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09.06.2009
 

Achilles' Verse

Angst vorm Eisbein

Warum verlässt ein erwachsener Mann das warme Bett, um mitten in der Nacht in die Einöde Sachsen-Anhalts zu fahren? Etwa, um durch eisige Seen zu schwimmen und Angst vor Wölfen zu bekommen? Genau deshalb! Kein Wunder, dass Achim Achilles gnadenlos scheitert

Der Regen trommelt auf die Windschutzscheibe. Kälte. Alleinallein. Das vertraute Schlafschmatzen seiner Frau trug er noch im Ohr. Warum nur hatte er das warme Bett verlassen? Warum steuerte er morgens um kurz nach fünf das Auto durch die menschenleeren Straßen Berlins bis in die Einöde Sachsen-Anhalts? Gab es einen Sinn? Nein. Aber ein Sportsmann muss tun, was ein Sportsmann tun muss.

Eisläufer: Er fürchtete die Wölfe
DPA

Eisläufer: Er fürchtete die Wölfe

Er öffnete die Flasche "Vitasprint", die ihm seine Frau noch zugesteckt hatte. Keine Ahnung, ob das Zeug half. Aber "Vitasprint" klingt deutlich besser als "Prostagut" oder "Granufink". In Gedanken fuhr er zum tausendsten Mal die Strecke ab: 1,5 Kilometer Schwimmen in einem eisigen Baggersee. Dann 40 Kilometer Rad durch die einsamsten Osten. Mit etwas Glück konnte man manchmal Einheimische sehen. Zum Schluss noch 10 Kilometer laufen. Er fürchtete die Wölfe. Andererseits: Jeder Pacemaker ist willkommen.

Freundschaft mit Achim

berlin-bits.de
Deutschlands Kultläufer ist jetzt auch in einer der größten Web-Communitys unterwegs: Besuch Achim auf Facebook , werde sein Fan und verpass nie mehr seine Kolumnen oder Lesungen. Auf Twitter kannst du außerdem live erleben, was Achim sonst so treibt: schwitzen oder Training schwänzen?
Ferropolis ist der Wüstenplanet, eine kleine Halbinsel mitten im Maschinenraum der alten DDR gelegen. Der Braunkohletagebau lieferte Treibstoff für Kraftwerke und Chemie, von Plaste bis Elaste. Die gewaltigen Bagger stehen noch, mächtig wie Hochhäuser. Unmittelbar darunter liegt die Wechselzone für den Ferropolis-Triathlon, den bizarrsten Wettkampf des Jahres. Wenn Peter Maffay hier spielt, kommen Zehntausende. Aber zum Triathlon verirrt sich kaum ein Zuschauer hierher, schon gar nicht bei der Kälte. Kilometer Werbebanden baumeln ungesehen in der Einöde. Auf dem Campingplatz lagern nur Schmerzfreie wie die Weltraumjogger aus Berlin, eine der wenigen Inseln des Frohsinns.

Das Wasser habe 16 Grad, flunkern die Veranstalter. Warum zieht sich dann die Kopfhaut derart zusammen und die Lunge gleich mit? Und warum schwimmt man den ganzen Winter lang durch verpilzte Pools, wenn hier vor lauter Eis kein einziger vernünftiger Kraulzug gelingen will? Stattdessen immer wieder Panikschübe, Erstickensanfälle, toter Mann, bange Blicke zum DLRG-Boot. Manche krabbeln gleich nach dem Start wieder aus dem Wasser. Sie haben ja so recht.

Leider sind Eisbeine nicht zum Radfahren gemacht. Gestern habe einer der Athleten 56 Kilometer pro Stunde geschafft. Wahrscheinlich ist er den Kurs andersherum gefahren. Heute ist hier nur Wind. Und Einsamkeit. Und Gegend. Die Häuser sind schmuck, gar nicht ostig, aber offenbar wohnt niemand darin. Oder alle drängeln sich gerade im Wahllokal. Einzig bemerkenswerte Fauna ist die gemeine Glatze, die pennt aber noch. Höchstens alle zehn Kilometer steht ein Eingeborener an der Straße und guckt ausdruckslos wie ein Schalke-Fan.

Alle Zeitpläne sind nach dem Schwimm-Desaster zum Teufel. Also Ziele nach unten korrigieren: Hauptsache, nicht letzte Frau, lautet die Parole jetzt. Auf der Laufstrecke gibt's RedBull, immerhin. Ein Schluck Wodka drin wäre nicht schlecht. Langsam wird es wärmer. Zu spät. Die Krämpfe haben sich längst breitgemacht.

Gleich nach dem Zieleinlauf ruft Mona an: "Na, wie war's?" Ehrliche Antwort: "Beschissen!" Fragt die Gattin: "Warum machst Du das denn?" Keine Grundsatzdebatten, Schatz. Es muß halt sein. "Helden erkennt man daran, dass sie eine Gelegenheit zum Heldentum hatten, die Heldentat überlebten und dass jemand sie dabei sah und überlebte", hat der Satiriker Rudolf Rolfs gesagt. So einfach ist das.

Chance eines Läuferlebens: Wer läuft mit in Achims Staffel?

Was? Team-Staffel in Berlin.
Wann? Mittwoch, 10.6.09., Treffen 17.30h.
Wo? Tiergarten.
Betreuung: Klemmbrett-Karraß and lovely Laura.
Wieviele? 4 Plätze.
Bedingung? schneller als Calli (und hübscher).
Kosten? keine, nicht mal Tiernahrung.
Hinterher? Wasser, Bier, Fachsimpeln übers Langsamlaufen.

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