Früher waren die Sonntage ruhig, der Läufer gut gelaunt, der Wald schön einsam. Heute ist das Laufen zu einem Slalom zwischen maulenden Tonnen geworden, die sich wie die Herren aller Grünanlagen aufführen. Schon auf dem ersten Kilometer hat der Läufer mit Mühe dem Stock ausweichen können, der just in der Sekunde empor schnellte, als er den ersten Walker zu überholen gedachte.
Entkräftet von den ersten 300 Metern hatte der wulstleibige Mann eine Pause eingelegt, die natürlich nicht wie eine aussehen durfte. Also stoppte er schnaufend, als habe er etwas Unglaubliches im Dickicht gesehen und riß seine Gehhilfe empor, um darauf zu deuten – natürlich unmittelbar vor der Nase des im Überholvorgang befindlichen Läufers. Kaum ist diese erste Hürde genommen, wächst aus dem Wald langsam aber bedrohlich eine Mauer aus funktionsfaserbespanntem Gammelfleisch, Hüftrolle an Hüftrolle, ein undurchdringlicher Palisadenzaun des Grauens. Ein höflich gehecheltes "Dürfte ich mal" wird ebenso ignoriert wie ein kraftvolleres Räuspern.
Sie sind, wie immer, beschäftigt, an einer ihrer zahlreichen Trinkflaschen zu nuckeln oder ziegelsteingroße Energieriegel mit einem Haps zu verschlingen. Erst ein beherzt gebrülltes "Platz da, Ihr Breitärsche!" bringt Bewegung in den Berg. Es ist die einzige Tonlage, die Walker verstehen. Unter Protestgemaule öffnet sich die Wand millimeterweise, allerdings so unkoordiniert, dass ein Durchkommen kaum möglich ist. Nicht auszudenken, wenn sie genau in dem Moment ihre Leiber wieder zusammenpressen, da sich der Läufer exakt dazwischen befindet. Also nimmt man den Umweg durchs Unterholz, was erste blutige Kratzer mit sich bringt, die aber nichts sind im Vergleich zu den seelischen Verletzungen, die Walker anrichten.
Nächstes Hindernis auf dem Parcours des trampelnden Wahnwitzes sind Walker, die ihre schlimmsten Verbündeten bei sich haben: Hunde. Entweder hängt die überfütterte Töle an einer Schnappleine oder aber der Walker im Geschirr und die Leine im Karabiner vor dem Bauch. In beiden Fällen zieht das Tier das Untier, nur selten aber den Weg entlang. Das Leinen-, Stock- und Speckgewirr ist ähnlich undurchdringlich wie jenes Muster aus Laserstrahlen, das die teuersten Diamanten der Welt beschützt. Durchkommen fast unmöglich. Wer stürzt, verliert, denn dann kommt der Hund, bestenfalls nur zum Schlabbern, und gleich darauf das Frauchen zum Meckern. Drohend hebt sie den Stock und faucht: "Passen Sie doch auf."
Zum Abschluss pure Psychofolter. Bereits einen knappen Kilometer vor der nächsten Kurve hört man, was sich gleich dahinter im Zeitlupentempo bewegt. Fliehende Vogelschwärme bestätigen die böse Ahnung: Walker. Sie quatschen die ganze schöne Waldesruhe nieder, da wird sogar dem Specht schlecht. Mit seinem Gehämmer kann er sich beim besten Willen kein Gehör mehr verschaffen gegen den schwatzenden Block, der zum Picknick beim Meinungsaustausch gern auch mal ein Viertelstündchen stehen bleibt.
Mit Walkern ist jeder Sonntag Vatertag. Denn rudelweise bevölkern sie nach getanem Schlurf die Biergärten, manche ziehen ihre Schuhe aus, die Pilzbefallenen auch gern die Socken. Volkswirtschaftlich immerhin ist der Walker ein Gewinn, denn er konsumiert unablässig. Leider auch frische Waldluft.
Die Archäologen der Zukunft werden bei ihren Grabungen in ein paar hundert Jahren auf eine merkwürdige Schicht stoßen aus einer Epoche, die sie das Walkozän nennen werden. In Kellern, auf Speichern und in Kofferräumen werden sie bunte Aluminiumstöcke finden, deren Zweck angesichts der Klimaveränderung kein wintersportlicher sein konnte. Die Forscher werden nach Erklärungsmustern fahnden: plötzliche Schwächeanfälle vielleicht, eine seltsame Krankheit oder eine bizarre Religion? Den wahren Grund werden sie wohl nie herausfinden. Es war schlichtweg Blödheit.
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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