nie, "die ist bildhübsch und bekommt haufenweise Männerpost".

Bisher hat er nur ein Elite-Date gehabt. Die Frau wohnt sogar in seiner Kleinstadt. Beim ersten Mal gefiel sie ihm gut, beim zweiten weniger. "Sie hat die Kinder ihrer Schwester herumkommandiert", kritisiert er, "und den Schwager gleich mit."

Münster wünscht sich eine ebenbürtige Partnerin. Auch deshalb glaubt er, im richtigen Forum zu sein. "Aber es gibt hier auch Metzgereifachkräfte", weiß er, "längst nicht alle haben studiert." Das sei für ihn o.k., gegen eine Fleischerin als Freundin habe er nichts. Auch ein paar Pfunde zu viel wären ihm egal. "Ich will bloß eine glückliche Frau, eine, die zu sich steht. Und ein guter Job macht glücklich." Seine letzte Beziehung sei an der beruflichen Unzufriedenheit seiner Partnerin gescheitert.

Was ihn nervt an ElitePartner, sind die ständigen Mails, die ihn zur Suche auffordern. Und Mitglieder, die ihm nicht zurückschreiben können, weil sie keine zahlenden Kunden sind. Großartig findet er dafür die Rubrik: "In fünf Jahren möchte ich ...". Die checkt er immer als Erstes in den Profilen seiner Partner-Vorschlagsliste. Münster selbst will da "verheiratet sein und Kinder haben".

48 Rechtschreibfehler in drei Sätzen

ElitePartner-Mitglied Silke Ewald aus Meerbusch hat 15 Jahre nach einem neuen Lebensgefährten - seit ihrer Scheidung. Die aparte 48-Jährige mit der blondierten Löwenmähne zieht ihre Söhne, 16 und 17, allein groß; in deren schlimmsten Pubertätsphasen war Ewald wegen der einen oder anderen Jugendsünde sogar bei der Polizei vorgeladen. Gleichzeitig hat sich die Ärztin bis in die Spitze des Pharmariesen Bayer vorgearbeitet, als Forschungskoordinatorin.

Ewald hat genug Humor für die Widrigkeiten der oftmals grotesk anmutenden Anbahnungsversuche. Vieles ignoriert sie einfach, "ich hatte schon Anschreiben mit 48 Rechtschreibfehlern in drei Sätzen".

Ihr ist klar, dass es draußen, auf freier Wildbahn, auch nicht einfach ist. Vergangenes Jahr, am 11. November, hat sie sich verliebt, auf einer Karnevalsparty. "Er sagte, er sei nie verheiratet gewesen." Sie lacht rau. "Dann musste er über Weihnachten in den Urlaub. Offenbar mit Gattin." Sie hat sich dann gleich wieder bei ElitePartner angemeldet.

Häufig kann sie da nicht aktiv werden, "schon weil ich viel dienstlich verreise" - nach China, England, in die USA. Außerdem, sagt sie, "gehen bei mir bis zu 30 Mails hin und her, bevor ich mich verabrede". Im Schnitt, heißt es bei ElitePartner, verabredeten sich die Mitglieder nach fünf bis sechs Mails und zwei Telefonaten. "Das wäre effizienter", sie seufzt, "aber ich bin wohl zu old fashioned".

Der Inbegriff einer Elite-Partnerin

Die Managerin ist der Inbegriff einer Elite-Partnerin. Dabei sucht sie keinen Überflieger. "Schönheit ist mir bei einem Mann wichtiger als ein hoher IQ", behauptet sie, "den hab ich ja selbst."

Meist ist sie es, die den elektronischen Austausch beginnt. "Männer in meinem Alter tun sich schwer mit der Kommunikation in den sozialen Netzen." Den letzten Versuch startete sie am 1. Februar um 16.51 Uhr. "Hi", schrieb sie, "jetzt haben wir ja wechselweise schon häufiger in unseren Profilen gestöbert - aber doch keinen Kontakt aufgenommen. Ich mache hiermit mal den ersten Schritt, denn 98 Matchingpunkte (was immer das heißen mag:-)) und eine 40er Postleitzahl sind doch ein guter Ausgangspunkt."

