Achilles' Ferse Diese lästigen kleinen Erkältungen

Im Winter lauern viele Gefahren auf den Läufer, nicht nur in Form von erhöhter Kalorienzufuhr in der Weihnachtszeit. Viren können einem auch ganz schön zu schaffen machen. Doc Dimeo gibt Tipps, wie man Grippe & Co. in den Griff kriegt.


Hallo Achilles-Team,
ich schwitze während des Laufens ziemlich stark und bin dazu noch sehr anfällig für Erkältungskrankheiten (zum Beispiel Nebenhöhlenentzündung). Zwischen März und Oktober kann ich gut trainieren und schaffe in einer Stunde zehn bis zwölf Kilometer. Ich würde diesen Leistungsstand gern beibehalten und darauf aufbauen. Doch leider gelingt es mir nicht, ohne die lästigen Erkältungskrankheiten über die kalten Monate hinwegzukommen. Was kann ich im Winter tun, um das Lauftraining aufrecht zu erhalten und nicht einstellen zu müssen?
Vielen Dank für Euren Rat, Stephan

Mann mit Erkältung: Das Trainingspensum anpassen
DPA

Mann mit Erkältung: Das Trainingspensum anpassen

Hallo Stephan,
sorge für schnelle Ersatzkleidung nach Deinen Schwitzläufen, damit Du nicht auskühlst. Zur Kleiderordnung: Wenn Du vor dem Loslaufen ganz leicht frierst, hast Du die richtige Kleiderstärke aufgezogen. Versuche, Dich nicht zu warm zu kleiden, um den Schweiß nicht unnötig zu provozieren. Nun übergebe ich an Doc Dimeo, der wird die richtigen Vitamine empfehlen!
Grüße, Jens Karraß

Lieber Stephan,
das starke Schwitzen macht mir keine Sorgen, aber Erkältungen im Winter sind für Sportler wirklich sehr lästig. Wenn ich ein Präparat empfehlen könnte, um Erkältungen vorzubeugen, wäre ich deswegen entweder Milliardär, wenn das Zeug was bringt, oder ein Betrüger. Am ehesten das Zweite, denn aller Werbung zum Trotz gibt es kein Mittel, das Erkältungen vorbeugt. Weder Vitamine, noch Pflanzenextrakte, noch Hausmittel haben sich auf Dauer bewährt, obwohl der eine oder die andere immer mal behaupten, ein tolles Rezept herausgefunden zu haben. Vitamine sind dabei nicht effektiver als vor einem beliebigen Heiligen eine Kerze anzuzünden. Erkältungen kommen jedoch häufiger bei Überanstrengungen vor, die nicht nur als Folge von Training, sondern auch von unregelmäßigen Schlafzeiten, Ernährungsdefiziten oder zusätzlichem Stress entstehen können. Versuchen Sie deswegen, Ihr Training zu optimieren, indem Sie alle zusätzlichen Belastungen vermeiden. Wenn Sie trotzdem sehr häufig erkältet sind, werden Sie eventuell ihr Trainingspensum während der Wintermonate dem Wetter und Ihrer Belastbarkeit anpassen müssen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Stephan,
ich mache hier ungern Werbung, aber ich kenne eine ganze Reihe Leute, die auf Vitaminpräparate der Firma Orthomol schwören. Nachteil: sauteuer. Für die Kohle kannst Du Dir fast ein eigenes Krankenhaus kaufen. Zweitens teile ich des Docs Meinung sehr: Training ist Belastung fürs System und fährt die körpereigene Immunabwehr bisweilen stark nach unten. Wer viel trainiert, ist also anfälliger. Ich bekomme zum Beispiel bei viel Training im Winter häufig Herpes an der Lippe und weiß: Jetzt ist es genug. Versuche mal ein etwas kleinflammigeres Programm als in den Jahren zuvor. Berichte von Deinen Erfahrungen.
Gruß, Achim

Hallo Achim,
ich (40, männlich, 1,80 Meter, 77 Kilogramm) laufe seit knapp fünf Jahren, 40 bis 50 Kilometer in der Woche. Seit fast einem Jahr schmerzen mir nach dem Laufen die Hacken. Der aufgesuchte Sportarzt meinte, das seien Druckstellen, und ich sollte mal ein anderes Schuhmodell probieren. Mittlerweile habe ich vier neue Laufschuhe von unterschiedlichen Herstellern und damit zum ersten Mal in einem Jahr mehr Schuhe gekauft als meine Frau. Das Problem ist geblieben, je länger und intensiver ich trainiere, umso mehr tun mir die Hacken weh. Allerdings nicht beim Laufen, sondern hinterher. Wisst ihr Rat?
Danke, Thomas

Hallo Thomas,
Einlegesohlen, vom orthopädischen Schuhmacher maßangefertigt, könnten Dir Linderung bringen. Ein weiterer Trick wäre dosiertes Krafttraining für die unteren Extremitäten, Füße und Waden. Alles vorausgesetzt, dass Dein Arzt nichts Schlimmeres finden konnte.
Viel Glück, Jens Karraß

