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Achilles' Verse: Die Mehrwalksteuer muss her

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Walker sind für Achim Achilles die reinste Plage - besonders ganz passionierte wie die Ex-Skiprofis Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Höchste Zeit, dass Kanzlerin Angela Merkel reagiert.

Neulich habe ich zum ersten Mal Walker gesehen, die versucht haben zu laufen. Ungefähr 30 Meter, über einen Parkplatz. Es hatte begonnen zu regnen. Sie wollten nicht nass werden. Es sah etwas ungelenk aus. Walker sind Pechvögel. Als der liebe Gott den Menschen erschuf, unterteilte er ihn in drei Klassen. Die Guten waren jene, die aufrecht und ohne fremde Hilfe laufen konnten. Die weniger Guten erhielten einen Knüppel als Stütze und wurden Golfspieler. Der jämmerliche Rest bekam zwei Stöcke und schlurft seitdem als Nordic Walker durch die Grünflächen. Walker sind die Schöpfungsverlierer. Aber von Barbie gibt es ja auch Fehlpressungen.

Ex-Skifahrer Neureuther, Mittermaier: Jämmerliches Walken durch die Grünfläche
DDP

Ex-Skifahrer Neureuther, Mittermaier: Jämmerliches Walken durch die Grünfläche

Was als Trend begann, ist zur Volksseuche geworden. Erst kam die Pest, dann die Cholera, schließlich das Walking. Kein Laufwettbewerb mehr ohne diese Landplage. Dabei sehen Walker mit Startnummern aus wie Dreiräder mit Nummernschild. Inadäquat.

Inzwischen lauern sie in der U-Bahn, vorm Kanzleramt und selbst auf dem nächtlichen Heimweg aus dem "Flair". Zum Glück kann man ihnen ausweichen. Denn Walker sind alles, nur nicht schnell. Der erste Dopingfall beim Walking wird ein ungewöhnlich hoher Valiumwert in der A-Probe sein. Oder eine Betonfüllung im Schuh. Der Walker nimmt ja gern mal das Tempo raus.

Walking ist der Beweis für die Allmacht des Marketings und belegt zugleich die massiven mentalen Probleme von großen Teilen der Bevölkerung. Sie glauben bereitwillig jeden Mist, sogar, wenn eine seit Jahrmillionen selbstverständliche Fortbewegungsart zum Sport erklärt wird.

Dafür braucht man vier Zutaten. Erstens: eine Legende. Angeblich haben skandinavische Langläufer das Walken als Sommertraining für die wenigen schneefreien Wochen des Jahres erfunden. Würde sich ein ernsthafter Langläufer auch nur einen Monat lang fortbewegen wie der deutsche Durchschnittswalker, bräuchte er sich bei keinem Rennen mehr blicken zu lassen.

Zweitens: die kühne Behauptung, man nehme ab oder werde fit, unterfüttert vom Mythos der Fettverbrennung. Warum nur sind Walker dann langsam und moppelig? Klar: Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft, Walker futtert. Drittens: professionell aussehende Ausrüstung. Nur was Geld kostet und blinkt, kann gut sein. Also werden Alurohre für wenige Cent zum Turbostock aufgespritzt. Viertens: immer lecker was dabei. Dafür gibt es den Trink- und Verpflegungsgürtel, der den Inhalt eines guten halben deutschen Kühlschranks aufnimmt und in anderen Kulturen einer Großfamilie ein mehrwöchiges Auskommen garantieren würde. Aber weil man ja so viel Fett verbrennt, nimmt man unterwegs sicherheitshalber ein paar Kalorien auf. Unterzuckerung ist das Trauma jedes Walkers. Im wahrsten Sinne ein Breitensport.

Was kommt als nächstes? Aus welcher Alltagsbeschäftigung lässt sich noch die Illusion von Sport machen? "Dutch Staubsauging" vielleicht. Die Athleten könnten hinter den Walkern saubermachen, Eispapier und Kuchenkrümel aufsaugen und den Strom dafür durch einen Schuhgenerator erzeugen. Technologisch anspruchsvoll. Oder "Scottish Schaukelstuhling". Hätte den Vorteil, dass man die Wohnung gar nicht mehr verlassen muss. Ein zusammenklappbarer Sportschaukelstuhl (Einführungssonderpreis 1499 Euro) könnte zum unentbehrlichen Begleiter werden.

Besser noch wären "Latin Lying" und "Cuban Couching". Die Dösmatte aus Spezialaktivfunktionsfaser gibt es auf Hanfbasis oder aber zum Aufblasen für die anspruchsvolle neue Disziplin "Baltic Blowing". Dabei haben Sportwissenschaftler der Universität Letmathe festgestellt, wird die Fettverbrennung angekurbelt wie höchstens noch beim "Western Standing". Da bliebe die Ausrüstungsfrage. Vielleicht ein "Standpoint" mit Gelfederung, der die massiven Belastungen für die Gelenke etwas reduziert. "Western Standing" lässt sich bei jedem McDonalds-Besuch in der Schlange trainieren und hinterher kombinieren mit "Chinese Shakeholding" in den Gewichtsklassen Schoko, Erdbeer oder Vanille.

Besonders im Trend ist derzeit das "Bavarian Walking". Zu den Stöcken bekommt der Sportsfreund noch eine Lachspange aus Vollkautschuk, die ihn während der gesamten 18-minütigen Übungseinheit zu einem breiten Grinsen zwingt. Dazu die Handmanschette, die pausenlos den "Alles-supi-Daumen" aufstellt. Und schon sieht der Athlet aus wie Rosi Mittermaier oder Christian Neureuther.

Wie nur kann man diesem Walkwahn Einhalt gebieten? Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung eine Mehrwalksteuer einführt.

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Forum - Fitness - Wie laufen Sie denn?
insgesamt 1475 Beiträge
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1. Thema gestorben?
Paulizei, 11.04.2005
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
2. Pillen-Anleitung
seductive, 12.04.2005
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
3.
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
4.
robbatberlin 26.04.2005
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
5. Herzlichen Glückwunsch
Paulizei, 26.04.2005
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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