Die Antwort kam 29 Minuten später: "Stimmt:-) Schicke Dir ein paar Sonnenstrahlen. Schöne Urlaubsgrüße aus Sri Lanka." Die freigeschalteten Fotos zeigten einen Mann, der gemusterte Designerware auf einem gemusterten Sofa vor einer gemusterten Wand trug, "flippig, passend zu mir", fand Ewald. Dass er auf Ayurveda-Kur in Sri Lanka war, gefiel ihr weniger, "ziemlich unmännlich".

Aus der Kurve warf sie dann seine Anfrage eine Woche später: "Bis bald mal auf 'nen Kaffee?" "Einen Kaffee!", ruft die weltgewandte Ärztin entrüstet, "come on, das ist doch stillos!" Ein Wein, findet sie, müsse schon drin sein, beim Date mit einem potentiellen Lebenspartner.

Drei Elite-Männer hat Silke Ewald bisher getroffen. Den ersten, 55, fand sie nett, aber als "Blazertyp mit Manschettenknöpfen" nicht ihr Fall. Der zweite, 42, Makler, säuselte schon am Telefon, "du bist meine Traumfrau". Beim Date entpuppte er sich als "viel dicker und hässlicher als auf dem Foto". Nach einer Viertelstunde war sie dann seine "absolute Traumfrau", in der Rauchpause draußen grabschte er nach ihr, "igitt".

"Ich wollte für das Geld Mr. Perfect"

Nummer drei, Geschäftsführer, wollte unbedingt erst mal spazieren gehen. Mitten im Januar, um 18 Uhr, bestellte er sie an einen Parkplatz am Rhein. "Ich wartete frierend in der Kälte, und er saß im Auto", erzählt sie, "und dann stapften wir in der Dunkelheit am Fluss entlang - dabei laufe ich schon zwei Stunden am Tag mit meinem Hund." Besser wurde es auch danach nicht.

Früher war sie viele Jahre beim Dating Cafe und davor bei einem Eheanbahnungsinstitut. Letzteres war so teuer, dass sie sich wie die Tochter von König Drosselbart aufführte, "ich wollte für das Geld Mr. Perfect". In ihrer Dating-Cafe-Zeit kam es zu zwei Liaisons. Aber die Beziehungen hielten nicht, "und dann sank das Niveau der Teilnehmer, so dass ich zu ElitePartner wechselte".

Im Regal steht neben den Fotos von ihr und den Söhnen das Bild eines Mannes, der sich träumerisch auf seine Ellenbogen stützt. Er war zehn Jahre lang Ewalds Geliebter - bis er vor zwei Jahren starb. Einen Partner gesucht hat sie trotzdem. Aber ihr Herz hing an ihm.

Sie erzählt das ganz offen. Und dann sagt sie, dass sie inzwischen auch bei ElitePartner einen gewissen Niveauverlust konstatiere. Ein Mann, wie sie ihn brauchte, "Typ Pilot und Freidenker", sei ihr da jedenfalls nicht begegnet. Sie brauche keinen "Versorger", sondern einen, der ihr "added value" bringe, "einen zusätzlichen Wert".

Und plötzlich war alles ganz einfach. Vor einigen Monaten hat Ewald ihren "wunderbaren Freidenker" kennengelernt. Nicht etwa im Internet, sondern ganz altmodisch durch eine Kuppelaktion von Freunden. Seit Mai wohnen die frisch verliebten zusammen, seit Juni sind sie verlobt.

