Der Regen trommelt auf die Windschutzscheibe. Kälte. Alleinallein. Das vertraute Schlafschmatzen seiner Frau trug er noch im Ohr. Warum nur hatte er das warme Bett verlassen? Warum steuerte er morgens um kurz nach fünf das Auto durch die menschenleeren Straßen Berlins bis in die Einöde Sachsen-Anhalts? Gab es einen Sinn? Nein. Aber ein Sportsmann muss tun, was ein Sportsmann tun muss.
Eisläufer: Er fürchtete die Wölfe
Das Wasser habe 16 Grad, flunkern die Veranstalter. Warum zieht sich dann die Kopfhaut derart zusammen und die Lunge gleich mit? Und warum schwimmt man den ganzen Winter lang durch verpilzte Pools, wenn hier vor lauter Eis kein einziger vernünftiger Kraulzug gelingen will? Stattdessen immer wieder Panikschübe, Erstickensanfälle, toter Mann, bange Blicke zum DLRG-Boot. Manche krabbeln gleich nach dem Start wieder aus dem Wasser. Sie haben ja so recht.
Leider sind Eisbeine nicht zum Radfahren gemacht. Gestern habe einer der Athleten 56 Kilometer pro Stunde geschafft. Wahrscheinlich ist er den Kurs andersherum gefahren. Heute ist hier nur Wind. Und Einsamkeit. Und Gegend. Die Häuser sind schmuck, gar nicht ostig, aber offenbar wohnt niemand darin. Oder alle drängeln sich gerade im Wahllokal. Einzig bemerkenswerte Fauna ist die gemeine Glatze, die pennt aber noch. Höchstens alle zehn Kilometer steht ein Eingeborener an der Straße und guckt ausdruckslos wie ein Schalke-Fan.
Alle Zeitpläne sind nach dem Schwimm-Desaster zum Teufel. Also Ziele nach unten korrigieren: Hauptsache, nicht letzte Frau, lautet die Parole jetzt. Auf der Laufstrecke gibt's RedBull, immerhin. Ein Schluck Wodka drin wäre nicht schlecht. Langsam wird es wärmer. Zu spät. Die Krämpfe haben sich längst breitgemacht.
Gleich nach dem Zieleinlauf ruft Mona an: "Na, wie war's?" Ehrliche Antwort: "Beschissen!" Fragt die Gattin: "Warum machst Du das denn?" Keine Grundsatzdebatten, Schatz. Es muß halt sein. "Helden erkennt man daran, dass sie eine Gelegenheit zum Heldentum hatten, die Heldentat überlebten und dass jemand sie dabei sah und überlebte", hat der Satiriker Rudolf Rolfs gesagt. So einfach ist das.
Chance eines Läuferlebens: Wer läuft mit in Achims Staffel?
Was? Team-Staffel in Berlin.
Wann? Mittwoch, 10.6.09., Treffen 17.30h.
Wo? Tiergarten.
Betreuung: Klemmbrett-Karraß and lovely Laura.
Wieviele? 4 Plätze.
Bedingung? schneller als Calli (und hübscher).
Kosten? keine, nicht mal Tiernahrung.
Hinterher? Wasser, Bier, Fachsimpeln übers Langsamlaufen.
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