Eine Wohngemeinschaft lebt im Altkleidercontainer unseres Vertrauens. Tom Ford ist dabei, Karl Dolce, Heinz Gabbana und wie die Schnuckelchen sonst noch alle heißen. Seit Jahren schon wohnen sie in diesem senfgelben Stahlkasten. Muss so sein. Denn immer wenn ich etwas einwerfe, ist es wenigen Wochen später topmodern. Aber erst dann. Nie vorher.
Mein blaugestreiftes Hemd mit dem weißen Kragen zum Beispiel. Trug niemand mehr, höchstens noch TV-Koch Johann Lafer, um sein dentales Kunstweiß zu betonen. Ich habe extra lange gewartet, ob solche Hemden nicht vielleicht doch wieder modern werden würden.
Eines Tages war es dann soweit. Mein trügliches Gespür für Trends sagte mir: aus und vorbei. Auf deutschem Boden soll nie wieder ein weißkragiges Streifenhemd getragen werden - getilgt aus der Modegeschichte wie semitransparente Läuferleggings oder cremefarbene Slipper mit Bömmelchen. Ich schenkte mein Hemd dem Container.
Das war der Startschuss. Nur wenige Wochen später strahlten genau diese Hemden aus allen Modeanzeigen. Die Erklärung ist einfach: Im Container balgen nämlich Lagerfeld, Ford und die anderen um meine Altkleider. Jeder erobert einen Fetzen und lässt Kinder in Asien blitzartig eine Kollektion daraus nähen. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man weiß, dass man die Modewelt ganz allein steuert.
Aber es ist wirklich so. Funktioniert immer, sogar mit Sportklamotten, Tennissocken zum Beispiel, mit einem blauen und einem roten Streifen. Topaktuell jetzt gerade, meinetwegen. Der Trend ging exakt los, nachdem ich das letzte Paar entsorgt hatte.
Sofort haben Karl und Tom mit ihrem Gucci-Handy aus dem Container in ihren Zentralen angerufen und befohlen: Sofort alle weißen Socken aus den Hochregallagern und den Staub weggekärchert, aber nur bei denen mit zwei Streifen. Drei kommen erst nächste Saison. Davon habe ich nämlich noch ein Paar. Ich kann Trends ja auch verzögern.
Wahrscheinlich bin ich in einer geheimen Volksbeobachtung des BND als der durchschnittlichste deutsche Normaleinkäufer ermittelt worden. Wenn auch ich dann endlich aubergine-farbene Leggings oder neongrüne Laufhemden ihrem dunklen, einsamen Schicksal überantworte, dann weiß die Mode-Industrie: Jetzt endlich ist es soweit. Deutschland hat die letzten neonfarbenen Laufhemden weggeworfen. Platz in Schrank und Kopf. Zeit für eine neue Kollektion, die genau diese Lücke schließt.
So erklärt sich auch, warum die übergedämpften und gestützten Laufschuhe aus der Mode kommen. Denn im vergangenen Herbst habe ich schweren Herzens ein paar uralte Leichtlaufschuhe ohne jeden Schnickschnack im Container deponiert. Angeblich gehören Laufschuhe ja auf den Sondermüll, wegen der Chemie in der Sohle. Genau genommen gehört der ganze Läufer dorthin, wenn man bedenkt, was der Durchschnittsrenner so alles im Blut hat.
Wenn ich weiß, dass ich alsbald ein Flugzeug besteigen muss, setze ich umgehend meine Eisenration ab. Sonst würde der Metalldetektor auf dem Flughafen garantiert anschlagen. Um die Fahrt zum Recyclinghof zu vermeiden, fliegen Laufklamotten also in den Altkleidercontainer.
Ich vermeide die Vorstellung, was Menschen wohl denken, die meine ausgeleierten Leibchen, löchrigen Socken und zerfetzten Treter aus dem Haufen klauben. Ich versuche das warme Gefühl des Wohltäters zu verinnerlichen. Kaum jedenfalls waren meine alten schlichten pronationsfreien Superschuhe in der Klappe verschwunden, überboten sich die Schuhhersteller mit stütz- und dämpfungslosen Einfachschuhen.
Toll, wenn man die Mode so steuern kann. Als nächstes werde ich eine gute alte beutelige Turnhose einwerfen. Dann werden laufenden Männern endlich wieder würdevollere Beinkleider angeboten als diese albernen Strumpfhosen. Manche tragen Turnhose über Strumpfhose, was die Optik allerdings kaum verbessert. Sieht eher aus wie religiös motiviert. In manchen Gegenden verschleiert man sich, in anderen trägt man Turnhosen über Laufleggings.
Wenn auch dieser Trick funktioniert, probiere ich die nächste Steigerung: Trinkflaschengurte. Mona hat so einen, braucht ihn aber nie. Also ab damit in den Container. Karl und Tom werden quietschen vor Glück. Und in wenigen Monaten laufen die Models mit Trinkflaschengürteln über den Laufsteg.
Auf anderen Social Networks posten:
Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Achilles | RSS |
| alles zum Thema Achilles' Verse | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH