Achilles' Ferse Ausdauernd, aber autistisch

Dieses Problem kennen viele Läufer: Zu wenig getrunken, die Leistung lässt nach. Aber kann man auch überreichlich Flüssigkeit zu sich nehmen? Achim und Co. sind skeptisch. Eines ist jedoch klar: Wer einen Marathon flüssig absolvieren will, muss vorher etwas tun.


Liebes Achilles-Team,
die hohen Temperaturen haben bei mir die Frage nach einer optimalen Trinkstrategie ausgelöst. Kann man eine Wasservergiftung (Hyponatriämie) durch isotonische Getränke verhindern? Stimmt es, dass man einige Tage vor dem Rennen salzhaltige Speisen zu sich nehmen sollte?
Grüße, Falk

Läufer-Denkmal: Auf großem Fuß
AP

Läufer-Denkmal: Auf großem Fuß

Lieber Falk,
eine Hyponatriämie werden Sie nur bekommen, wenn Sie innerhalb einer kurzen Zeit mehrere Liter reinen Wassers zu sich nehmen. Solange dies nicht der Fall ist und Sie sich regelmäßig und gesund ernähren, besteht kein Grund zur Sorge. Salzige Speisen vor dem Rennen werden nur zu einem vermehrten Durstgefühl und eventuell zu einer Gewichtszunahme wegen Wasserretention führen, also lauter Erscheinungen, die man am Renntag nicht unbedingt haben möchte.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Falk,
nachdem das Vieltrinken von jedem Provinzmodel als Geheimnis ihrer Schönheit gepriesen wurde, dreht sich die Stimmung gerade wieder. Mehrere Untersuchungen besagen, dass man im Rennen erst trinken sollte, wenn Durstgefühl auftritt. Denn Aqua-Loading scheint ein paar Probleme mit sich zu bringen, die wohl noch nicht letztgültig erforscht sind. Wie immer gilt: Höre auf deinen besten Freund, den Körper.
Besten Gruß, Achim

Lieber Achilles,
ich bin Laufanfängerin (46 Jahre, 70 Kilogramm, laufe seit zwei Jahren) und habe mich in den ersten Monaten des Jahres ordentlich und mit viel Liebe auf einen Halbmarathon vorbereitet. Der fand bei super Sommerwetter statt, 35 Minuten Wartezeit am Start in praller Sonne und die ersten fünf Kilometer in göttlicher Mittagshitze. Obwohl ich vom Start an getrunken und meinen Kopf mit Wasser gekühlt habe, gab es nach fünf Kilometern einen Kreislaufkollaps. Kannst du mir einen Tipp geben, wie ich solche Hitzeschlachten überstehen und eine ordentliche Zeit laufen kann? Demnächst starte ich in Hamburg und es wird mit warmem Wetter gerechnet.
Dankbar für jeden Tipp, Bärbel

Liebe Bärbel,
du hast eigentlich alles richtig gemacht. Wenn du dich tatsächlich mit viel Fleiß auf deinen ersten Halbmarathon vorbereitet hast, kann es nur an der falschen Wahl des Tempos gelegen haben. Bei ungünstigen Laufbedingungen, die bei einer Außentemperatur von 25 Grad nun mal vorliegen, musst du selbstverständlich dein Lauftempo überprüfen. Gehe in Hamburg deshalb vorsichtiger an, nehme das Wetter ernst, aber habe nicht zu viel Angst. Dieses Mal wird es klappen.
Viel Erfolg, Jens Karraß

Liebe Bärbel,
wenn es so heiß ist und man sich nicht super wohl fühlt, sollte man die Kraft haben, den Start sausen zu lassen und ins Strandbad zu gehen. Gesünder ist es allemal als das planmäßige Ausdörren, erfordert aber viel innere Stärke.
Venceremos, Achim

Hallo Achim,
ich platze vor Neid: Während halb Lüneburg am Hamburg-Marathon teilnahm, bin ich froh, dass ich nach einem halben Jahr Lauferei halbwegs locker zehn bis zwölf Kilometer abspulen kann. Fast hätte ich mich noch zu einer Wette hinreißen lassen, dass ich in Hamburg nächstes Jahr durchhalten werde. Wäre das bei zweimal Training pro Woche plus etwas Kraftausdauertraining im Studio überhaupt realistisch? Habe immerhin vor kurzem meinen ersten Wettkampf glorreich überstanden – elf ziemlich hügelige und matschige Kilometer in knapp unter einer Stunde. Kurz die weiteren Daten: Ich (42 Jahre alt, 1,87 Meter groß und 94 Kilogramm schwer, Tendenz abnehmend) bin durch etwas bizarre Arbeitszeiten darauf angewiesen, meistens allein durch die Wälder zu rennen.
Hoffnungsvolle Grüße, Andreas

Hallo Andreas,
ganz ehrlich? Wahrscheinlich reicht es nicht. Aber es gibt ja immer Naturtalente. Aber ich sage dir trotzdem: Ja, es klappt. Warum? Weil du erst seit sechs Monaten läufst, schon neidisch bist, auf die, die mehr können, bereits deinen ersten Wettkampf absolviert hast und auch aus deiner Gewichtsangabe der Trainingsfleiß spricht. Was du zu einem risikolosen und glücklichen Marathon brauchst, ist ein Coach, der dich ganz behutsam überredet, genau die zwei Läufe pro Woche mehr zu machen, die du mindestens benötigst. Damit passt du wunderbar zu vielen meiner Online-Sportler.
Mit besten Grüßen, Jens Karraß

Lieber Andreas,
kalkuliere aber bitte ein, dass du bis zum Marathon im nächsten Jahr nicht viel Zeit für andere Aktivitäten haben wirst, inklusive Frauen, Fernsehen oder andere soziale Kontakte. Marathon-Novizen neigen nämlich zum Autismus.
Viel Spaß dabei, Achim

Hallo Achim, Jens und Dr. Dimeo,
ich laufe seit drei Jahren, mein Trainingspensum liegt im Moment etwa bei 30 bis 40 Kilometer in der Woche. Diese Zeit verbringe ich meist allein mit meinem iPod, was ich auch sehr genieße. Was mir nun noch zu meinem Glück fehlen würde, wäre ein Podcast von Eurer Kolumne, der mich auf meinen Läufen begleitet und so einen großen Beitrag zur Leichtigkeit des Laufens an unmotivierten Tagen leistet. Könnt Ihr nicht einen ins Leben rufen?
Grüße, Anne

Hallo Anne,
danke für das Kompliment! Es gibt immerhin schon Achilles-Hörbücher. Alles Weitere werden wir mit den Großmeistern von SPIEGEL ONLINE bereden.
Besten Gruß, Achim

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