Sind Frau Dr. Ewald und Herr Münster von der Raiffeisenbank typische ElitePartner-Mitglieder? Oder ist es eher die Frau, die ihre Geschichte nur anonym erzählen kann? Denn die Lehrerin vom Bodensee schummelt. Sie macht sich fünf Jahre jünger. Aussehen tut sie schließlich sogar zehn Jahre jünger. "Bei ElitePartner kann das aber keiner auf den ersten Blick erkennen", sagt die 61-Jährige, "die sehen nur mein Alter." So ist die Vorgabe des Portals: Alle Bilder sind erst einmal verschwommen ("geblurt") oder maskiert. Echte Fotos darf man erst nach Kontaktaufnahme zeigen.

Deshalb hat die Lehrerin auch noch Bilder von sich bei Friendscout24 eingestellt, das geht sogar gratis. "Ich kann zwar niemanden anschreiben, aber Zuschriften erhalten." So hält sie zwei Eisen im Feuer - seit sechs Jahren.

Dass Singles in mehreren Foren nach Partnern suchen, ist keine Ausnahme. Drei Viertel der Teilnehmer haben Erfahrungen mit anderen Liebesforen, ergab eine Umfrage auf Dating Cafe unter 1685 Teilnehmern.

Wenn ElitePartner und Dating Cafe Bars wären, dann wäre die erste eine Airport-Lounge und die zweite eine Kölsche Kneipe. Nur der Zappes hinter dem Tresen, Dating-Cafe-Chef Björn Walter, passt nicht ins Bild. Er ist keine füllige Frohnatur, sondern ein dünner Großer mit dunkler Mähne, dunklen Brauen und dunklem Bart, einer wie aus einem sartreschen Existentialistensalon.

"Liebe ist Zufall", sagt der Norddeutsche und warnt: "Es gibt kein wissenschaftliches Verfahren, das garantieren kann, dass die ersten zehn Profile einer Partnervorschlagsliste auch wirklich zu einem passen."

Die Zielgruppe bei Dating Cafe sind wie bei ElitePartner Menschen jenseits der 35, also solche, sagt Walter, die "aus Erfahrung klüger lieben". Bei Geschiedenen und Getrennten entstünde häufig eine "resignative Reife: Die haben die Einsicht gewonnen, dass man den Partner nicht verändern kann".

Der 43-Jährige spricht aus Erfahrung. Seine Ehe scheiterte vor zwei Jahren, der gemeinsame Sohn ist 13. Inzwischen hat Walter sich wieder verliebt - online, "aber natürlich nicht via Dating Cafe". Mit der Neuen ist er gerade in ein schickes Domizil in der Hamburger HafenCity gezogen. Auch Walter hat Karriere gemacht: Der Journalist wurde 2001 Chefredakteur des Internetdienstes AOL Deutschland und wechselte dann in die Geschäftsführung diverser Web-Unternehmen, zuletzt war er Online-Chef einer PR-Agentur.

Im Jahresabo kostet die Nutzung neun Euro pro Monat

Den Büros des Dating Cafe sieht man den Erfolg nicht an. Kaffeebraune Auslegware, Ikea-Möbel, kahle Wände ohne Hochzeitsfotos oder Dating-Cafe-Babys, "wir hängen aber die Geburtsanzeigen unserer Kollegen auf", sagt eine Mitarbeiterin fröhlich. Die Firma sitzt in Hamburgs Gewerbegebiet City Süd, "zehn Euro pro Quadratmeter, das hält die Fixkosten klein", erklärt der Geschäftsführer, der 20 Leute im Team hat.

Das Dating Cafe muss sparsam wirtschaften. Schließlich zahlen seine Gäste im Schnitt weniger als ein Drittel von dem, was ElitePartner verlangt: Im Jahresabo kostet die Nutzung nur neun Euro pro Monat. Für 9,99 Euro kann man eine Zusatzoption wählen: dass sich das Abo nicht automatisch verlängert - wie bei vielen Anbietern, zum Unmut der User.

