Von Achim Achilles
Im Urlaub sind Ehefrauen noch tückischer als ohnehin schon. "Naaa", sagt Mona mit scheinheiligem Bedauern jedes Mal, wenn wir an einem Rennradfahrer vorbeifahren, "naaa, das ist aber schade, dass du nicht auch auf dem Rad sitzen kannst." Wehmütiger Blick in den Rückspiegel. Mit Gattin und zwei Quengelbengeln im Auto statt heldenhaft im Sattel. Ich leide. Die Lungenentzündung verbietet mir jede Anstrengung. Ich fühle mich wie all jene dämlichen Walker, die inzwischen auch diesen Landstrich verseucht haben.
Es gibt keine Wanderer mehr in den Alpen, sondern nur noch Walker. Jahrmillionen hat es gedauert, bis es der Mensch vom Kriechgang zum aufrechten Zweibein-Lauf ohne fremde Hilfe geschafft hat. Jetzt bewegt man sich wieder langsam und auf allen Vieren. Evolution rückwärts.
Jedes verfettete Playstation-Kind trägt einen Stock in der Hand und Entschlossenheit im Blick, und wenn es vom Parkplatz zur Seilbahnstation trottet, wo das nächste Eis wartet. Dicki hat von seinen massigen Eltern gelernt: Wenn Du schon zu moppelig bist für Sport, dann versuche wenigstens, angestrengt auszusehen. Ganz Europa trägt zwischen Brixen, Meran und Bozen Stöckchen spazieren. Gerade hier, im Epizentrum breithüftiger Bewegungsarmut, wäre es wichtig, ein Zeichen kraftvollen Ausdauersports zu setzen und locker an den Deppen vorbeizutraben. Aber die Ärzte haben es mir verboten. Mir bleiben nur eurosoziologische Feldstudien, welche Urlaubernation sich am dämlichsten am Berg bewegt.
Der Holländer:
Fährt gleich nach dem Brenner von der Autobahn und parkt seinen Wohnwagen im ersten Feldweg. Walkt dreimal am Tag mit dem Hund um sein Anwesen und drei weitere Male zur Kontrolle. Walking-Stöcke kennt er nicht. Die besonders Mutigen wagen sich bis zum Parkplatz der Seilbahn, fahren bergauf und marschieren in Sandalen und Rabobank-Hemd zehn Minuten zur nächsten Hütte. Geben sich dort in der Mittagssonne zwei Bier, schweigen ausdauernd ihre Frau an und fahren knallrot wieder zu Tal. Erzählen daheim, sie seien im Hochgebirge gewesen. Vollwertiger Engländer-Ersatz.
Der Deutsche (Ost):
Im Bewusstein, zum zäheren Teil Teutoniens zu gehören, marschiert der Ossi schon morgens um sechs auf den Berg. Picknickt nie auf Hütten, sondern verzehrt die mitgebrachte Brotzeit immer vorwurfsvoll daneben, auch als Absage an Konsumgesellschaft und Globalisierung. Versteht sich wie der Südtiroler auch als Bürger eines Deutschlands, das es nur in der Phantasie gibt. Trägt Tiroler Tracht mit Kniestrümpfen, Pionier-Halstuch und Karo-Hemd, verehrt Florian Silbereisen, die Kastelruther Spatzen und Carmen Nebel. Weil der selbstgeschnitzte Wanderstock voll mit Abzeichen ist, hat er diesen Sommer einen einsamen Walking-Stock angeschafft, an dem er während der Rast die Dynamo-Dresden-Fahne hissen kann.
Der Deutsche (West):
Übergewichtiger Ausrüstungsfetischist. Hat für die ganze dicke Familie Einheitsklamotten mit Wolfspfoten-Emblem angeschafft, deren Hässlichkeit nur von ihrer mangelnden Passform getoppt wird. Aus dem Kofferraum werden die Stöcke ausgegeben, aber nur zwei für jeden. Mutti, von XXL-Stretch zusammengehalten, trägt die ganz modernen Prügel mit Stoßdämpfern, wegen der Gelenkschonung. Kevin und Samantha versuchen, gleichzeitig Stöcke und Playstation zu befördern und mit dem Code aus dem Cola-Deckel einen neuen Gratis-Klingelton zu laden. Vati trägt den 40-Kilo-Rucksack, woran mehrere Paar Wechsel- und Reservestöcke befestigt sind. Erste Rast an der Bergstation der Seilbahn, zweite Rast am ersten Wegweiser, dann Umkehr und dritte Rast wieder an der Seilbahn. In einer Stunde etwa eine Kalorienmenge aufgenommen, mit der ein westafrikanisches Dorf ein Jahr lang versorgt wäre.
Der Italiener:
Am späten Nachmittag, wenn die Deutschen entkräftet das Heil im Speckknödel suchen, zeigt sich auch die italienische Familie an der frischen Luft, aber nur auf Sonnenterassen mit direktem Sessellift-Zugang. Papa trägt Eispickel und Atemgerät, Mutti bunte, aber nutzlose Bergschuhe zum Oberarm-Tattoo, die Tochter einen drei Kilogramm schweren Gürtel von Dolce&Gabbana mit allerlei Klimperkram daran - und alle schauen durch großflächige Schmeißfliegen-Sonnenbrillen. Alle smsen wortlos. Keine Stöcke, weil Gucci noch keine produziert. Kommt ein Rettungshubschrauber in Sicht, lassen sie sich synchron fallen und täuschen einen Infarkt vor.
Einheimische:
Gelangen in Flip-Flops oder auf Rädern ohne Gangschaltung an Orte, die Touristen nur mit tonnenschwerer Ausrüstung erreichen, werfen einen Blick in die Runde und streben zurück ins Tal zum Melken. Schätzen Walking-Stöcke als leicht zu bewegende Zaunpfähle.
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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