Mona sagt, jetzt wird alles wieder gut. Obama wird's schon richten. Meine bezaubernde Gattin redet über Obama wie über einen guten alten Freund: Was hätte Obama wohl gesagt? Was hätte Obama wohl getan? Wie es Obama wohl geht? Dabei ist die entscheidende Charakterfrage noch gar nicht beantwortet: Ist der Neue im Weißen Haus eigentlich Läufer? Er geht sechs Mal die Woche ins Fitness-Studio, stemmt 45 Minuten Gewichte oder macht "Cardio", wie man in Amerika sagt, wenn man Ausdauertraining ohne jede Anstrengung meint, also Walken.
Neuer US-Präsident Obama: Beinahe täglicher Fitnessstudio-Besuch
Laufende sind die besseren Politiker, schon deswegen, weil sie weniger Zeit haben, um Unsinn zu verabschieden. Wer eine Stunde läuft, hat sechzig Minuten weniger Zeit, Mist zu bauen. Insofern hätte man Kim Jong Il, Fidel Castro und Mahmud Ahmadinedschad ein verschärftes Marathon-Training verordnen sollen. Regelmäßiges Laufen hat allerdings Jimmy Carter nicht davon abgehalten, ein ziemlich mittelmäßiger Präsident zu sein. Der Mann mit dem Erdnuss-Hintergrund (er besitzt Erdnussfelder) war einer der ersten joggenden Präsidenten, klassisch in Polo-Shirt, roter Kunstfaserjacke und Freizeit-Shorts. Nach viel Anstrengung sah das nicht aus.
Ronald Reagan war Schwimmer und Reiter. Mit einer Knarre im Gürtel wäre er als moderner Fünfkämpfer durchgegangen. Bill Clinton wiederum rannte, aber offenbar auch eher für die Kameras. Anfangs trug er noch T-Shirt, was aber ziemlich unvorteilhaft aussieht, wenn sich die Körpermitte optisch langsam Richtung Flusspferd entwickelt. Später stieg er dann um in zeltweite Trainingsanzüge in hüftschmeichelndem Dunkelblau.
In den USA ist das Laufen wohl eher eine Domäne der Demokraten, in Europa dagegen multikulturell. Nicolas Sarkozy zum Beispiel läuft bevorzugt im T-Shirt der New Yorker Polizei und mit Ray-Ban-Brille, was seine stilistischen Probleme allerdings nicht kaschieren kann: Sarkos Zehen weisen beim Laufen entenartig weit nach außen. Im Ehevertrag mit Carla Bruni hätte man vielleicht festhalten sollen, dass alle physischen Angelegenheiten durch die Dame des Hauses erledigt werden sollten. Und Putin, der alte Judoka? Der gibt sich mit Kinderkram wie Laufen nicht ab. Trendsport im Kreml: Bärentöten oder mindestens Fische köpfen.
Wenigstens laufkulturell sind wir Deutschen weit vorn. Zwar sitzt Dieter Baumann noch nicht im Bundestag, aber gehört unbedingt dorthin, zwischen Gienger und Pofalla. Alles läuft, vor allem in Berlin. Bundespräsident Horst Köhler zum Beispiel. Gesine Schwan schreitet dagegen eher. Mit ihrer Hochfrisur käme sie nie unter den flachen Brücken an der Spree hindurch. Der andere Herausforderer, Peter Sodann, hält Laufen bestimmt für kapitalistischen Leistungsterror. Außerdem sind die Pillen von früher alle.
Kanzlerin Merkel wurde mehrfach dabei beobachtet, wie sie nahe ihres Wochenendhäuschen eine halbdynamische Fortbewegungsart versuchte, die zwischen Wandern, Walken und gemäßigtem Laufen lag. Leider gibt es ebenso wenig Bilder von ihr wie von ihrem möglichen Nachfolger, dem edelgrauen Frank-Walter Steinmeier auf Rollschuhen. Als der Mann noch Zeit hatte, kurvte er auf Inlinern den Kronprinzessinnenweg entlang, nicht schnell, dafür in weiten Schwüngen.
Seniorensportler Müntefering dagegen prahlt, drei Kilometer auf dem Laufband in gut 18 Minuten zu absolvieren. Deutscher Meister wird er damit aber auch nicht. Deutlich fixer ist Guido Westerwelle, der sich bisweilen gar den Teufelsberg empor quält, schwindelerregende 70 Höhenmeter. Klarer Vorteil für die Opposition: Da hat man noch Zeit zum Trainieren.
Aber auch mitten im Regierungstrubel kann man noch respektable Leistungen abliefern. Der stellvertretende Regierungsprecher Thomas Steg etwa schaffte den Berlin-Marathon 2008 in respektablen 3:45 Stunden. Auch Obamas neuer Stabschef Rahm Emanuel ist ebenfalls ein ausdauersportlicher Sympathieträger. Er rammt gern mal ein Messer in die Bilder seiner Feinde, kennt F-Worte mit vier Buchstaben außer "Foot" und tummelt sich beim Triathlon. Endlich wird der wahre Zweck von G8-Gipfeln deutlich: Sie nennen es politische Treffen. Aber in Wirklichkeit sind es Trainingslager.
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