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19.05.2009
 

Achilles' Verse

Maßloser Klamauk für alle

Schwergewicht Reiner Calmund hat einen Halbmarathon absolviert - im Tempo eines Spaziergängers. Der übergewichtige Kevin spielt Fußball - als Keeper bewegungslos auf der Torlinie. Ist das Sport, fragt Achim Achilles. Kaum, sagt er, das sei eher Zeitvertreib und zudem provokant.

Die Meldung klingt ja erst mal sensationell: Reiner Calmund ist Marathon gelaufen, im Ruhrgebiet. Wow, denkt der Hobby-Läufer. Bei näherer Betrachtung allerdings entzaubert sich die Leistung ein wenig. Denn erstens bewältigte die 60 Jahre alte Menschenmasse nur einen Halbmarathon. Und zweitens ist Calli gewalkt, drei Stunden und 56 Minuten lang, ohne Stöcke zwar, dafür mit einem Durchschnittstempo von gut fünf Stundenkilometern.

Walker Calmund (Mitte), Extremsportler Kelly (r.): Spaziergangstempo
DPA

Walker Calmund (Mitte), Extremsportler Kelly (r.): Spaziergangstempo

Seien wir ehrlich, das entspricht gemächlichem Spaziergangstempo. Nur mal zum Vergleich: Werner Sonntag hat den kompletten Berlin-Marathon 2008 mit durchschnittlich 6,7 Stundenkilometern absolviert, im Alter von 82 Jahren.

Bei allem Respekt vor Callis Leistungshunger - aber ist das wirklich Sport? Muss man sich vorher ein zeltartiges Funktionshemd überstülpen und hinterher seine verquollenen Käsemauken in die Kameras halten, als sei soeben die erste Sahara-Durchquerung gelungen? Offenbar kommt als Sport daher, was viel eher ein sinnvoller Zeitvertreib ist.

Freundschaft mit Achim

berlin-bits.de
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Nehmen wir den kleinen Kevin aus unserer Nachbarschaft. Er sagt, er spiele Fußball in der D-Jugend vom FC Barfuß Schöneberg. Leider hat Kevin die ersten acht Jahre seines Lebens als Muttis Mastferkel verbracht. Vor lauter Sorge, der Junge könne unterzuckern, war Mama immer mit einem Leckerli zur Stelle, wenn Kevin vor dem Computer saß und Bundesliga-Manager gespielt hat. Der Schularzt hat eines Tages gesagt, dass 82 Kilogramm vielleicht etwas viel seien bei knapp eineinhalb Metern Größe. Kevin musste Sport machen, um abzunehmen.

Er hat geheult, aber die 300 Euro teure Ausrüstung hat ihn beruhigt: Schuhe wie Franck Ribéry, Handgelenkstäschchen wie Luca Toni und ein weites Hemd wie Rainer Calmund. So kam Kevin zum Training. Die anderen Kinder haben gelacht, aber der Trainer war ein Kuschel-Pädagoge: Er stellte Kevin ins Tor und lobte ihn ohne Grund. Das Netz war kaum noch zu sehen. Aber die gegnerischen Spieler trafen trotzdem nach Belieben. Kevin war stolz. "Er spielt jetzt Fußball", sagt die Mutter. Das stimmt zwar nicht, weil Kevin nur herumsteht. Aber wenigstens isst er nicht mehr so viel, weil Spachteln im Training und bei den Spielen verboten ist. Zum Glück gibt es noch die Trinkflasche mit lecker Spezi drin.

Kevin und Calli werfen die gleiche Grundsatzfrage auf: Dürfen wir uns lustig machen über sie, weil sie Sport eher vorspielen als treiben? Erkennen wir also ihre Fähigkeit zur Autosuggestion an und lassen sie mitspielen? Oder sagen wir ihnen, was Sache ist: Es ist keine große Leistung, eine Stunde bewegungslos auf der Grundlinie auszuharren und ein paar Bälle durchzulassen. Und vier Stunden Schlendern ist auch kein Ding für einen halbwegs gesunden Mitteleuropäer.

Früher gab es die sinnreiche Unterteilung in Sportwettbewerbe und Volkswandern. Die einen rannten gegen die Uhr, die anderen bewegten sich einfach. Heute ist alles irgendwie Marathon und verkommt zur Spottveranstaltung. Klamauk für alle oder Leistungsvergleich für einige Ehrgeizige - wohin laufen wir denn?

Fakt ist: Der Begriff "Sport" stammt vom Lateinischen "se portare" ab, was "sich vergnügen" bedeutet. Sollten Calli und Kevin also Freude empfinden, können sie selbst ihr Tun tatsächlich als Sport bezeichnen. Aus der Sicht anderer Hobby-Athleten, die womöglich ein Leben lang diszipliniert leben und trainieren, ist ein jahrzehntelang Maßloser wie "Iron Calli" allerdings eine Provokation. Was hat eine öffentlich inszenierte und beachtete Diät auf einem Laufwettbewerb zu suchen?

Die Kameras, die um den schlendernden Dicken schwirren, müssen jeden Freizeitläufer ärgern, der zweieinhalb Stunden vor Calmund mit Bestzeit durchs Ziel hechtet, und trotzdem klatscht kein Schwein. Und viele der Millionen namenlosen Übergewichtigen im Lande würden sehr viel einfacher ein paar Kilo los, wenn sich ganz Nordrhein-Westfalen inklusive Sporthochschule um ihr Wohl kümmern würde.

Früher, als Chemnitz Karl-Marx-Stadt hieß, gab es beim dortigen Marathon eine ganz einfache Lösung, um Sportler vom Rest zu unterscheiden: Das Ziel wurde einfach nach zwei Stunden und 45 Minuten geschlossen.

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insgesamt 66 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.06.2009 von 08154711: Das ist erst der Anfang von Callis Sportkarriere!

Das kann ich nur bestätigen. Auf jeden Fall hat Callis Lauf diese Diskussion hier bei SPON in Gang gesetzt. Ich kann nur Jedem, der mit etwas mehr Kilos ausgestattet ist, zurufen: Lasst Euch nicht ausschließen und auslachen. [...] mehr...

25.05.2009 von JacksonBlood: absoluten...

durchblick hatt dieser poster, kann er doch via Ferndiagnose erkennen, wieviel wer abgenommen hatt. Garniert mit einer ausdrucksweise jenseits von Gut oder auch Böse. ´ Tjaja, die geister die man rief, Herr Achilles, einige [...] mehr...

23.05.2009 von osgar1: aber DieAnna was soll denn das ?

Hä ? Hab ich davon etwas gesagt ? Ich begegne bei jedem meiner Läufe (Radtouren,Schwimmen) eine Unmenge Dicken vor denen ich symbolisch den Hut ziehe. Die sind nur nicht so prominent wie der dicke Calli und tun es doch. Und [...] mehr...

23.05.2009 von hook123: 30 kg??????

Dass der dicke Calli 30 kg abgenommen haben soll, dass lassen sich doch allenfalls noch rtl2-Zuschauer weißmachen. Der Wanst ist so fett wie eh und je und der Kinnsack hängt auch in altbewährter Manier. Alles nur ein riesen [...] mehr...

22.05.2009 von DieAnna: Hier könnte Ihnen Ihre mangelnde Medienbeobachtung im Weg sein

Auf einem Privatsender war eine Serie über einen extrem adipösen Arbeitslosen, der durch Deutschland gewandert ist. Jeden Tag wurde einige Minuten über ihn berichtet. Aber es geht Ihnen mehr darum, dass über Dicke gefälligst [...] mehr...

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