Von Achim Achilles
Ich gehe wie Django. Oben im Schritt, wo die Jeans sich besonders eng an den Oberschenkel schmiegt, klafft ein Krater, groß wie ein Schweinemedaillon, nur blutiger. Stellt man sich ein Viertelpfund Gehacktes vor, mischt eine Handvoll Flusen und Körperhaar unter, schmeckt das Ganze mit einem Schuss Schweiß ab und einer Messerspitze Drüsentalg, dann kommt man dem Wundloch in meinem Bein ziemlich nahe. Am schlimmsten ist es morgens. Bei mir passioniertem Seitenschläfer, der Ruhe nur an Monas samtener Rückseite findet, liegen die Schenkel die ganze Nacht aufeinander. Dabei kleben sie leider fest, was man natürlich vergessen hat, wenn der Wecker rasselt. Also begrüßt der neue Tag den Läufer mit Rissschmerz in der Region unterster Unterleib. Ich sollte das blutbefleckte Laken vom Balkon wehen lassen - als Beleg für meine Heldentaten.
Es war der erste Wettbewerb der jungen Saison gewesen, der schnuckelige, kleine Wildparklauf in Potsdam: Fünf-Kilometer-Runde, davon eine durch Schlamm. Die Zeitnahme fiel nach einer halben Stunde aus, dafür gab es keine Matschbananen. Osten halt. Aber immerhin eine Urkunde. Für fünf Euro Startgeld eine faire Sache. Das ideale Terrain für den ersten Halbmarathon 2007.
Zum Start hatten sich gut 50 Athleten versammelt. Sie sahen so lahmentig aus wie ich. Meine Taktik: verhalten anfangen und entspannt ins Ziel kommen. Das erforderte starke Nerven. Hinten geduldig verharren, das Feld kontrollieren. Vorteil: Niemand überholt mich. Nach den ersten beiden Runden waren die meisten ausgestiegen. Luschenpack. Ich zog wie ein Uhrwerk weiter. Das leichte Brennen am Oberschenkel hatte mich bislang nicht irritiert. Manchmal bilden die Haare kleine Knoten, die mit der Hose verzwirbeln und sich von allein ausreißen. Nicht schön, nicht schlimm. Schicksal des Innenschenkel-Behaarten.
Doch das Brennen wurde nicht weniger. Nach Kontrollblicken, ob auch keine Zeugen zu sehen waren, wagte ich erst einen Blick und dann den Griff in die Körpermitte. Es ist nicht leicht, im Laufen auf einem matschigen Waldweg seine privatesten Teile zu inspizieren. Die Brandursache lag offen da. Zartes, hautloses Beinfleisch leuchtete in Panikrot in der Frühlingssonne. Die Innennaht der sündteuren Overknee-Pants hatte sich entgegen den großmäuligen Qualitätsversprechen des Herstellers mit den drei Buchstaben, die irgendwie esoterisch klingen, eine Handbreit geöffnet. Noch vier Kilometer bis zum Rundenende, zehn bis zum Halbmarathon. Was tun? Breitbeinig einen Kilometer zurück watscheln? Die Eingeborenen würden sich scheckig lachen über den blöden Wessi. Ich zerrte das Beinkleid wie Borat in die Höhe, drehte den Stoff, lief o-beinig. Nichts half. Es brannte höllisch.
Auf der langen Geraden zum Ziel hin sah ich drei Herren fortgeschrittenen Alters, die nicht besser aussahen als ich. Sie liefen unter dem Zielband durch und gingen auf die vierte Runde. Und ich sollte aufhören? Niemals. Ich griff einen Becher und schüttete mir Löschwasser in den Schritt. Leises Zischen. Doch der Abkühlung folgte schärferer Brand.
Egal. Die drei Lurchis vor mir wurden immer größer. Ich verscheuchte jeglichen Gedanken von Spätschäden unten herum und stöhnte möglichst leise. Meine Opfer sollten mich nicht hören. Wenn sie sich umdrehten und meine kraftvollen Schritte sahen, würden sie letzte Kräfte mobilisieren. Mein Plan wäre dahin: Ich wollte ein vietnamreifes Drama. Allein und mit blutigem Schritt gegen die dreckigen Drei. Rambo Achilles kämpft bis zum letzten Blutstropfen.
Langsam saugte ich mich an. Das Trio ging 100 Meter vor mir über die 20-Kilometer-Marke und auf den letzten Kilometer. Einer sah besonders schlecht aus. Die anderen schienen auf ihn zu warten. Als ich über die Linie lief, jubelten etwa drei Zuschauer frenetisch. Eines meiner Opfer drehte sich um, dann die anderen. Ich roch ihren Angstschweiß. Sie zogen an. Jede Strategie war zum Teufel. Nur noch wetzen, auch wenn kein Arzt kommt. Alles brannte. Den Schwachen hatte ich bald gestellt. Aber ich wollte seine Kumpels. Das Gute an Hackfleisch zwischen den Beinen ist, dass weder Muskeln noch Lunge mehr wehtun. Nur das Brennen soll aufhören. Also rennt man schneller.
Noch 300 Meter bis zum Ziel, 20 Meter bis zu den Feinden. Auch der Zweite fiel ab. Das Feuer trieb mich zum Sprint. Ich war neben ihm, als wir durchs Ziel jagten. Ich reckte meine Brust vor, um die letzten Tausendstel rauszuholen. "Unentschieden", japste mein Opfer. Von wegen, Freundchen. Gäbe es Zielfotos hier im Ostwald, wäre dokumentiert, dass ich gewonnen habe. Es war ein großartiger Triumph, Motivationsschub für einen ganzen Laufsommer.
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
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Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
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Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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