Achilles' Ferse New York, willkommen im Läufer-Himmel

Da könnte man auch mal laufen: Eine Live-Übertragung im Fernsehen machte Achilles-Leser Uwe heiß auf den New-York-Marathon. Der Kampf um die begehrteste Finisher-Medaille der Welt war für ihn ein gewaltiges Erlebnis - auch dank seiner "Mona".

Verrazano-Narrows-Brücke: Start frei für den New-York-City-Marathon
REUTERS

Verrazano-Narrows-Brücke: Start frei für den New-York-City-Marathon


Jedes Jahr, wenn wir bei Udo-Jürgens-Konzerten in der Messehalle waren und er sang "Ich war noch niemals in New York", lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich und New York? Undenkbar. Das Lied von Udo ist zwar schön - aber was sollte ich dort drüben? Es gibt so viele schöne Orte in Deutschland und Europa, an denen man Urlaub machen kann - oder auch laufen. Doch dann kam der 6. November 2005. 16.10 Uhr, Live-Übertragung des New-York-City-Marathons im Fernsehen. Es gewann Paul Tergat, mit dem ich schon in Berlin meinen ersten Marathon gelaufen war. Ich saß auf dem Sofa und dachte mir: Naja, da könnte man auch mal laufen. Einmal im Leben im Central Park die Finish-Line passieren, das wäre toll. Gleich nach der TV-Übertragung machte ich die Voranmeldung.

6. Dezember 2005, Nikolaustag, ich habe eine E-Mail im Postfach (fast wie im Stiefel): "Sie können dabei sein..." Meine Frau zeigt mir den Vogel. Dann heißt es: Budget planen, trainieren, trainieren, trainieren. Vor allem in den letzten zwölf Wochen vor dem Start. Zum Glück hatte ich Online-Coach Jens Karraß.

2. November 2006, Abflug in Frankfurt. Nach neun Stunden Flug tauchen meine Frau und ich ein in die "Stadt, die niemals schläft": Manhattan, Central Park, Broadway, Fifth Avenue mit Tiffany und all den anderen teuren Läden, Empire State Building, Times Square und überall die berühmten Yellow Cabs.

Am Samstag vor dem Marathon dann ein erster Vorgeschmack auf das sportliche Highlight: Ich starte beim "Friendship Run", dem gemeinsamen Lauf der ausländischen Teilnehmer. Den Startschuss gibt Paula Radcliffe, Weltrekordlerin und dreifache New-York-Marathon-Siegerin. Die Strecke führt vom Uno-Gebäude quer durch Manhattan bis zum Central Park. Meine "Mona" läuft auch mit - und hinterher wäre sie am liebsten auch auf den 42,195 Kilometern dabei gewesen, so begeistert ist sie.

Der Lauf der Läufe startet mit Musik von Frank Sinatra

Der Höhepunkt folgt am Sonntagvormittag. Um 5.30 Uhr in der Früh geht es los, nach Staten Island. Der Lauf der Läufe startet mit Musik von Frank Sinatra, "New York, New York"; gleich danach läuft "Born to run" - da kriegste feuchte Guckerln bei. Gigantisch, in jedem Stadtteil jubeln uns vom Straßenrand die New Yorker zu, sogar meine "Mona" treffe ich zweimal an der Strecke (in Berlin, bei halb so viel Marathon-Zuschauern, haben wir uns verfehlt).

Aber alle gewaltigen Eindrücke werden auf den letzten 1000 Yards im Central Park noch getoppt: Die New Yorker sind total aus dem Häuschen und feiern jeden Läufer, als liefe er auf Weltrekordkurs. Sogar für eine persönliche Bestzeit reicht es noch, trotz des "giftigen" Höhenprofils: Nach 4:09:07 Stunden erreiche ich das Ziel und bekomme die begehrteste Finisher-Medaille der Welt um den Hals gelegt. Am nächsten Tag habe ich zwar ein klein wenig Muskelkater (die Vorbereitung mit jk running machte sich echt bezahlt), doch wir stürzen uns noch mal in das Getümmel dieser Stadt mit ihrer ganzen Hektik, den verrückten Bauten, den riesigen Kaufhäusern, aber auch ganz ruhigen Orten wie dem Central Park in Midtown oder dem Battery Park im Süden.

Zum Abschluss gönnen wir uns in der Metropolitan Opera, inmitten der Schönen und Reichen New Yorks, noch einen richtigen Kunstgenuss: "Rigoletto", die tragische Oper von Giuseppe Verdi. Dann geht es zurück nach Frankfurt, wo alles wieder ein paar Kaliber kleiner und leiser ist. Es waren sechs aufregende Tage, die ich nicht missen möchte in meinem Leben. Und das Schönste an ihnen war, dass auch "Mona" mit dabei war - und zwar mindestens genauso begeistert wie ich. Wenn es einen Himmel für Läufer gibt, dann war ich dort!



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