Die Farbe des Portals ist ein warmer Hautton, für das Gefühl von realem Leben sorgen echte Fotos der Mitglieder in der Vorschlagsliste. Der Gast filtert sie sich hier nach eigenem Gusto: nach Alter, Größe, Rauchgewohnheiten, Sternzeichen, Haar- und Augenfarbe. In das Feld "Profiltext" kann der Suchende sein Hobby eintragen und so alle Reiter, Tänzer oder Segler herausfischen - ein Auswahlinstrument, das ElitePartner nicht bietet.

Dating Cafe.de wurde 1998 von einer alleinerziehenden Kauffrau gegründet, ihre Tochter malte eine blaue "Fee", die Mitgliedern Liebestipps flüsterte oder bei Kummer tröstete. Im vergangenen Jahr wurde das Design der Seite komplett überholt; die Kinderbilder sind weg, von der Fee sind nur die Flügel im Logo übriggeblieben.

"Wer immer mit dem Taxi fährt, verlernt das Laufen"

Auch hier suchen überproportional viele Studierte. Vielleicht liegt das an den intellektuellen Herausforderungen, die das E-Café birgt: Es gibt keinen Fragebogen, anhand dessen sich ein Profil fast von allein füllt; jeder muss sich hier in eigenen Worten selbst beschreiben.

Björn Walter findet das richtig: "Wer immer mit dem Taxi fährt, verlernt das Laufen." Die Beziehungen, die seine Kundschaft suchten, machten nach dem ersten Rausch schließlich auch viel Arbeit. Im Gegenzug für diese Härten bietet Dating Cafe täglich außer sonntags Telefonservice für die Mitglieder. Meistens geht es da um Fragen der Art: "Wie lade ich meine Fotos hoch?" Manchmal gibt es auch Beschwerden über "Scam": Das sind falsche Profile aus Ländern wie Russland oder Kenia, deren Besitzer versuchen, mittels einer Flirtbörse an einen Dummen zu gelangen, der ihnen Geld für ein Flugticket schickt. Diese "Professionellen" verseuchen inzwischen fast alle Portale; Matcher wie ElitePartner haben durch den Test allerdings eine natürliche Hürde eingebaut.

Auch bei echtem Kummer geben die Telefondamen Rat: Wenn sich Frauen über rüde Männer beschweren, oder Männer über ignorante Frauen. "Das ist wie im echten Leben", sagt eine der Beraterinnen mitfühlend.

Überhaupt findet das Flirt-Café nicht bloß im Internet statt. Allein in Bonn gibt es drei Stammtische, die sich unabhängig von der Plattform treffen. Die Mitglieder der Donnerstagsrunde sind schon zusammen auf den Kilimandscharo geklettert und waren in Mexiko zum Tauchen. "Das organisieren wir reihum privat", sagt ein Teilnehmer.

25 Leute gehören zum Club, längst nicht alle sind mehr Singles, und längst nicht alle Dating-Cafe-Kunden wie er. "Die Stammtischgründer haben sich darüber kennengelernt und dann Bekannte aus beiden Welten mitgebracht."

Das Portal selbst bietet kostenpflichtige Single-Events an, ein Alleinstellungsmerkmal im Markt. Vom klassischen Speeddaten mit wechseln den Partnern an Tischen bis zum "Walk & Talk", bei dem sich Mann und Frau in Zehnminuten-Spaziergängen kennenlernen, von Brunchtreffen bis zum Kochen in gemischten Teams: Säuberlich sortiert nach Postleitzahl finden sich auf der Web-Seite Angebote zum Singleschnuppern in der realen Welt.

Zwei Stunden Partyfieber

Es ist Sonntag, 11 Uhr. Sieben Frauen und acht Männer sitzen um einen Tisch im Canyon Chorweiler, einer Kölner Kletterhalle. Vorstellungsrunde: "Ich heiße Jule, hab noch nie geklettert, treibe aber viel Sport." "Täglich?" "Ja." "O.K." Nicken, der Nächste bitte. Die Runde wirkt so ernsthaft, als wolle sie einen Sportverein gründen.

