Von Achim Achilles
Mal angenommen, es gäbe einen Sexshop für Elefanten. Dann hätte der Vibrator etwa die technischen Daten eines Presslufthammers. Stellt man sich jetzt ganz oben auf diesem Elefantenvibrator eine Löffelspitze Wackelpudding vor, bekommt man eine Ahnung wie ich mich gerade fühle. Ein Rüttelgerät namens "Powerplate" hat mir Hirn, Eingeweide und Muskelfleisch zu einem einzigen Brei vermengt. Das kleine Erdbeben für zwischendurch. Ich bin gerührt und geschüttelt. Läufermatsche.
Es ist mein Antrittsbesuch in einem sehr geheimen Institut. Mein Laufpartner Klaus-Heinrich hat es mir empfohlen, flüsternd, als ob an einem verregneten Herbstsonntagmorgen im Grunewald irgendwer mithören würde. "Fett weg", raunte Klaus-Heinrich, "ganz schnell, total effektiv, überall Muskeln." Ich schnaufte skeptisch. Wer mit Mitte 40 an Wundermittel für Muskeln oder gegen Fett glaubt, der hat sein bisheriges Leben in einem U-Boot oder auf dem Mond zugebracht. Es gibt keine Abkürzung auf dem Weg zum Traumkörper, das weiß nun jeder, der sich im lebenslangen Kampf gegen die Kilos verschleißt.
Aber vielleicht hatte Klaus-Heinrich ja doch Recht. Und ich war der einzige, der es wieder mal zu spät peilte. Schließlich schleppte ich ungefähr einen Kasten Bier (kleine Flaschen) an Gewicht zu viel mit mir herum. In jahrelangen Testreihen hatte ich bewiesen: Trotz Dauerwetzens kann man durchaus zunehmen, zugleich bleiben die oberen Regionen des Körpers praktisch muskelfrei. Den letzten Kick brachte der Gewichtsumrechner von Schleif-Greif: zehn Kilogramm weniger entsprachen einem Tempogewinn von elf Minuten auf zehn Kilometer und fast 25 Minuten beim Halbmarathon. Sagenhaft. Tempo ohne Training. Einfach nur Ballast abwerfen. Also weg mit der Bemme, jetzt, hier und sofort. Schließlich wollte ich nächstes Jahr wieder in der Kenia-Klasse laufen.
Es war etwas unangenehm, ein Bürohaus am Ku'damm zu betreten, an dessen Briefkasten großflächig für Botox, Sauerstoffduschen und sinistre Investmentfonds geworben wurde. Für Erstbetreter gibt's bestimmt noch ein Arschgeweih gratis. Ich fühlte mich wie vor der Peepshow. In dem Moment, da man den Türgriff in der Hand hat, gibt es überhaupt gar keine plausible Ausrede mehr. In welche Kreise kann man sinken, wenn man seinem Bauchspeck den totalen Krieg erklärt hat.
Kurzer Kontrollblick links und rechts. Keine Zeugen. Mit gespielter Selbstverständlichkeit betrete ich das Gebäude, so als wäre ich der Service-Mann für die Sauerstoffduschenwartung. Keiner im Aufzug. Schon mal gut. Sechster Stock. Keine Kunden. Auch gut. Später lerne ich: Leere gehört zum Konzept. In der ordinären Muckibude regiert der Exhibitionist. Hier, in der kleinen Kurklinik, will man lieber nicht gesehen werden.
Ist ja auch entwürdigend, Menschen beim Duchgerütteltwerden zuzugucken. Peinlichkeiten pur. Erkan, mein persönlicher Betreuer, betrachtet skeptisch meinen Liegestütz. "Weiter runter", befiehlt er, "Ellenbogen zusammen, mehr Spannung." Ja ja ja. Ich bin Läufer und nicht Florian Hambüchen. Ich habe Angst. Gleich wird es wieder rütteln. Eine Minute lang. Und ich klebe mit den Unterarmen auf der Höllenmaschine. Elefantenvibrator. Und ich kleiner Wackelpudding oben drauf. Erkan tut so, als ob er nicht grinst. Dabei weiß ich genau, dass er sich innerlich kaputtlacht über meine 60 Sekunden Kampf gegen das Beben.
Ich werde Mona und den Kindern dieses Jahr einfach Liebe schenken. Und mir zwei Zehnerkarten. Mona wird mich töten. Egal. "Okay", höre ich mich sagen. "Herzlich willkommen im Club", sagt Erkan, "beim nächsten Mal wiegen wir dann." Wiegen? Nie im Leben. Schon gar nicht vor Zeugen. Ich habe eine Waagenallergie. Ich will mein Geld zurück. "Keine Sorge", beruhigt Erkan. Sorge ist gar kein Ausdruck. Es ist nackte Panik.
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