Achim-Achilles.de: Frau Käßmann, viele Leser von Achim-Achilles.de mühen sich gerade durch die Fastenzeit. Machen Sie ihnen doch einmal Mut: Warum lohnt es sich durchzuhalten?
Weintrinkerin: Freiwillige Abstinenz während der Fastenzeit
Achim-Achilles.de: Was meinen Sie konkret?
Käßmann: Existentielle Fragen, die wir im Alltag oft verdrängen, können durch Fastenzeiten Raum erhalten. Wie will ich leben? Was macht Sinn? Was bedeutet Gott für mich? Nur Mut, versuchen Sie es! Die Erfahrung wird Sie bereichern.
Achim-Achilles.de: Worauf verzichten Sie gerade?
Käßmann: Ich verzichte auf Alkohol.
Achim-Achilles.de: Fällt Ihnen das schwer?
Käßmann: Ja, ich merke auf einmal, wie sehr ein Glas Wein am Abend zur Gewohnheit werden kann. Aber ich will das Fasten auch nicht zum Gesetz machen. Die alten Mönche hatten da wunderbare Ausnahmen, etwa den Sonntag und Zeiten "auf Reisen".
Achim-Achilles.de: Sie sind begeisterte Läuferin. Wie kam es dazu?
Käßmann: 1986 hatte ich eine dreijährige Tochter und bekam Zwillinge. Ich hatte das Gefühl, ich sitze nur noch im Haus oder schiebe einen Kinderwagen. Laufen war Zeit für mich selbst und Bewegung im eigenen Rhythmus.
Achim-Achilles.de: Wie oft trainieren Sie?
Käßmann: Training würde ich das nicht nennen. Ich laufe zwei oder drei Mal in der Woche um den Maschsee in Hannover, das sind rund sieben Kilometer.
Achim-Achilles.de: Viele Läufer trainieren, weil sie unzufrieden mit ihrem Gewicht sind. Sie auch?
Käßmann: Nein, der Anlass war wirklich das Gefühl, etwas für mich zu tun. Aber ich merke natürlich, dass es durch das Laufen leichter ist, mein Gewicht zu halten.
Achim-Achilles.de: Wie wichtig ist Ihnen Ihr Körper?
Käßmann: Mir ist wichtig, mit meinem Körper verantwortlich umzugehen. Aber ich bin jetzt 50, ich merke, dass sich das Altern kaum aufhalten lässt. Und ich weiß, dass Menschen nicht nur glücklich sein können, wenn sie in Topform sind. Manchmal, bei Besuchen in einem Behindertenheim etwa, erlebe ich sehr glückliche Menschen, die mit erheblichen Einschränkungen leben müssen.
Achim-Achilles.de: Woran denken Sie beim Laufen? An Gott oder an die Dusche zu Hause?
Käßmann: Oft nehme ich die Losung mit, den Bibelvers für den Tag. Oder ich denke über den Predigttext nach. Oder ich freue mich einfach, dass die Vögel zwitschern, die Luft gut ist. Die Mystiker haben gesagt, wenn der Atem einen Rhythmus hat, kann ich loslassen und frei werden für das Gespräch mit Gott. Das erlebe ich manchmal auch so.
Achim-Achilles.de: Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie sich teure Laufklamotten kaufen?
Käßmann: Richtig teure Laufklamotten, Pulsmesser und so weiter habe ich gar nicht. Aber bei Schuhen spare ich nicht. Allerdings ohne schlechtes Gewissen, weil ich denke, das ist wirklich entscheidend, sonst schadet das Laufen mehr als es nützt.
Achim-Achilles.de: Wie gefällt Ihrer Kirche, dass Sie im Sommer in luftiger Kleidung durch die Gegend rennen?
Käßmann: Am Anfang gab es da tatsächlich ein bisschen Stirnrunzeln: Geht das denn? Aber inzwischen grüßen mich andere Läufer fröhlich, und wir schicken sogar ein Kirchenteam zum Hannover-Marathon mit T-Shirts "Evangelische Kirche - laufend dabei". Und wir haben einen Nordseelauf initiiert unter dem Motto "Mach nicht Halt - lauf gegen Gewalt". Da werden die Läufer morgens mit biblischer Besinnung auf die Strecke geschickt.
Achim-Achilles.de: Viele Sportler sind gläubige Menschen. Dennoch wirkt es, als hätten die Kirchen Berührungsängste mit dem Sport. Woran liegt das?
Käßmann: Ich denke, das liegt daran, dass Kirche mit geistlichen Fragen befasst ist, und der Körper demgegenüber manchmal abqualifiziert wurde als nicht so wichtig. Oder körperliche Lust geradezu als Verführung negativ angesehen wurde. Aber da hat sich viel verändert. Glauben mit allen Sinnen wahrnehmen, den Atem spüren, Fasten, Meditation, Klostererfahrung - all das gehört zum Glauben. Spiritualität hat auch etwas mit körperlicher Erfahrung zu tun.
Achim-Achilles.de: Sind Läufer bessere Menschen?
Käßmann: Eine schwierige Kategorie, finde ich. Auf jeden Fall sind es Menschen, die bewusst zu leben versuchen, die Tage nicht einfach vergehen lassen. Das ist mir wichtig, denn das Leben ist ein Geschenk Gottes für mich. Und vielleicht kommt ja so manchem beim Laufen auch eine gute Idee, was er nicht nur für sich tun kann, sondern auch für andere. Oder er kommt ins Gespräch mit Gott, das wäre doch was.
Die Fragen stellte Wendelin Hübner
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Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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