Zwei Stunden später herrscht Partyfieber. Die Gesichter glänzen, die Augen auch. Lachend und flachsend kehren sie von der Verschnaufpause zurück an die Seile. Manche wollen gleich weiter machen mit dem Partner, der sie vor der Pause an der steilen Wand abgesichert hat, andere lassen sich auf neue Seilschaften ein. Sie zeigen sich ihre schmerzenden Handgelenke, tasten gegenseitig danach, ob ihre Gurte auch stramm sitzen, tauschen Blicke aus.

"Beim Klettern knistert es oft", weiß der Mann von justDates.de, dem Veranstalter, mit dem Dating Cafe kooperiert. "Wenn man in 14 Meter Höhe spürt, dass unten einer steht und das Seil straff zieht, schafft das Vertrauen." Jule, 41, Architektin, und Alexander, 33, Informatiker, sind begeistert von der Veranstaltung. "Das Internetdaten ist dagegen teuer und verkrampft", sagt er, während er ihr seine Adresse aufschreibt.

"Ich möchte gern überraschen und überrascht werden"

Der Mann mit dem Dating-Cafe-Pseudonym Nordenelch sitzt in seiner Altbauwohnung in Berlin-Neukölln und kramt eine Sieben-Punkte-Liste heraus. Michael Hahn, 54, drahtige Statur, Holzfällerhemd, Cargo-Hose, ist Logistiker bei BMW. Er sammelt und sortiert gern, Elche-Becher in der Küche, Vinyl-Schallplatten im Wohnzimmer. Akribisch hat er Etiketteregeln für Netz-Singles zu Papier gebracht. Die Angaben im Profil sollen "nach bestem Wissen und Gewissen" gemacht, die Zielgruppe potentieller Partner klar umrissen, Nachrichten stets beantwortet, Absagen ausdrücklich formuliert und dann auch akzeptiert werden.

"Da gibt es Leute, die eine Beziehung wollen, in Wirklichkeit aber noch alten Lieben nachhängen", weiß Hahn. "Sie schreiben, dass sie von trauten Kaminabenden träumen, und bekommen beim ersten Händedruck schon kalte Füße." Er sucht hier eher eine echte Partnerin als Gattin Nummer zwei. Der Berliner war schon mehr als 30-mal in Norwegen auf seiner BMW-Maschine, "das ist meine Leidenschaft, und nicht Haus, Garten, Kinder".

Hahn ist zum zweiten Mal im Dating Cafe; eine weitere Mitgliedschaft pflegt er bei "in ist drin". Der erste Versuch bei Dating Cafe brachte ihm eine zweijährige Liebesbeziehung. Jetzt ist die Ex eine "wertvolle Freundin", der er gern beim Möbel kaufen und Dübeln hilft.

"Im Dating Cafe wird man in kein Schema gepresst", lobt Hahn. "Man kann sich ganz frei mit eigenen Texten präsentieren." Genau das würde ihm bei einer Plattform wie ElitePartner fehlen, "da wird man anhand einer auf Hobbys beruhenden Datensammlung gematcht". Seine Traumfrau würde sich so bestimmt nicht finden lassen. Sie soll eine Querdenkerin sein, die sich "noch etwas unfertig fühlt" und auf Status pfeift. "Ich möchte gern überraschen und überrascht werden."

"Klettern, Schottland, Gerechtigkeit, Köln, Musik, Rotwein"

Sandra Glatthor hat geschafft, wovon so viele träumen. In Rekordzeit: Am 5. Februar hat die Essenerin sich bei Dating Cafe angemeldet, Pseudonym Freesoul, am 6. Februar schrieb ihr AC-15 zurück, und am 10. März stellte Glatthor ihren Beziehungsstatus auf "verliebt".

