Achilles-Leser berichten Jägerschnitzel und Münzmallorca-Bräune

Grillhühnchenbraune Arme und Beine, blendendweißer Torso: Kaum verwöhnt die Sommersonne mit ersten warmen Strahlen, mutiert der Lauf-Fan zum Streifenhörnchen. Achilles-Leser Stefan analysiert die aktuellsten Teint-Trends - von Münzmallorca bis Bildschirmbräune.


Zum Glück gehöre ich vom Hauttyp her zu denen, die recht schnell Farbe bekommen. Da die beim Laufen meist zahlreich im Gesicht vorhandenen Schweißtropfen offensichtlich wie kleine Brenngläser wirken, verwandelt sich insbesondere meine Gesichtsfarbe von sowieso-nie-ganz-blass zügig hin zu einem zarten Beige. Auch die Arme weisen bei entsprechendem Wetter schnell eine deutliche Sommertönung auf.

Eincremen nicht vergessen: Eindeutig Malle-Bräune Typ S
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Eincremen nicht vergessen: Eindeutig Malle-Bräune Typ S

Die Beine hinken dagegen nicht nur bei der Lauf-, sondern auch bei der Bräunungsgeschwindigkeit etwas hinterher, nehmen aber mit der Zeit auch einen dunkleren Teint an. Natürlich nur in dem Bereich zwischen unterem Laufhosenrand und Sockenbündchen. Hintern, Oberkörper und Füße bleiben hell, da sie beim Laufen bedeckt sind. Beim Entblättern führt das dann je nach Bräunungsgrad zu lustigen Anblicken. So als hätte man noch ein weißes T-Shirt an, aus dem grillhühnchenfarbene Arme heraushängen, die wiederum von einem weißen Streifen geziert werden - dort, wo beim Laufen die Pulsuhr ihrem Job nachgeht.

Interessant ist dann auch der Kontrast zwischen hautfarbenen Füßen und braunen Waden: imaginäre Tennissocken ohne Streifen. Vor dem heimischen Spiegel ist das ja alles noch harmlos. Aber wenn ich an den ersten Freibad- oder Strandbesuch denke, sehe ich schon die Leute grinsen und höre amüsierte Kinderstimmen: "Schau mal, Mami, der Mann da sieht aus wie ein Schwarz-Weiß-Keks."

Da es aber noch ein paar andere Teint-Typen gibt, folgt hier eine kleine Bräunungskunde. Selbstverständlich hoch unwissenschaftlich und rein subjektiv zusammengestellt.

Läuferbräune: Gebräunt sind in der Regel Gesicht, Unterarme und Unterschenkel. Die Stellen, an denen die Sportbekleidung sitzt, bleiben hellhäutig. Läuferbräune tritt hauptsächlich in der sonnigen Jahreszeit auf und hinterlässt zweifarbige Körper, die nackt an Zebrastreifen oder Schachbretter erinnern. Ein ähnliches Muster ziert gern auch Radfahrer und sieht genauso bescheuert aus.

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Bauarbeiterbräune: Ähnelt der Läuferbräune. Jedoch ist wegen der Sicherheitsschuhe der käsebleiche Anteil am Fuß höher. Bei Trägern von Feinripp-Unterhemden sind auch die Schulterpartien braun. Nicht zu vergessen der Rückenbereich oberhalb des beim Bücken verrutschten Hosenbundes. Kennt man auch als so genanntes Bauarbeiter-Dekolleté, gebräunt nicht weniger unappetitlich als fleischfarben. Die Bauarbeiterbräune tritt ebenfalls hauptsächlich in Zeiten vermehrter natürlicher Sonnenbestrahlung auf.

Münzmallorca-Bräune: Regelmäßiger, intensiver Schoko-Teint, der sich über den kompletten Körper und das gesamte Jahr erstreckt und hauptsächlich an Frauen zu bewundern ist. Wird hervorgerufen durch regelmäßigen Solarium-Besuch. Die ganzjährige Jägerschnitzelfarbe deutet auf verstärkte Hautalterung hin, so dass die Elektrostrand-Jünger oft bereits vor Eintritt in das Rentenalter an Hals und Dekolleté so faltig aussehen wie eine Krokolederhandtasche. Nur brauner.

Englische Bräune: Praktisch nicht existent. Die regengewohnte Haut englischer Touristen verfärbt sich in der Regel rot, nicht braun, bevor sie sich wieder abpellt.

Malle-Bräune (Typ K): Auch bekannt als "Pauschaltouristenbräune". Oft gepaart mit fleckenweise auftretender englischer Bräune. Es gibt zwei Unterarten, deren Abgrenzung nicht immer einfach ist. Malle-Bräune Typ K unterscheidet sich von der Läuferbräune hauptsächlich durch braun-weiß gestreifte Füße, hervorgerufen durch Sandalen und Riemchenschuhe. Bei weiblichen Wesen kommen oft noch helle Streifen im Brust-Schulter-Nacken-Bereich hinzu, die durch Trägerhemdchen und Badebekleidung verursacht werden. Sie ist meist zu beobachten bei Kulturstättenbesuchern, Caféhaussitzern, Stadtbummlern und Leuten, die sich aus Scham oder Rücksicht nicht halbnackt am Strand zeigen wollen.

Malle-Bräune (Typ S): Die Malle-Bräune Typ S weist weniger weiße Flecken auf und wird oft durch stundenlanges Am-Strand-Liegen, regelmäßiges Wenden des Körpers, starkes Schwitzen ohne Bewegung und gelegentliches Benetzen des Körpers mit Wasser bewusst erzeugt und hart erkämpft, um nach dem Urlaub Freunde, Kollegen und Verwandte zu beeindrucken. Sie ersetzt während des Urlaubs bei einigen Touristen die Münzmallorca-Bräune und verschwindet oft innerhalb weniger Wochen, wenn sie nicht beim Nachrösten im Solarium oder auf Balkonien erhalten wird. Bei häufiger Wiederholung ähnlich hoher Jägerschnitzel-Leder-Faktor wie bei den Münzmallorquinerinnen.

Abschließend möchte ich noch einen Typus erwähnen, dessen Bezeichnung es bei der Wahl zum Jugendwort 2008 immerhin auf den zweiten Platz geschafft hat: Bildschirmbräune. Sie bezeichnet die milchfarbene Blässe eines Computerfreaks, der die Sonne oft nur über Webcams sieht. Der Bräunungsgrad liegt - wie auch der Jägerschnitzel-Leder-Faktor - nahe null. Oma sagte früher immer: "Der sieht aus wie Asche, Milch und Spucke." Falls sich der PC-Daueruser doch mal länger bei Tageslicht vor die Tür traut, wird er oft von der englischen Bräune überrascht.

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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