Von Achim Achilles
Früher, im Turnunterricht, gab es zwei Hassstunden, immer dann, wenn vor den Zeugnissen die Noten ermittelt werden sollten. Bei Herrn Sch., der aufgrund seiner Teilnahme am Zweiten Weltkrieg ein Glasauge trug, mussten wir auf Zeit schwimmen. Lehrer Sch. verehrte das Sportsystem der DDR. Wenn wir im verkeimten Lehrschwimmbad im Keller unserer Schule verzweifelt das Pilzwasser peitschten, hätte jeder anständige 68er-Lehrer unser Bemühen erkannt und anerkennend eine Zwei springen lassen. Sch. aber warf sein Auge nur auf den Sekundenzeiger. Man war froh, mit einer Vier davon zu kommen. Die Mädchen saßen derweil barfuß auf der Bank am Rand, kicherten und freuten sich, dass ihre Frisur mal wieder unbeschadet blieb.
Schlimmer war nur das Bodenturnen. Lehrer B. war ein drahtiger Gnom, der eine Art Mikroslip als Turnhose trug, der seine pralle Anatomie haargenau nachzeichnete. Der Muskelzwerg genoss den Moment, wenn er uns vorführte, wie eine halbwegs gelungene Bodenkür aussehen sollte. Nur für den Triumph dieser zwei Minuten war er überhaupt Lehrer geworden. Wir taumelten anschließend über die Matten und taten uns weh. Allein die Rolle vorwärts sah entfernt nach Bodenturnen aus. Der Rest nach Steptanz mit Diarrhoe. Wieder saßen die Mädchen auf der Bank und kicherten.
Seltsamerweise hatte alle Mädchen immer gleichzeitig ihre Tage, wenn wir Sport nach Noten vorführen mussten. Diese jugendlichen Erlebnisse prägten das spätere Sportverhalten der Geschlechter. Mädchen glauben bis heute fest daran, dass man sich mit einer Ausrede vor jedem Leistungsvergleich drücken kann. Jungs dagegen kämpfen, zwangsläufig. Egal, an welchem Abend man zum Tempotraining ins Mommsenstadion kommt, egal, bei welcher Gruppe man lauscht, überall begrüßen die Frauen sich mit leidendem Blick; das Wetter, der Ärger im Büro, das Knie, der Magen, die neuen Schuhe, die Sockenfarbe – zu blöd kann keine vorauseilende Erklärung sein, warum den Damen ausgerechnet heute gar nicht nach Trainieren ist. Flehentliche Laser-Blicke zum Klemmbrett. Bitte, bitte nur ganz kurz, ganz wenig, ganz langsam.
In Wirklichkeit haben sie nur Angst um ihre Frisur. Oder davor, rot zu werden oder gar zu schwitzen. Frauen denken fast nie daran, in welcher Zeit sie ins Ziel kommen, sondern immer nur, in welcher ästhetischen Verfassung. Frauen haben ohnehin immer Angst, zum Beispiel, dass in den Beinen was weh tun könnte, wenn man etwas schneller läuft. Also laufen sie immer etwas langsamer als sie könnten. Im Ziel nach dem vierten Lauf über 2000 Meter sind sie nie richtig fertig, manchmal grinsen sie erst verstohlen, so als hätten sie den Trainer überlistet und setzen dann einen Blick auf, der sagt: Soll der Trainer doch froh sein, dass ich überhaupt laufe, und nicht meine Tage habe.
Kein Wunder, dass Männer und Frauen praktisch nicht zusammen laufen können. Entweder laufen Frauen zu langsam. Oder, schlimmer noch, sie laufen zu schnell. Beides ist demütigend für Männer. Vor allem, wenn die Damen hinterher wieder klagen, warum es nicht so gut lief.
Die Jungs klagen auch, womöglich noch lauter. Aber sie jammern nicht. Oder nur selten. Jedenfalls meinen sie es nicht so. Ihr Programm ziehen sie verbissen durch. Muss ja. Man hatte schließlich nie das Erfolgserlebnis, dass die taktischen Tage einem das Training erspart haben. Bei Sch. und B. hatte man gelernt, sich zu schinden.
Frauen, die laufen, sind definitiv anstrengender als Frauen, die nicht laufen. Ästhetisch sind sie auch nur selten ein Gewinn. Die Persönlichkeit einer Frau wird durch Laufklamotten praktisch nie positiv betont, aber oftmals negativ unterstrichen. Früher, als Männer noch die Wahrheit denken durften, hätten wir gesagt: Frauen dürfen höchstens ein paar Meter weit laufen, am besten in kurzem Rock und hohen Schuhen, um dann mit kleinen Seufzern der Erschöpfung halb bewusstlos in die Arme des Kavaliers zu sinken.
Bis vor drei Jahrzehnten war es Frauen verboten, Marathon zu laufen. Männersache. Wer ist denn früher dem Saurier hinterhergewetzt? Na also. Aber ausdauernd wie sie sind, gaben sie erst Ruhe, als sie mitmachen durften. Warum gilt das Eva-Prinzip nicht auf der Tartanbahn? Mann läuft, Frau jubelt. Oder sie laufen im Frauenteil des Stadions. Sauna macht getrennt auch mehr Spaß. Die Geschlechter brauchen Freiräume, wo sie in aller Ruhe übereinander herziehen können.
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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