Achilles' Spezial Münster, Du Hauptstadt der Läufer!

Alle ahnten es, viele wissen es schon lange, jetzt steht es fest: Münster ist laut einer neuen Untersuchung die läuferfreundlichste Stadt des Landes. Achim Achilles, Wunderläufer und Sohn der Stadt, hat sich total objektiv mit dem Ergebnis auseinandergesetzt.


Es gibt Ehrungen, die sind so unausweichlich, dass sich keiner darüber wundert: Natürlich ist Münster Deutschlands Läufer-Hauptstadt. Es liegt nur an der Bescheidenheit seiner Einwohner, dass bislang darüber kein großes Aufheben gemacht wurde. Münsters Spitzenplatz hat die kompetenteste deutsche Fachzeitschrift "Runner's World" ermittelt, nach einem schonungslosen Test von 25 Städten.

Läuferhauptstadt Münster: Nach der Altbierbowle in den Eisregen
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Läuferhauptstadt Münster: Nach der Altbierbowle in den Eisregen

Die Stadt von Mittelstrecke-Legende Harald Norpoth bietet die meisten Laufstrecken pro Einwohner, zugleich die wenigsten Hunde pro Quadratkilometer und liegt sowohl bei der Zahl von Lauftreffs und Wettkämpfen als auch bei der Umweltbelastung ganz weit vorn. Dass Nachbargemeinden wie Dortmund und Wuppertal, Bielefeld und Bochum dagegen katastrophal abschneiden, weiß der Münsteraner schon lange. Deswegen wohnt er da ja auch nicht.

Wie in weiten Teilen Afrikas ist das Laufen in Münster weniger Lifestyle-Schnickschnack als vielmehr überlebensnotwendig, wenn man mal rauskommen will. Herr Müller, der Lateinlehrer vom Paulinum, ging zum Beispiel jeden Morgen in weitausholenden Schritten durch die halbe Stadt bis zu seiner Schule. Mit dem öffentlichen Nahverkehr hätte er garantiert länger gebraucht. Auch die global beachtete Skulpturenausstellung war nur laufend zu besichtigen. Wobei sich die Kunstsinnigen aus aller Welt vermutlich gewundert haben, dass die meisten Menschen auf dem Kulturpfad ihren Blick weniger auf die Skulpturen, sondern viel häufiger auf die Pulsuhr richteten.

Zudem wurden die Münsteraner Gewässer wie der Dortmund-Ems-Kanal, Aasee und Werse so vorausschauend angelegt, dass schon das Münsteraner Kind gar nicht anders konnte, als daran entlang zu laufen, vor allem wenn wieder mal das Fahrrad gestohlen wurde, was bis heute praktisch wöchentlich passiert. Mit den Jahren wurden die Strecken naturgemäß immer weiter. Und wer voll der süßen Altbierbowle nur einmal nachts im Eisregen vom Odeon zur Mondstraße lief, den kann ein Marathon nicht schrecken.

So wächst jeder Münsteraner mit beiden Sportarten auf, je nachdem, ob sein Rad gerade da ist oder geklaut. Radfahren und Laufen sind eben symbiotische Fortbewegungsarten, weshalb Münster auch die Rad-Hauptstadt der Welt ist. Große Athleten wie Fabian Wegmann, Linus Gerdemann, Günther Jauch, Clemens Schürmann und Dieter Giebken wurden hier geboren. Wie jeder Münsteraner lernten sie früh, die Reifen ihres Hollandrades nur notdürftig aufzupumpen, was die Überlebenschancen von Fußgängern beträchtlich steigert. Frieden für alle, zwischen Läufern und Radfahrern und sogar mit Protestanten, das ist seit 1648 Münsteraner Motto, auch wenn die Osnabrücker sich immer wieder dazwischen drängeln.

Lobend erwähnt "Runner's World" vor allem die Tatsache, dass Münster zwar den kleinsten Grünflächenanteil von allen getesteten Städten vorzuweisen habe, gleichwohl die meisten Laufstrecken. Das ist ja auch kein Widerspruch. Denn ganz Westfalen ist eine Grünfläche und die dort gelegenen Ansiedlungen allenfalls kleine Unterbrechungen derselben. Da lohnt es sich kaum, in der Stadt auch noch Grünzeug zu pflanzen. Irgendwo muss man ja auch noch lang laufen können.

Nun, da fast alles erreicht ist, was eine Stadt in ihrem Leben erreichen kann, fehlt der Perle zwischen A1 und A43 nur noch ein Titel: Deutschlands Fußballhauptstadt. Immerhin führt der SC Preußen Münster die Tabelle der Oberliga Westfalen souverän an. Noch drei Jahre, dann sind München und der FC Bayern endgültig reif.



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