Von Achim Achilles
Seien wir doch mal ehrlich: Weihnachten ist des Läufers blanker Horror. Sitzen, fressen und böse Blicke ernten, wenn man nur ganz vorsichtig fragt, ob es denn vielleicht möglich sei, dass man heute Nachmittag, also nur ein winzigkleines Stündchen durch den Grunewald. "Nein", bellt Mona ohne Anzeichen von Kompromissbereitschaft, "es ist Weihnachtszeit." Aha. Und wo steht, dass in der Weihnachtszeit Laufverbot herrscht? In der Bibel nicht. Im Grundgesetz auch nicht. Und das sind die einzigen beiden Bücher, die ich akzeptiere, wenn es um Verbotenes geht.
Leider kann man mit Frauen nicht sachlich diskutieren, schon gar nicht an einem Adventssonntag. Den ganzen Dezember über wollen die Frauen nachspielen und -spüren, was sie das ganze Jahr über im Werbefernsehen betrachtet haben: glückliche Kinderkulleraugen, Papas in kuschelweichen Pullovern zum Anlehnen und Frauen, die frisch geföhnt Leckereien aus einer superaufgeräumten Küche tragen. Und immer sitzt die ganze Familie gemeinsam auf dem Sofa und kuschelt.
Prima Illusion, aber fernab der Realität. Der Kleine quengelt, weil er mehr Schokolade will, der Große quengelt, weil er zu seinem Kumpel will, der schon zu Nikolaus eine Playstation geschenkt bekommen hat, Vati steht mit Schürze in der Küche, um die nächste Kalorienbombe zu zünden, obwohl er viel lieber laufen gehen würde, sich aber aus Angst vor einer Abfuhr nicht zu fragen traut. Die Gattin schließlich sitzt auf dem Sofa und wartet darauf, dass endlich das große Kuscheln anfängt.
Wenn es nach mir ginge, würden wir Weihnachten abschaffen, vor allem den Geschenkequatsch. Ein Tuschkasten und ein paar Bauklötze für die Kinder, fertig. Leider ist Weihnachtsboykott völlig undenkbar in Familien, in denen ein Läufer zuhause ist. Läufer sind ideale Geschenkeopfer für wohlmeinende Frauen und Kinder. Ich wette, dass ich von Karl wieder ein selbstgemaltes Läufer-Bild bekomme, das siebte oder achte, auf dem ein vollschlankes Mondkalb mit Streichholzbeinen am Horizont entlangläuft. "Papa beim Mahraton" steht darüber. Im vergangenen Jahr hatte Karl dem Kalb ein paar Laufstöcke an die Hand gegeben.
Am heiligen Abend wird wieder eine große schauspielerische Leistung verlangt, wenn ich haltlose Freude und Überraschung zum Besten geben soll. Schlimmer sind nur Monas Präsente. Vor vier Jahren, mitten in der Debatte über den Irak-Krieg, hat sie mir ein Laufhemd in Tarn-Optik geschenkt, sündhaftteuer und aus Italien, nur leider untragbar im politisch korrekten Grunewald. Vor drei Jahren musste ich jubeln über einen Stepper, den ich nach Monas Willen auf dem Balkon hätte benutzen sollen.
Zuerst hatte ich versucht, beim Treten Fernsehen zu gucken. Aber das TV-Gerät war beim besten Willen nicht so zu drehen, dass man es vom Balkon aus hätte sehen, geschweige denn hören können. Also stopfte ich mir Stöpsel ins Ohr und versuchte durch gleichzeitiges Zeitunglesen die CD über modernes Familien-Management zu überhören, die mir Mona zum Stepper dazu geschenkt hatte. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass die Nachbarn, die aus den Fenstern der anderen Straßenseite gafften und winkten und brüllten vor Lachen, dass die mich meinten.
Was ich die letzten beiden Jahre geschenkt von meinem Mönchen bekam, habe ich sicherheitshalber verdrängt. Das größte Geheimnis von langen Ehen und langen Laufkarrieren ist das gleiche: Man muss vergessen können, viel und schnell.
"Was wünschst Du Dir eigentlich zu Weihnachten?", hatte Mona vor ein paar Tagen wieder mal geschäftsmäßig gefragt. Ich weiß genau, dass diese Frage nicht ernst gemeint war. Sie schenkt mir nie, was ich will. Läufer sind schlau genug, sich alle Dinge, die sie wirklich besitzen wollen, selbst zu kaufen. Denn Ehefrauen von Läufern neigen dazu, in kompletter Fehleinschätzung des Gatten und seines Sports alberne Themen-Geschenke zu machen. Vielleicht komme ich dieses Jahr mit einem Laufbuch und dem Jux-Duschgel "Waschbrettbauch" davon. Ehrlich, so was gibt es wirklich, habe ich neulich bei Mona auf dem Computer gesehen.
Was ich mir wirklich zu Weihnachten wünsche? Ein Konto mit 100 Stunden Trainingszeit, die man überall und jederzeit einlösen kann, ohne Debatten oder lästige Kompensationspflichten. Oder Geschenke, wie Klemmbrett sie macht: Beim letzten Gruppentraining im Wald hat er zuerst endlos viele Minutenläufe angeordnet und zum Schluss, als alle schon scharf auf Glühwein waren, noch ein extra Tempotraining im Stadion befohlen. Nur Präsente, die weh tun, überraschen den Läufer angenehm.
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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