"Ich mag: klare Kommunikation ... Natur ... Berge, je höher desto lieber ... Yoga ... lachen ... Männer, die größer sind als ich" so beginnt ihr Profil. Es endet mit: "Schokoladeneis, Asterix Comics in Dialekt, Empathie - and you?" AC-15 begnügt sich mit Stichworten: "Klettern, Schottland, Gerechtigkeit, Köln, Musik, Rotwein." Und: "Empathie."

Es war dann Sympathie auf den ersten Blick. "Udo und ich wollten uns nur auf ein Käffchen treffen", erzählt Glatthor. Sie ist 37, hat lange Haare und lange Beine und wohnt in einer Maisonettewohnung unterm Dach, die so aussieht wie ihr Profil klingt: die Bücher in weiß getünchten Apfelsinenkisten, eine Wand brombeerfarben, auf dem Tisch die "Happinez", Glatthors Lieblingsmagazin. "Und dann haben wir zehn Stunden am Stück gequasselt, haben die alte Synagoge besucht, haben noch einen Kaffee getrunken und noch einen."

Sie fand ihn schön, obwohl er etwas kleiner war, als er angegeben hatte, "1,80, genauso groß wie ich". Er selbst hatte ja bereits online die Witterung zu ihr aufgenommen mit den Worten: "Dein zweites Foto ist atemberaubend."

Vor ihrem Versuch bei Dating Cafe hatte Sandra Glatthor ihre Fotos kurz bei Friendscout24 eingestellt. "Da bin ich sofort wieder geflüchtet, ich wurde mit Chatanfragen überflutet, es gab ,voting clicks', mit denen der Marktwert angezeigt wurde." Die hübsche Frau fühlte sich "bei lebendigem Leib" verschlungen. "Im Dating Cafe kamen dann viel weniger, aber dafür gezielte Anfragen."

Sie hat Udo dann noch etwas zappeln lassen. Nicht weil es nicht gekribbelt hätte, und auch nicht wegen anderer attraktiver Kandidaten wie "my-self", einem Kite-Surfer.

"Udo wollte partout keine Kinder mehr, er hat schon drei." Doch dann bewies ihr der Verehrer aus dem Netz, dass er "den Arsch in der Hose hat", wie die große Frau anerkennend sagt. "Der wollte mich noch mal sehen, obwohl ich ihm schon den Laufpass gegeben hatte."

Als er dann wieder vor ihr stand, summte es tief in ihrem Bauch. Ihr Nein zu ihm bekam sie nicht über die Lippen. Und er revidierte seins. "Er hat gesagt, er wolle nur mit seiner Ex keine weiteren Kinder."



