Es gibt zwei Sorten von Läufern. Typ A wackelt seit Jahren auf der immer gleichen Strecke im immer gleichen Tempo, ohne viel Schwitzen, aber mit sehr viel Reden. Er, und vor allem sie, betrachten Laufen als geselliges Kreislaufprogramm. Typ A verspürt keinerlei Ehrgeiz, schätzt aber frische Luft und das gute Gefühl, den Körper außerhalb geschlossener Räume zu spüren. Millionenfach bewegen sich A-Typen am Wochenende rudelweise in Deutschlands Grüngürteln. Beneidenswert. Diese Läufer ruhen in sich. Uhren tragen sie selten, Pulsmesser schon gar nicht. Zeit ist ihnen egal, Wettbewerb macht ihnen Angst. Selbst hochwertige kostenlose Trainingspläne ignorieren sie.
Typ B läuft exakt gegenteilig. Jeder Schritt wird protokolliert, jeder Atemzug analysiert und abgeglichen mit der gestrigen Leistung. Typ B schlüpft in die Laufschuhe, um sein Restleben zu kompensieren. Im Job, in der Partnerschaft, überall herrscht Stillstand. Nur auf der Zehn-Kilometer-Strecke ist noch Luft nach oben. Verbessert Typ B seine Bestzeit um fünf Sekunden, dann fühlt er sich tagelang wie ein Olympiasieger. Bleibt er allerdings eine Zehntel darunter, ist die Laune auf Wochen ruiniert. Während Typ A sich zu fröhlicher Ambitionslosigkeit bekennt, ist Typ B zerfressen von Ehrgeiz. Jeden anderen Läufer betrachtet er als Feind.

Andererseits: Sollte ich jeden Trainingsabend im Mommsenstadion den Laufkrieg gegen Kuddel anzetteln? Warum eigentlich nicht? Mit den Jahren allerdings zerfrisst es den AB-Typen von innen: "Zeiten sind mir völlig egal", sagt der Hybrid, aber er meint: "Nichts ist mir wichtiger als ein Erfolg. Aber ich traue mich nicht, es zuzugeben. Ich könnte ja an meinen großen Zielen scheitern - und dann lachen alle über mich, vor allem die vielen anderen Bs."
Es war im Frühjahr, als Klemmbrett-Karraß mal wieder mit mir schimpfte. "Entscheide dich endlich, was du willst", grollte der Coach, "richtig laufen oder spielen." Wir hatten diese Debatte in den vergangenen fünf Jahren praktisch wöchentlich. Und immer hatte ich mich entwunden. Diesmal sagte ich: "Na gut, diese Saison mal richtig.." Klemmbrett guckte: "Ernst?" Ich antwortete: "Ernst."
Drei Monate später kann ich mein Glück nicht fassen: Bestzeiten beim Laufen, beim Triathlon, aber ohne härter als sonst trainiert zu haben. Nach fünf Jahren mit allerlei verschiedenen Trainingsplänen steht fest: Online-Training mit Klemmbrett-Karraß funktioniert, für mich jedenfalls, am besten. Der Rest geht aber auch.
P.S.: Vergangene Woche schrieb Achilles über die Zumutungen durch verschwitzte Müffelläufer. Jetzt hat die Achilles-Community ihre öligsten Schweißfotos geschickt.
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