Achilles' Ferse: Lusche durch Laufband?

Werde ich schlechter auf dem Laufsimulator? Diese Frage treibt ausgerechnet eine Leserin um, die großes Glück hat: Sie wohnt in den Bergen. Kein Wunder, dass Achim Achilles vor lauter Neid nur den Kopf schüttelt. Rat gibt es hingegen für eine verkopfte Läuferin.

Läuferin in Australien: Wenn's draußen mal staubig wird, ab aufs Band Zur Großansicht
dpa

Läuferin in Australien: Wenn's draußen mal staubig wird, ab aufs Band

Hallo Achim,
wir sind vor zwei Jahren in die Berge gezogen und da ist das Laufen doch etwas anders als in der Großstadt. Deshalb habe ich zwei Fragen. Meine morgendlichen Läufe (Schulzeiten meines Sohnes bedingen einen Frühstart um etwa 6:30 Uhr) möchte ich wegen Dunkelheit und Schneelage durch ein Training auf dem Laufband ersetzen. Was muss ich beachten, um nicht "zur Lusche" zu werden und dann im Frühling ein böses Erwachen zu erleben? Wir wohnen auf mehr als 1000 Metern Höhe. Das heißt, von zu Hause aus geht es nur bergauf oder bergab. Ich starte die ersten 25 Minuten bergauf (sehr langsam, rund 250 Höhenmeter), dann geht es ganz steil rauf über einen Wurzelpurzelweg. Wie kann man nun langsame Höhenmeter "umrechnen"? Oder kann ich diese quasi als Intervalltraining verbuchen? Wenn ja, in welchem Maß?
Viele Grüße aus den Bergen, Katrin

Liebe Kati,
herzlichen Glückwunsch zu deinen Luxusproblemen. Du hast gute Luft und Höhentraining, zwei Bedingungen, die es in Großstädten nicht gibt. Der dritte Baustein zum Erfolg: ein guter und kostenloser Trainingsplan. Die Tempoeinheiten machst du auf dem Band, die längeren, ruhigeren Läufe hoch zu den Ötzis, am besten bis auf 2000 Meter Höhe. Und im Frühjahr wetzt du uns allen davon.
Mit leichter Panik, Achim

Hallo Kati,
Laufband-Training ist gar nicht so schwer. Auf dem Laufband stellst du den Neigungswinkel auf zwei Prozent, dann hast du Outdoor-Bedingungen und ersetzt den fehlenden Luftwiderstand. Laufe dabei erst einmal locker und schaue auf deinen Puls. Wenn du da regelmäßig bis zu einem 150er-Puls erreichst, ist das in Ordnung, nichts mit "Lusche". Falls du dennoch das Gefühl hast, zu stark abzufallen, kannst du zusätzlich flottere Teilstücke einbauen und dich bis zu einem 170er-Puls belasten. So ähnlich verhält es sich auch mit deinem Bergtraining. Schaue vor allem auf die Pulswerte, bewege dich einfach in einem guten Bereich und das am besten über eine Stunde lang. Das ist Training, die Bergpassagen werden dir viel Kraft geben und du kannst dann zu einem Zehn-Kilometer-Wettkampf in eine flache Stadt fahren und dir eine Belohnung abholen. Verabschiede dich von Umrechnungen und gehe eher von deinem Verstand und Gefühl aus: War das eine gut gefüllte Laufstunde oder nur ein Traberchen?
Viele Grüße aus Berlin, Jens Karraß

Lieber Achim Achilles,
ich kann trotz 58 Jahren keine gesundheitlichen Probleme vorweisen, die meine von Verletzungen gebeutelten Mitläufer beeindrucken könnten. Aber ich mache mir Sorgen um meinen Geisteszustand. Damit du diesen besser beurteilen kannst, hier ein kurzer Bericht über mein Verhalten vorm Start des Bodensee-Halbmarathons. Am Abend zuvor gehe ich um 22 Uhr zu Bett, lese bis um circa zwei Uhr. Ich schlafe eine gute erholsame Stunde und warte geduldig, bis mich um 6 Uhr der telefonische Weckruf erlöst. Ich springe aus dem Bett, kleine Missgeschicke folgen: Ich putze die Zähne mit Tagescreme, schmiere mir Zahnpasta ins Gesicht, was mir ein etwas kränkliches Aussehen verleiht. Beim Frühstück versuche ich, das Ei mit der Gabel zu essen, geht nicht, Eigelb zu weich. Dann geht es los in Lindau, über 5000 Teilnehmer, Traumkulisse, Traumwetter, Traumstart. Irgendwo vor mir laufen zwei gute Kumpels, bloß wo? Ich renne mir zehn Kilometer die Seele aus dem Leib, hole sie aber nicht ein. Mist. Später erzählen sie mir, dass ich kurz nach dem Start an ihnen vorbeigeschossen bin. Für die Turbokilometer bekomme ich postwendend die Quittung. Die letzten fünf Kilometer werden die längsten, die ich je bei einem Halbmarathon gelaufen bin. Auf den letzten Metern: Erspähe das Ziel mit Mühe und Not/durch Nebelschleier, tief dunkelrot/Dahinter steht Margret/sie winkt mit 'ner Brezel/Wo hat sie die her?/Es ist mir ein Rätsel/Geb noch mal alles/und das ist nicht viel./Doch es reicht Gott sei Dank/ und ich falle ins Ziel. Meine Zeit: 1:37:56 Stunden. Juchu! Ach ja, für eine Laugenbrezel tue ich alles. Habe ich noch alle Tassen im Schrank?
Liebe Grüße, Traudel, brezelkauend

Liebe Traudel,
mein Neid ist mit dir. Du bist nicht nur verdammt schnell, sondern hast auch diese charmante Läufer-Verwirrung, die uns Freaks so ausmacht. Keine Sorge also, du bist völlig normal. Pass nur auf, dass du dir keine Rheuma-Creme auf empfindliche Körperteile schmierst.
Lass uns weiter an deinem Leben teilhaben, Dein Achim

Hallo Achim,
neulich fragte Leser Michael nach Nachtmarathons und Erfahrungen mit Marathons im Norden. Er erwähnt dabei auch den Loch-Ness-Marathon. Den bin ich 2006 gelaufen, kann also ein bisschen Erfahrung bieten. Ein tolles Rennen, der Start ist morgens, da werden alle Läufer in Inverness in Busse gepackt und zum anderen Ende des Loch Ness' gefahren. Start mitten in der Pampa, nicht nur mit Startschuss, sondern auch mit einer Dudelsack-Kapelle, die an der Startlinie spielt. Viel Landschaft, man läuft eine kleine Straße an der Südseite des Loch Ness entlang. Auf jeden Fall "profiliertes Gelände". Wenige Zuschauer, dafür viele Schafe. Aber wenn man mal durch ein Dorf kommt, gibt es tolle Unterstützung. Und auf den letzten paar Meilen in Inverness ist richtig Stimmung. Nach dem Lauf gibt es eine tolle Feier mit deftigem schottischen Essen, das ist im Preis mit drin und macht richtig Spaß.
Viele Grüße, Ursula

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