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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
rodelaax 22.07.2012
1. Jau, klar doch
Täglich wird man dutzende Male mit der Werbung für dieses Unternehmen belästigt. Wenn man sieht, wie dort "Menschen mit Niveau" angesprochen werden, muß man, wenn man sich dann diese "Elite" vorstellt, schon Zweifel an der Menschheit bekommen. Das ist doch absolut lächerlich und der Spiegel macht auch noch Werbung dafür.
BlakesWort 22.07.2012
2.
Online-Börsen sind wunderbar. Nur dumm, dass 90 Prozent aller Mitglieder offensichtlich beschädigte Ware ist. Für einen intelligenten und extrovertierten Menschen stellt sich die Frage nach, wie es im Text heißt, monatelangem Schreiben. Wer den Dreh raus hat, hat nach maximal zehn Mails die Nummer des Gegenübers und macht ein Date klar. Blöd an der Geschichte, das Bild aus dem Netz, welches eine Person von sich konstruiert, ist selten kongruent mit seinem wirklichen Bild. Und nicht zuletzt sollte jeder im Hinterkopf behalten: Wer im Netz aufgrund von Zeitmangel einen Menschen sucht, wird im wahren Leben ebenfalls kaum Zeit erübrigen können. Da macht es das Cyberstalking über Profile, Facebook, WhatsApp etc. nicht besser. Mein Tipp: Geht raus! Das ist völlig barrierefrei. Frauen freuen sich, wenn ein Mann sie nett anspricht - sie träumen sogar von der Begegnung mit dem Traumprinzen, der sich mal was traut! Und Männer denken nicht, dass Frauen sexuell offensiv wären, wenn Frauen mal den ersten Schritt machen. mfg Blake
namenlos321 22.07.2012
3. roboter-partner-suche
ist ja ganz schön armselig, dass man/frau nur noch über computer kontakt finden. Da sitzen die suchenden frustriert eine ewigkeit vor dem computer und quälen sich, aber der große kick bleibt aus. Gelobet sei die vergangenheit. Früher wars einfach geiler. Schöne neue welt.
Martin Franck 22.07.2012
4. Wie passt das?
Auf Online-Partnerbörsen: Psychologen halten Dating-Seiten für untauglich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/online-partnerboersen-psychologen-halten-dating-seiten-fuer-untauglich-a-836063.html) wird auf eine Studie hingewiesen die in '+windowtitle+' (http://www.psychologicalscience.org/index.php/publications/index.php/publications/journals/pspi/online-dating.html) veröffentlich wurde.
Solfegietto 22.07.2012
5. Erfahrungen mit Online-Dating
Aus Frauenperspektive: sie lädt ein paar Fotos hoch und schreibt ggf. sogar noch ein paar Sätze dazu und sie wird unverzüglich bombardiert mit Nachrichten, die kaum über das „hi süße, ficken?“ hinausgehen. Sie muss sich buchstäblich durch eine Schwemme solcher Nachrichten durchklicken, um die wenigen herauszufiltern, die nicht copypasta sind…und selbst die lassen oft den Schluss zu, der Autor weiß nicht was ein Wörterbuch ist bzw. kam nie über die Hauptschule hinaus. Gelangt sie tatsächlich mal an eine halbwegs interessante Nachricht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Autor attraktiv findet gering (Studien bzgl. US-Dating-Seiten sprechen davon, dass Frauen 80% der Fotos Männer-Profile „unterdurchschnittlich attraktiv“ finden). Schließlich wird sie mit der Zeit zynisch, liest nicht mehr jede Nachricht und ihr Profil erhält ein Edit, mittels dessen sie mitteilt, dass sich Männer, die keinen Satz geradeaus schreiben können, jede weitere Mühe sparen können. Um doch noch ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken muss man einen geradezu absurden Aufwand betreiben…bevor sie sich abmeldet. Aus Männerperspektive: er muss ackern - und zwar richtig. Sofern er nicht aktiv Frauen anschreibt kriegt er kaum Besuche auf seinem Profil (vielleicht einen im Monat) und sowieso keine Nachrichten. Er verbringt viel Zeit mit der Erstellung seiner Flirtnachrichten inkl. sorgfältiger Wortwahl, Witz und Eingehen auf die Profilangaben der Adressatin, um ihr Interesse zu wecken. Irgendwann stellt er fest, dass daraufhin gelegentlich sein Profil von der Empfängerin besucht wird, aber dass selten eine Antwort dabei rum kommt. An diesem Punkt erkennt er, dass bei allem Aufwand die Ausbeute gleich null ist und überdenkt seine Strategie in Richtung „Gesetz der großen Zahlen“. Copypasta oder zumindest massenweises Anschreiben ohne viel Mühe, aber dafür um so mehr Rechtschreibfehlern ;) Fazit: Sofern man nicht hübsch ist vergeudet man in online-Single-Börsen seine Zeit. Bist Du eine attraktive Frau wirst Du überrannt mit Anfragen von Männern, mit denen Du nichts zu tun haben willst. Als attraktiver Mann bekommst Du genau was Du willst – jede Menge hübsche Frauen, aus denen Du fast nur noch wählen musst. Wie beim Ausgehen – nur schlimmer ;)
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© SPIEGEL Wissen 2/2012
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