Lieber Thomas,
es tut meistens nicht beim Laufen weh, sondern erst hinterher. Und zwar deswegen, weil körperliche Aktivität eine vermehrte Durchblutung und dadurch eine Schmerzreduktion bewirkt. Dass ein längeres und intensiveres Training zu einer Zunahme der Beschwerden führt, sollte Ihnen mittlerweile klar sein, wenn Sie diese Seiten regelmäßig lesen. Eine Intensivierung des Trainings bei Schmerzen ist nicht gerade klug. Aber auch die Tatsache, dass wir keine Ferndiagnose stellen können, wird in Ihren Fall besonders deutlich. "Die Hacken" kann der untere Teil der Achillessehne, der Schleimbeutel, der Ansatz der Achillessehne am Knochen, die Knochenhaut, die Haut, der Knochen selber, und auch das Fettgewebe am Fuß sein. Ohne genau zu wissen, was Ihnen schmerzt, kann man auch keine vernünftige Behandlung empfehlen. Das Ganze als eine Druckstelle durch die Schuhe zu erklären, finde ich gewagt. Bevor sie noch ein Paar Laufschuhe kaufen, konsultieren sie vielleicht einen weiteren Arzt. Bis dahin können Sie versuchen, unmittelbar nach dem Training die Stelle mit einem Eisbeutel drei bis fünf Minuten abzukühlen und das drei- bis viermal nach dreiminütigen Pausen zu wiederholen. Diese Methode ist bei den meisten Reizzuständen wirksam.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo

Lieber Thomas,
es gibt für etwa zehn Euro Gel-Keile für die Schuhe. Manchmal helfen sie. Wenn nicht, kann man die Dinger vielleicht als Implantate verwenden, zum Beispiel für eine kräftiger ausschauende Wade.
Gruß, Achim

Guten Morgen,
frisch vom Joggen zurück, muss ich hier einen Notruf senden. In den letzten Jahren bin ich eher sporadisch Laufen gegangen, bis mich die Motivation dieses Jahr gepackt hat und ich in den letzten drei Monaten täglich eine Stunde gejoggt bin. Ich habe keinen Marathon im Sinn oder ähnlich ambitionierte Projekte, sondern möchte mich nur hinterher richtig gut fühlen. Seit einigen Tagen quält mich jedoch ein Motivationsproblem. Ich stehe vor meinen Joggingklamotten (inklusive den viel zu teuren, extra gepolsterten Socken) und habe keine so rechte Lust. Nicht einmal wenn ich dann schon laufe. In der letzten Woche bin ich nach der Hälfte nach Hause umgekehrt. Echt deprimierend! Was gilt es zu tun? Muss ich mir höhere Ziele setzen als nur das Traben um die Häuserblocks?
Ihre Sydne

Hi Sydne,
ja, die Antwort hast Du Dir schon gegeben. Vieles kann helfen: Ziele setzen, Abwechslung ins Training bringen, neue Strecken, neue Laufpartner. Du brauchst Inspiration. Neue Aufgaben. Denn zwölf Wochen haben 84 Tage. Jeden Tag eine Stunde gelaufen, das ist schon ziemlich viel. Da wundert es nicht, dass Dir nun mal die Motivation fehlt. Ehrlich! Nimm Dir jetzt unbedingt eine ganze Woche frei vom Laufen. Am dritten Tag kannst Du ja mal überlegen, wie Du Dein Laufen ändern willst. Sicher wirst Du in Deiner Stadt eine Laufgruppe finden und meist ist dort auch ein Trainer nicht weit. Ran!
Liebe Grüße, Jens Karraß

Jens, hat recht!
Suche Dir eine Gruppe, einen Wettbewerb und maximal vier Tage die Woche. Es gibt so viele, die loslegen wie die Feuerwehr, aber nach einem halben Jahr keinen Bock mehr haben. Weil sie's übertreiben. Also: Gelegentlich mal den Achilles-Tag (strikte Sofaruhe) einlegen.
Gruß, Achim

Lieber Achim, lieber Jens,
ich bin gut zwei Monate wegen einer Verletzung außer Gefecht gewesen und könnte jetzt wieder starten. Habe in der Zwischenzeit die Asics nicht mal angeschaut, bin also knapp über oder gar unter Null. Wie nun wieder einsteigen? Vorsichtig starten, langsam steigern, ist klar. Aber geht's ein wenig genauer? Meine Daten: Bin 49 Jahre, laufe seit vier Jahren, davon die letzten zwei halbwegs konstant und ambitioniert. Im vergangenen Winter fünf- bis sechsmal pro Woche mit Umfängen von 80 bis 100 Kilometer. Das brachte mir eine Zeit von 3:12 Stunden in Hamburg im April und auf das Niveau möchte ich gerne wieder kommen. Habt Ihr einen Rat?
Hannes

Hallo Hannes,
wenn Du Hamburg wieder im Express-Tempo sehen möchtest, hast Du bis Januar Zeit, in eine ansprechende Form zu kommen, die Dein Drei-Stunden-Training ermöglichen. Bis dahin Aufbau. Aber wie? Eine stressfreie Ansage: Bringe Dich in die Form, dass Du einen 15-Kilometer-Lauf in 4:30er Tempo easy laufen kannst. Also fange mit zehn Kilometern in 50 Minuten an, das müsste leicht gehen. Arbeite Dich an 4:45 bis 4:30 Minuten für den Kilometer heran und wenn das gut geht, erhöhe auf zwölf und dann auf 15 Kilometer. Das solltest Du in fünf Wochen drauf haben. Wenn Du es eiliger haben solltest, dann baue noch Ein-Kilometer-Tempoläufe ein, wo Du gleich mit 4:20 bis 4:30 Minuten anfangen kannst. Anzahl zuerst sechs, später zehn Stück. Flankiere diese beiden Haupttage mit einem langen 5:30er Lauf (zwei Stunden) und einem ganz lockeren kurzen Lauf mit Betonung auf guten Laufstil. Mann Hannes, ick seh' Dir schon flitzen, wa,
Jens Karraß



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