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01.01.2008
 

Achilles' Verse

Haufenweise fiese Köter am Neujahrsmorgen

Neujahrsmorgen. Die Silvesterparty ist gut überstanden. Auf zu neuen Ufern. Warum nicht eine schöne Runde laufen? Gute Idee. Ab in den Park. Aber was ist das: überall Vierbeiner, die Jagd auf Zweibeiner machen. Achim ist genervt und sinnt auf Rache.

Die schönste Laufzeit des Jahres ist der Neujahrsmorgen. Ein paar Taxis eilen durch eine rotkäppchenvernebelte Stadt, um die letzten Feierleichen nach Haus zu bringen. Walker vertilgen daheim die kalten Reste vom Silvestermenü und lecken anschließend die Platten sauber. Berlin liegt in sauer und lässt mich in Ruhe laufen. Fast.

Aufmerksamer Hund: "Der beißt nicht"
AP

Aufmerksamer Hund: "Der beißt nicht"

Denn es gibt eine Bevölkerungsgruppe, die genau diesen himmlischen Frieden schamlos ausnutzt. Es sind die gleichen Zeitgenossen, die sonst nur nach Einbruch der Dunkelheit um die Häuser schleichen, oder sehr früh morgens. Sie suchen das Dunkel, denn sie wissen, dass sie Unrecht tun. Aber sie können es nicht ändern. Denn das einfältige Wesen am anderen Ende der Leine muss dringend an den Baum. Leider sind um diese Tageszeit deutlich mehr Hunde unterwegs als es Bäume gibt.

Was ist das für ein Jahr, das keine neun Stunden alt ist, bis die erste vierbeinige Kotmaschine vor mir hockt, in einer Stellung, in der ich nie gesehen werden möchte? Zwar glotzt das Hundilein peinlich berührt, weil es mitten in der schönsten Druckphase erwischt wurde, lässt sich aber nicht davon abhalten, einen satten Spiralhaufen, drei Umdrehungen hoch, direkt vor unsere Haustür zu setzen. Herrchen ist sicherheitshalber schon mal hundert Meter vorausgeeilt. Dann klingen ihm meine Verwünschungen nicht ganz so laut in den Ohren. Ich will die Töle treten, aber da huscht sie auch schon davon. Der Hundefänger soll dich holen, Mistvieh. Und stramm gefesselt nach China schicken, am besten vorgekocht und tiefgefroren.

Der großstädtische Hundebesitzer weiß genau, dass er von seinen hundelosen Mitbürgern verachtet wird. Wer dem Köterkult anhängt, der hat Kontaktprobleme und braucht jemanden zum Herumkommandieren. Das Tier ersetzt Partner, Kind, Hobby und Lebenssinn. Leider auch eine anspruchsvolle Unterhaltung. Wann immer eine Reportage aus sozialen Brennpunkten gesendet wird, laufen schlecht erzogene Kläffer durchs Bild.

Nicht alle Hunde haben einen Problembürger als Herrchen. Aber fast jeder Problembürger hat einen Hund. Und am Neujahrsmorgen sind sie alle draußen. Sie wähnen sich sicher vor Blicken und Flüchen. Am schlimmsten ist es am Schlachtensee. Natürlich herrscht Leinenpflicht. Aber Hundehalter können nicht lesen. Und die Viecher können einen Weg nicht vom Unterholz unterscheiden.

Also wetzen sie kreuz und quer. Mit dem Effekt, dass der vor sich hinmeditierende Läufer einen Heidenschreck bekommt, wenn es plötzlich knackt im Dickicht. Walker? Wildschwein? Oder Waldi? Meistens ist der Hund die schlechteste aller Überraschungen. Denn er will Fangen spielen mit dem Onkel, der so nett ist und wegläuft. Oder einfach mal schnuppern, weil die Mischung aus Alt- und Neuschweiß, Massageöl sowie Hirschtalg gegen Reibeschmerz ihn offenbar an aufregende Momente im Wald erinnert.

Wirklich interessant, wie unterschiedlich man einen neugierig schnüffelnden Hund wahrnehmen kann. Der Hundeführer zum Beispiel versucht ein Lachen, so, als sei es putzig, wenn sich wildfremden Menschen eine kalte, nasse Hundeschnauze in den Schritt presst. "Der beißt nicht", sagen sie dann, was als Nachweis für gute Erziehung verstanden werden soll. Die Übersetzung heißt: Sie haben Glück. Er mag sie. Ist es nicht toll, einen Hund als Freund zu haben?

Nein, ist es nicht, denkt sich der Läufer. Er interpretiert schnuppernde Fiffis ganz anders. Erste, zweite und dritte Reaktion: Angstangstangst. Was will die Bestie? Wie kann ich verhindern, dass mein Körper innerhalb von Millisekunden Angsthormone ausstößt, die dieses hässliche Tier sofort riecht? Schon wird er sich überlegen fühlen und einfach mal zum Spaß nach genau jenen Körperteilen schnappen, die ihm vor der Schnauze baumeln.

Dummerweise ist sein Fletschmaul in der gefährlichsten aller Höhen angebracht. Pfeif' dieses Wesen einfach zurück, Hundebesitzer. Und verschwinde, so schnell du kannst samt Töle. Ich will nicht gemocht werden, schon gar nicht von Hunden. Ich bin auch kein Tierfreund. Ich will einfach nur laufen. Alleine. Wenigstens am Neujahrstag.

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insgesamt 118 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.08.2008 von denkpause: Huch! Mail vom SPIEGEL!

...hat mir doch tatsächlich jemand auf den Beitrag geantwortet! Und dann auch noch positiv, nach der langen Zeit. Hab's schon komplett vergessen. Aber: Besten Dank für die Blumen :-) Daniel mehr...

05.08.2008 von tonie2403: :o)

Ich bin selber Hundebesitzer und kann mich trotzdem jedes Mal nach wie vor beim Lesen von diesem Artikel richtig kaputt lachen :o))). mehr...

26.03.2008 von denkpause: Haufenweise Unverständnis II

Jetzt, nach einem halben Jahr, ist unser Hund ausgeglichen und hört, ist 8 Kilo leichter und selbst jene, die selbst keine Hunde mögen, bestätigen, dass es ein schönes und augenscheinlich gesundes Tier ist. Er (Verzeihung) kackt [...] mehr...

26.03.2008 von denkpause: Haufenweise Unverständnis I

Eigentlich etwas zu spät, ich weiß, aber ich muss auch mal was schreiben - obwohl das Thema von fast allen Seiten beleuchtet scheint (ungeschickt bisweilen, allerdings es ist so eine Sache, wenn man die Emotionalität direkt [...] mehr...

26.03.2008 von tautiptoe: Verzeihung..

... ich habe den Link zur Quelle vergessen: http://www.uni-goettingen.de/de/document/download/70d7d828f19f56a438bad40e6200190c.pdf/BetrachtungHundehaltung.pdf mehr...

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