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17.04.2007
 

Achilles' Verse

Liebe auf blutigen Fußsohlen

Von Achim Achilles

Achims Türkei-Trip verläuft nicht ganz nach Plan: Die anderen Urlauber halten ihn für metrosexuell, Mona lässt sich nicht vom Synchronschwitzen überzeugen und dann sind da noch der lange Dünne und die kleine Dünne. Die sind schneller. Und laufen zusammen durchs Ziel.

Für eine Läufer-Ehefrau ist Mona eigentlich ganz verträglich. Sie hat meine Laufschuhe schon lange nicht mehr nachgezählt. Den technologischen Zuwachs am Rennrad hat sie auch noch nicht bemerkt. Die neue Freundin von Klaus Heinrich ist dagegen eine echte Problempartnerin. Sie teilt meinem Laufpartner seit Wochen seine Sportzeiten minutengenau zu. Das hat sie in einem Seminar für Zeit-Management gelernt. So gewinne man "Quality time", behauptet sie, jene nur in der Phantasie von Frauen existierenden Momente ungestörten, innigen Partnerglücks. Männer definieren "Quality time" völlig anders. Frauen spielen da bestenfalls eine kurze untergeordnete Rolle.

Läuferbeine: Das ausdrucksvolle Spiel der Muskelfasern
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DDP

Läuferbeine: Das ausdrucksvolle Spiel der Muskelfasern

In unserem Frühlingsurlaub hatten wir viel "Quality time", vor allem, wenn die Kinder verschwunden waren und mir andere Männer interessiert auf die Beine starrten. Ich fühlte mich wie Alice und Ellen Kessler. Es war eine gute Idee gewesen, mit der Nagelschere die Beinhaare zu stutzen, so dass das ausdrucksvolle, von Babyöl optisch noch unterstützte Spiel der Muskelfasern in der Abendsonne Blicke auf sich zog, die ich als puren Neid interpretierte.

Karl sei gestern Abend beim Billard gefragt worden, ob ich wirklich sein Vater sei, erzählte Mona aus der Tiefe ihrer Pool-Liege, während ich meine Wade in die Sonne hielt. "Wieso denn das?", fragte ich. "Du sähest metrosexuell aus mit Deinen Beinen", erklärte Mona. Metrosexuell? Ist das gut oder schlecht? Würde es frischen Pfeffer in unsere Ehe bringen, jene nicht unproblematische Beziehung eines Athleten und einer Quartalssportlerin, die an Bauch-Peine-Bo glaubt?

"Guck mal, die da, die sind richtig rasiert", sagte Mona und deutete mit dem Strohhalm ihres Schirmchengetränks auf ein Paar, das seit etwa 70 Minuten einträchtig nebeneinander durchs Becken kraulte. Ein langer Dünner und eine kleine Dünne. Gemeinsam Schwimmen ist definitiv Quality Time. Man trainiert, man muss nicht reden, man macht dennoch was zusammen. Und hinterher hat man auch noch saubere Fußnägel. Perfekt.

Abends an der Bar schob ich die maulende Mona unauffällig zum Sportlerpaar hinüber. Von Ferne sah ich, dass sie wenig Sekt auf viel Eis trank, er Cola. "Das sind die Hilles", wisperte der Kellner. Na klar, die Hilles, Claudia und Arnd, ein Triathletenehepaar.

Warum habe ich sie nicht gleich erkannt? Claudia hat 22 Ironmänner hinter sich, die meisten unter den Top Ten. Sie gaben Urlaubern Laufunterricht. Vorher gingen sie aber noch richtig trainieren. Oder schwimmen. Und hinterher stretchen. Oder Stabilisationsverrenkungen machen. Oder noch mal laufen, aber diesmal länger. Und schneller.

Zuhause in der Garageneinfahrt hatten sie eine Wechselzone unterm Carport aufgebaut, um den Übergang vom Rad zum Laufen zu üben. Die Nachbarn hatten längst von Kopfschütteln auf mildes Lächeln umgestellt.

Mona schob mich zurück: "Mit denen reden wir jetzt nicht", sagte sie. "Warum nicht", fragte ich. "Zu dünn", sagte Mona. "Wir sind zu dick", entgegnete ich. "Die haben doch gar keine Zeit füreinander", sagte Mona. "Doch, erst recht. Die laufen, schwimmen und radeln den ganzen Tag nebenbeinander her." Mona guckte unwillig. Sie wollte noch nie neben mir her laufen. "Die konzentrieren sich gar nicht aufeinander", sagte Mona. "Wenn Du mich zum Kartoffelschälen abkommandierst, um mit Sybille zu telefonieren, ist das auch keine Quality time", erwiderte ich. "Das sind Leistungssportler", sagte meine Gattin abrupt. Fast wäre mir ein "Ich auch" entfleucht. Aber das wäre etwas gemogelt gewesen. Obwohl es objektiv eine Leistung ist, 20 Kilogramm mehr Körpergewicht durch die Gegend zu wuchten.

Den ganzen Tag bewegten sich Claudia und Arnd zusammen, manchmal sogar rhythmisch. Wo ein Hille ist, ist auch ein Weg. Den Marathon schaffen sie zusammen in sechs Stunden, einen Ironman in 20. Im Oktober auf Hawaii wollen sie Hand in Hand ins Ziel laufen. Happy end. Wahre Sportromantik. Liebe auf blutigen Fußsohlen.

Sind Sportlerehen glücklicher als gemischt aktive? Zu gern würde ich mich mit Mona der Erotik des Synchronschwitzens hingeben. "Willst Du als Walker enden wie Rosi Mittermaier und Christian Neureuther?", fragte Mona drohend, während sie meine Gedanken las. Okay, okay, Du hast gewonnen, Gattin. Ich werde auch in Zukunft allein durchs Ziel laufen.

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