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Achilles-Spezial Wie Achim beinahe den Weltrekord geholt hätte

2. Teil: "Der bescheißt ja!" - Achim jagt den Weltrekordler auf der Vespa

Richtung Steglitz sind die Straßen fast leer. Auf der Gegenfahrbahn rollt es prima. Ein paar entgegenkommende Autos stören nicht weiter. Wo ist Haile? Sein Vorsprung dürfte schrumpfen. Ich atme so laut, dass er mich schon hören müsste. In diesem Rennen sind alle Psycho-Tricks erlaubt. An der 25-Kilometer-Marke liegt ein kleines Café. Ein rundlicher Herr trinkt sein Morgenbier und ruft: "Der bescheißt ja." Ich erkläre ihm das Experiment. Er nickt interessiert. "Denn ma allet Jute", sagt er, als ich von der Matte zurückkehre. Letzte Radetappe bis zur U-Bahn Friedrich-Wilhelm-Platz. Da wartet die Vespa. Knapp vier entfesselte PS qualmen durch Friedenau. Wir dürften etwa Hailes Renntempo erreicht haben. An der 30-Kilometer-Marke hat er maximal noch drei Minuten Vorsprung. Die heiße Phase beginnt.

Die Vespa sprotzt zu Kilometer 35, direkt an der Gedächtniskirche. "Haile, Haile"-Rufe sind schon von Weitem zu hören. Na warte, ich kriege Dich noch. Es sind die 500 Meter meines Lebens: Die Sonne strahlt, Stimmung wie bei der Love Parade, Frauen kreischen, Laufen auf Wolken. Berlin ist nicht zu toppen. Klare Sache: In meinem nächsten Leben werde ich Marathon-Weltrekordler.

Stramme Schritte über die Matte, wenig später am Wittenbergplatz ab in die U-Bahn. Horden von Marathon-Zuschauern wollen zum Ziel. Ich auch. Aber erst zu Kilometer 40, letzte Zeitmessung. Endlose Minuten auf dem Weg zum Halt "Stadtmitte". Die Bahn trödelt auf Stelzen, unten verläuft die Strecke. Haile ist nicht zu sehen. Zwei Stunden sind um. An der Leipziger Straße tobt das Volk. Grandiose Stimmung, die zu übertriebenem Lauftempo animiert. Es hilft auch nichts mehr. Mit neuem Weltrekord von 2:03:59 Stunden ist Haile im Ziel. Und ich bin am Ende. Fast 13 Minuten hinter dem Sieger komme ich ins Ziel. Die Zeit kommt natürlich nicht in die Lauf-Wertung, gilt aber immerhin als Weltrekord im City-Fünfkampf, der in Berlin erstmals veranstaltet wurde, mit nur einem Teilnehmer.

Marathon läuft man eben am besten selbst

Fazit: Experiment gescheitert. Auch mit einem ausgefeilten logistischen Verkehrsplan ist dem Strahlemann aus Äthiopien nicht beizukommen. Der schnellste Läufer aller Zeiten ist beim besten Marathon der Welt selbst mit allen Tricks nicht bezwingbar.

Der Weg nach Hause fährt an der Strecke entlang, wo die vertraute Schar der Vier-Stunden-Läufer die letzten 30 Minuten vor sich hat. Sie sehen fertig aus, aber sie kämpfen. So gehört sich das. Marathon läuft man eben am besten selbst. Nächstes Jahr ist es wieder soweit.

Das Achilles Special vom Berlin-Marathon gibt es ab Montag auch als Film, auf achim-achilles.de. Dort diskutieren Läufer über das Rennen des Jahres. Vielleicht hat sich auch schon eine Gruppe gebildet, die für den Berlin-Marathon 2009 trainiert. Achim wäre gern dabei.

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