Achilles' Ferse: Gefährliche Experimente an der Tretmühle

Heimliches Hochleistungstraining? Gegen den Rat des Arztes? Achim Achilles und sein Team sind not amused. Bei hartnäckigen Knieproblemen raten unsere Laufexperten zur Ersatzdroge Chlor - und rauben einem Ex-Ruderer die Illusion vom reibungslosen Wiedereinstieg in den Ausdauersport.

Astronaut am Hometrainer: Sogar im All ist Fitness Trumpf Zur Großansicht
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Astronaut am Hometrainer: Sogar im All ist Fitness Trumpf

Lieber Achim,
um es kurz zu machen: Früher war ich mal sportlich (Rudern auf Bundes-Niveau), dann habe ich fast 20 Jahre nichts gemacht, und jetzt bin ich 45, träge und fett. Gelte ich als Wiedereinsteiger oder als Anfänger?
Bange Grüße, Rudi

Hey Rudi,
machen wir uns nichts vor: Spätfolgen deiner sportlichen Betätigung sind nur noch in deinem Langzeitgedächtnis vorhanden. Du bist ein Anfänger und solltest deinen vermutlich eher teigigen Leib auch so behandeln: Unsere kostenlosen Trainingspläne sowie die Tipps vom Einsteiger-Versteher Piet sind sehr hilfreich.
Viel Spaß, Achim

Lieber Achim,
ich bin ein junger Hüpfer, 22 Jahre, und gehe mittlerweile seit vier Jahren regelmäßig laufen. Über einen Halbmarathon bin ich aber bisher noch nie hinaus gekommen, da es mich vor zwei Jahren mit den Ski schön geschmissen hat - seitdem macht mein linkes Knie immer wieder Zicken. Es sticht bei der Belastung an der Innenseite am Knie und wenn ich mein Bein durch drücke (zum Beispiel beim Dehnen), springt in der Innenseite der Kniekehle irgendetwas. Ich war nun schon bei mehreren Ärzten. Nach dem Kernspin sagt der eine, dass "das Knie vollkommen in Ordnung ist", der andere sieht einen leichten Bluterguss oder eine Entzündung unter der Kniescheibe, schließt aber einen Meniskusschaden aus. Mein Physio meint, alles sei "brutal verkürzt und verkapselt" am rechten Bein, weiß aber nicht woher das kommt. Ich habe nun mehrere Laufpausen eingelegt. Mal ist das Knie besser, mal weniger gut. Als Ausdauerjunkie bin ich nun aufs Rad umgestiegen, aber selbst da bereitet mir mein Knie Probleme. Ein Sportsfreund meint, ich solle einfach mal zwei Monate lang gar nichts mit den Beinen machen. Ist das eine gute Idee - und wie halte ich das aus? Gibt es Ersatzdrogen? Mein Bein treibt mich in den Wahnsinn!
Viele Grüße, Jessy

Hallo Jessy,
mit Drogen kenne mich aus, Chlor zum Beispiel. Wenn es dir dein Arzt erlaubt, solltest du es mal mit Schwimmen probieren. Das ist ein prima Sport für den Wiedereinstieg.
Gute Besserung, Achim

Hi Jessy,
viele Ärzte und Therapeuten garantieren vor allem eines: viele verschiedene Meinungen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, ereignete sich der Unfall vor zwei Jahren und die Schmerzen treten seitdem auf. Es muss also eine Struktur so verletzt worden sein, dass sie dich weiterhin funktionell einschränkt. Das Springen in der Kniekehle muss doch für einen der Ärzte reproduzierbar sein und es muss zu einer Struktur (Muskel, Kapsel, Bandapparat) zuzuordnen sein. Ich würde versuchen, die Therapie daran zu orientieren. Es ist beruhigend, dass dein Knie im MRT ansonsten unbeschadet erscheint, denn somit können schwerere Strukturschäden ausgeschlossen werden. Ich bin skeptisch, ob zwei Monate komplette Pause helfen können, denn die Verletzung besteht ja nun schon seit zwei Jahren und scheint eher funktionell bedingt zu sein. Lass dein Knie noch mal untersuchen!
Beste Grüße, Dirk Pajonk

Liebe Jessy,
der Doc hat Recht! Was du aber unbedingt auch tun solltest: Ein gutes Krafttraining angehen, dass deine Beinmuskulatur in der Art stärkt, dass sie in der Lage ist, einiges an der noch bis jetzt nicht voll funktionierenden Struktur zu entlasten. Nach dem MRT wird sich das Kraftprogramm erschließen, das für dich das richtige ist.
Gute Besserung, Jens Karraß

Liebe Experten,
nach einigen Monaten sehr störender Schmerzen im Unterschenkel hat ein MRT nun die todschicke Diagnose "Knochenmarködeme in beiden Schienbeinen" ans Tageslicht gefördert. Therapieansatz meines freundlichen und sportaffinen Orthopäden: Sechs Wochen Pause, danach könnte ich es wieder probieren. Leider bin ich wild entschlossen, in sieben Wochen meinen zweiten Marathon (nach schmählichen 4:00:11 Stunden) zu bestreiten. Mein Plan ist folgender: Ich will die Pause heimlich auf maximal vier Wochen abkürzen, in dieser Zeit per Hometrainer zum Ausdauerwunder mutieren und danach zurück auf den Waldweg bis zum Marathon. Ist das realistisch? Sagen Sie bitte, bitte "Ja!"
Viele Grüße von der Tretmühle, Ingo

Lieber Ingo,
klingt wie ein sicherer Weg in die Sportinvalidität. Aber Walken ist ja auch was Schönes.
Viele Grüße an den Trinkflaschengurt, Achim

Lieber Ingo,
dein Plan ist nicht intelligent und aller Voraussicht nach auch nicht realistisch. Knochenmarködeme entstehen durch Überlastung. Du planst die Belastung nur partiell runterzufahren und dann einen absoluten Belastungshöhepunkt mit dem Anspruch persönlicher Höchstleistung abzurufen. Selbst wenn der Lauf noch erfolgreich ist, besteht ein hohes Risiko, dass sich danach deine Schmerzen potenzieren und die Phase der Sportpause wesentlich länger wird.
Beste Grüße, Dirk Pajonk

Lieber Ingo,
das ist sehr bitter. Aber der Hometrainer wird wohl dein Freund bleiben müssen. Diese Verletzung geht nicht so einfach weg und Dr. Pajonk hat in diesem Falle leider Recht, es würde zu ernsthaften Problemen kommen, würdest du den Marathon mitlaufen. Es mag schwer sein, aber du musst dich leider davon verabschieden.
Gute Besserung, Jens Karraß

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Über 10.000 Meter war Jens Karraß einst Deutscher Meister, Bestzeit 27:53 Minuten. Heute bietet der 38-Jährige mit seiner Firma jk running Lauf- und Fitness-Coaching. Unter anderem läuft die Spitzenpolitikerin Brigitte Zypries regelmäßig mit ihm.
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Dr. Dirk Pajonk weiß, wo es wehtut. 1996 wurde er Deutscher Meister der Zehnkämpfer und fuhr zu Olympia nach Atlanta. Seit 2001 ist Pajonk betreuender Arzt des Deutschen Leichtathletik Verbandes und des Deutschen Zehnkampf-Teams. Der Orthopäde hat seine Praxis in Düsseldorf. Neben Sportmedizin beschäftigt er sich intensiv mit Stressmanagement und ist Autor des Buches "Entspannt gewinnt".
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