Von Achim Achilles
Natürlich gehen wir Läufer immer wieder mit den allerbesten Vorsätzen ins neue Jahr, wahrscheinlich seit einer Dekade schon mit den gleichen: mehr trainieren, vor allem lange Tempoläufe, kein Alkohol bis zum ersten, sagen wir, Halbmarathon, absoluter Kohlehydrat-Verzicht, regelmäßige Gymnastik oder zumindest gelegentliches Stretching und einmal die Woche Schwimmen. Keine neuen Schuhe, bis nicht mindestens die jüngsten drei Paar sichtbar abgelaufen sind. Und wo wir gerade bei den zentralen Vorhaben sind: dem Laufkollegen Matthias St. werde ich 2007 aufs Maul hauen, wenn er mit seiner hohlbirnigen Nölerei nicht aufhört.
Ältere Herrschaften wie ich, die Optimismus in eigener Sache für einen sympathischen, wenngleich realitätsfernen Charakterzug halten, wissen allerdings, dass man sich mit der ewigen Vorsatzfasserei nur eines einhandelt: schlechte Laune. Denn wer zehn Vorsätze hat, hat auch zehn Chancen, nach fünf Tagen den ersten nicht eingehalten zu haben, zum Beispiel den mit dem Tempolauf. Außerdem hat das Schwimmbad wegen Renovierung geschlossen. Und Klaus-Heinrich hat am 4. Januar Geburtstag. Man wird mit seinem besten Laufkumpel ja wohl anstoßen dürfen.
Also fassen wir nur einen, maximal zwei Vorsätze, schwören aber, diese durchzuhalten, mindestens zwei Monate. Oder wenigstens bis Ende Januar, also jedenfalls bis in die zweite Monatshäfte hinein. Nur: Welcher Vorsatz eignet sich? Eigentlich nur einer: schneller werden. Denn darin sind alle anderen eingebaut. Schneller wird nur, wer Tempo bolzt und asketisch lebt.
Gestern habe ich schon mal angefangen, bei der ersten flotten Runde des Jahres um den Schlachtensee, unter verschärften Bedingungen: Bei jedem zehnten Schritt musste ich aufstoßen. Nie wieder dieses italienische Gammelzeug Prosecco. Zwischen all den neuen Gesichtern, die sich über den Uferweg schleppen, fühlt man sich vorsatztechnisch ganz gut. Schneller werden, das bedeutet zumindest, dass man schon ein paar Kilometer aus dem alten Jahr in den Waden hat. Was man vom läuferischen Prekariat an einem Neujahrsmorgen nicht sagen kann. Heerscharen von Neu- und Wiedereinsteigern quälen sich da; manche meint man noch vom letzten Jahr zu kennen, aus der ersten Woche des letzten Januars. Hier die geläufigsten Typen:
Der Nerd:
Hockte seit der Internetblase vor knapp zehn Jahren praktisch ununterbrochen vor dem Rechner. War fest davon überzeugt, dass regelmäßiger Genuss von Joey's Pizza (inklusive Karton) ein ewiges Alter von 25 Jahren garantierte. Erfuhr aus einem Heise-Forum, dass es irgendwo ein Draußen jenseits von Conrad Electronic gebe, wo man sowas Exotisches wie Frischluft einatmen könne. Stapft in Baggypants und Sneakern, weil er ohnehin nie die Klamotten wechselt. Viele Gehpausen, um mit GPS den Standort zu bestimmen. Sucht verzweifelt Kontakt zu einem W-Lan-Netz.
Vati:
Hat sich und seinem Umfeld mit allerlei Lebenslügen weiszumachen versucht, dass er immer noch total sportlich sei. Holte schließlich 1975 eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen. Will jetzt Läufer werden, seit die Schnäppchenjagd zwischen den Jahren im Fiasko endete. Der Verkäufer beim Herrenausstatter schickte ihn unter beifälligem Grinsen seiner Gattin in die Übergrößen-Abteilung. Abgeranzte Schuhe, eben die von früher.
Mutti:
Erlebte ihr Waterloo im Wellness-Urlaub über Weihnachten an der Ostsee. Sie war die fülligste in der Sauna, aber bei weitem nicht die älteste. Will mit dem Sechs-Wochen-Plan einer Frauenzeitschrift bis zum Cluburlaub über Ostern wieder in Form sein, fürchtet aber chirurgische Eingriffe. Also Laufen, oder das, was sie dafür hält. Guckt neidisch auf die Stöcke der anderen. Blütenweiße Schuhe mit Segelsohle, aus dem Ausverkauf im Sportgeschäft an der Ostsee.
Vati und Mutti:
Der Paartherapeut hat ihnen geraten, mal wieder was gemeinsam zu unternehmen. Verbissene Blicke bei ihm, sie verheult. Er tut ausdauernd und treibt sie fortwährend an. Sie spaziert aus Protest. Die gute Nachricht: Ehen, die mehrmaliges gemeinsames Laufen überstehen, halten ewig.
Die Routiniers:
Kurven locker um Vati, Mutti, Nerd herum und weiden sich an den zahlreichen individuellen Krisenfällen. Erinnern sich an die eigenen Anfänge, die auch nicht besser waren. Gut zu wissen: In spätestens zwei Wochen sind die Läufer wieder unter sich. Bis auf die paar wenigen, die tatsächlich durchhalten und weiterlaufen. Die sind hochwillkommen, schon, um sie bei der ersten Gelegenheit mit Fachchinesisch vollzutexten. Die anderen versuchen es nächstes Jahr halt wieder. Früher oder später kommen sie sowieso alle.
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
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Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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