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06.11.2007
 

Achilles' Verse

Ein Stachel namens Brad

Achim steckt in der Zwickmühle: Sein Bauch flappt, die Klamotten sind zu eng und Mona redet ständig von Brad Pitt. Ein Blick auf die Waage zeigt: Unser Wunderläufer lebt zu viel und läuft zu wenig. Das soll sich ändern.

In letzter Zeit habe ich immer gewartet, bis Mona eingeschlafen war, bevor ich zu Bett ging. Oder bis sich meine Gattin zumindest so über den neuen Potter gedreht hatte, dass ich mich in ihrem Rücken entkleiden konnte. So sehr ich den Bauch auch einziehe, er flappt immer noch, seit kurzem sogar ein Stück nach unten. Auffällig oft redet Mona von Brad Pitt. Als wir neulich einen uralten Film sahen, in dem der junge Brad eine Parkuhr spielte, schwärmte Mona, dass ich ja auch mal fast so ausgesehen hätte.

Schauspieler Pitt: Ein leichtes, gut auszusehen
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AP

Schauspieler Pitt: Ein leichtes, gut auszusehen

Wieso fast? Wieso auch mal? Im Prinzip wäre ich genauso knackig wie dieser Türstopper aus Hollywood, würde ich sein Lotterleben führen. Mit einem Film im Jahr, drei Kindermädchen, vier Personal Trainern und einer konditionsfördernden Gattin wie Angelina Jolie ist es ein Leichtes, gut auszusehen. Ich muss leider gelegentlich arbeiten und dort nicht ständig Bauch oder Bizeps vorzeigen. Das würde ich derzeit auch lieber nicht tun. Ich bin nur suboptimal in shape, wie man in Hollywood so sagt. Es muss mit dem Klimawandel zu tun haben. Alle meine Hosen sind gleichzeitig eingelaufen und die Gürtel dazu. Leider gibt es da noch eine Erklärung: Nicht die Klamotten haben ihren Umfang verändert, sondern ich.

Das Problem am Laufen ist: Eines Tages hat sich der Körper daran gewöhnt, dass man drei Mal die Woche mehr oder weniger explosiv durch die Gegend zockelt. Man wird kein Gewicht mehr los, aber packt die Pfunde sofort drauf, wenn man mal eine Trainingseinheit ausfallen lässt. Also praktisch jede Woche. Da ich dummerweise Genießer mit gelegentlichem Laufbedarf bin und nicht Läufer mit gelegentlichem Genussbedarf, ist meine Hüftgegend beharrlich angeschwollen.

Zwei Jahre lang hatte ich es vermieden, auf die Waage zu steigen. Warum auch? Wer gut läuft, kann auch gut essen und natürlich trinken. Bier liefert die nötigen Kohlehydrate und Rotwein ist prima für den Eisenhaushalt. Ein Gleichgewicht zwischen Sport und Hedonismus hatte sich eingestellt, allerdings mit einem minimalen Übergewicht auf Seiten der Lebensfreude: 100 Gramm pro Woche, das macht 10 Kilogramm Wohlstandssediment, die sich in zwei Jahren auf den Hüften niedergelassen haben.

Zugleich war auch unsere Ehe ins Ungleichgewicht geraten: Mona hatte sich mit ihrer blöden Aqua-Turnerei ein für ihr fortgeschrittenes Alter wirklich strammes Bindegewebe angestrampelt. Ich dagegen, im festen Bewusstsein, das Mucki-Monopol zu halten, war physio-ästhetisch ein wenig verlottert. Wenn der Bund der Laufhose durch das Bauchfleisch schneidet wie ein Gummiband durch einen Marshmallow und die Oberarme aussehen wie die traurigsten Hühnerteile Samstagabend im Supermarkt, dann ist es nicht höchste Zeit, sondern eigentlich schon zu spät.

Zuerst aber musste die Faktenlage abgesichert werden. Vielleicht lag es ja doch am Klimawandel. Also habe ich eines Abends, als Mona mal wieder beim Aqua-Jogging zappelte, das brutalstmögliche Experiment gewagt. Erstmal war ich fast eine Stunde laufen. Ich hatte mir dabei extra drei Hemden übereinander gezogen und war noch schneller als ohnehin schon. Schwitzen ist ja nicht verboten, wenn man historische Schritte vor sich hat. Natürlich habe ich jede Flüssigkeitsaufnahme verweigert und war stattdessen drei Mal hinter einem Baum, wenn auch weitgehend erfolglos.

Im Badezimmer schließlich gab es kein Zurück mehr. Es musste sein. Ich hatte alle Salzkrümel abgeduscht und jedes Haar einzeln trockengeföhnt, um das Resultat nicht zu verfälschen. Tausend Wassertropfen ergeben locker ein Kilo. Dann endlich zog ich die Waage unter dem Badezimmerschrank hervor und fuhr mit dem zarten Fußgewölbe über das Glas, das den unbarmherzigen Zeiger vor Schlägen und Tritten schützte. Wenn ich mich recht entsann, musste man sich auf die Zehenspitzen stellen, das Gewicht nach vorn verlagern und von schräg unten auf die Anzeige peilen. Das machte mindestens ein Pfund aus, was reine Notwehr ist, weil diese Dinger sowieso immer falsch anzeigen. Ich stieg noch mal ab und orientierte mich ein letztes Mal Richtung Klo. Jedes Gramm zählte.

Action. Ich legte den Bademantel ab und zerrte die Socken von den Füßen. Tief ausatmen. Zehenspitzenstand. Gewicht nach vorn. Flachpeilung. Ohnmacht. Der Zeiger war noch nicht zur Ruhe gekommen, hatte sich aber in einer Gegend eingependelt, die ich nur aus Abnehmfilmen von RTL kannte. Details wollte ich gar nicht wissen. Ich musste mein Leben ändern. Sofort. Mona grinste, als sie nach Hause kam und mich mit einem Apfel sah.

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