Deutsches WM-Aus Märchen ohne Happy End

Der Titelverteidiger und WM-Gastgeber ist ausgeschieden: Die deutschen Fußball-Frauen haben das Viertelfinale gegen Japan verloren. Gegen aggressive Asiatinnen musste die DFB-Elf an ihre Grenzen gehen, quälte sich in die Verlängerung. Dann schlug der Gegner zu.

AFP

Das Ende kam in der 108. Minute: Japan hatte Deutschland im Viertelfinale der Frauenfußball-WM bereits in die Verlängerung gezwungen. Der Titelverteidiger war am Ende seiner Kräfte, da passte Homare Sawa auf Karina Maruyama. Die Stürmerin war schneller als Verteidigerin Saskia Bartusiak, drang von rechts in den Strafraum ein und zog ab. Torhüterin Nadine Angerer streckte sich vergebens, der Ball schlug im langen Eck ein. In einem Spiel, das in Sachen Härte und Kampf teilweise an die Vorrundenpartie gegen Nigeria (1:0) erinnerte, verlor die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid 0:1 (0:0, 0:0) nach Verlängerung.

Lena Goeßling sagte: "Wir sind total traurig und enttäuscht. Die ganze Mannschaft hat geplant, dass wir noch eine Woche hier im Turnier sind. Es fehlen die Worte." Ihre Trainerin war konsterniert: "Es ist eingetreten, was ich befürchtet habe. Es geht in so einem Spiel um Nuancen. Wir waren heute nicht in der Lage ein Tor zu machen", so Neid.

Für Deutschland begann die Partie bereits mit einem Schock: Für Kim Kulig war das Viertelfinale nach nur vier Minuten beendet. Die 21-Jährige landete nach einer Ecke von Melanie Behringer unglücklich auf dem Knie. Nach kurzer Behandlung an der Seitenlinie war klar: Kulig muss vom Platz. Um sie gegen Japan einsetzen zu können, hatte Neid beim 4:2-Sieg gegen Frankreich auf Kulig verzichtet, ihr drohte eine Gelb-Sperre. Und nun das Aus nach wenigen Minuten, und der schlimme Verdacht: Kreuzbandriss.

Für die defensive Mittelfeldspielerin kam Bianca Schmidt, auf der Bank weinte Kulig bittere Tränen.

Während Schmidt die rechte Abwehrseite übernahm, rückte Linda Bresonik auf Kuligs Position vor. Nirgendwo war die deutsche Elf an diesem Abend mehr gefordert. Die Japanerinnen versuchten mit hoher Laufbereitschaft ihre körperliche Unterlegenheit wettzumachen, doch die deutschen Frauen zeigten sich kampfstark. Anders als im Eröffnungsspiel gegen Kanada (2:1) konnte sich die DFB-Auswahl in der ersten Hälfte aber nur selten klare Chancen erspielen.

Ein Schuss von Célia Okoyino da Mbabi ging klar am Tor vorbei (20.), Kerstin Garefrekes konnte eine Hereingabe von Behringer nicht kontrollieren (23.). Nach einem Fehler von Bartusiak kam Japan zu seiner besten Chance in der ersten Hälfte. Einen eigentlich harmlosen Ball konnte die deutsche Abwehrspielerin nicht kontrollieren. Yuki Nagasato stand plötzlich frei vor Angerer, zog aber zu überhastet ab (30.). Im Gegenzug rauschte ein Schuss von Behringer links am Tor vorbei (31.).

Hohes Tempo, viele Zweikämpfe

Das Tempo blieb bis zur Pause hoch, das Spiel intensiv. Doch die Japanerinnen schafften es in der letzten Viertelstunde, die deutschen Frauen vom eigenen Tor fern zu halten. Immer wieder verwickelten sie die DFB-Auswahl in Zweikämpfe im Mittelfeld. Die Härte nahm nach dem Wiederanpfiff zu, vor allem bei den Asiatinnen.

Azusa Iwashimizu foulte zunächst Bresonik gelbwürdig, blieb aber ohne Verwarnung. Sekunden später langte sie gegen da Mbabi zu, jetzt zückte Schiedsrichterin Quetzalli Alvarado die Karte. Deutschland versuchte, den Druck wieder zu erhöhen. Nach Behringers Freistoßflanke von rechts köpfte Simone Laudehr aufs Tor, Kinga klärte vor der Linie (56.). Als Lena Goeßling für Bresonik kam, reagierte Neid auf die Machtverhältnisse im Mittelfeld. Japan, das bisher noch nie hatte gegen Deutschland gewinnen können, wurde stärker.

Plötzlich schlug die deutsche Abwehr die Bälle nur noch planlos nach vorne, doch dort war niemand, der sie verwerten konnte. Und wenn doch, dann vergab Deutschland die Chancen kläglich. Garefrekes kam in der 77. Minute eher glücklich zur Grundlinie durch, ihr Pass in den Rücken der japanischen Abwehr war für Behringer aber zu hart, ihr Schuss misslang. Beim WM-Gastgeber schwanden die Kräfte. Die letzte Chance in der regulären Spielzeit vergab Garefrekes (90+3.).

In der ersten Hälfte der Verlängerung hatten da Mbabi (93.) und Grings (102.) die Führung auf dem Fuß, Japan schien sich nur noch ins Elfmeterschießen retten zu wollen. Dann begann die zweite Hälfte, drei Minuten später spielte Sawa spielte ihren schicksalhaften Pass. Nach dem Gegentor mobilisierte die DFB-Elf die letzten Kräfte. Behringer scheiterte ebenso an Torhüterin Kaihori (108.) wie da Mbabi (111.).

Um 23:15 Uhr war der Traum vom dritten WM-Triumph ausgeträumt.

Deutschland - Japan 0:1 (0:0) n.V.
0:1 Maruyama (108.)
Deutschland: Angerer - Bresonik (65. Goeßling), Krahn, Bartusiak, Peter - Laudehr, Kulig (8. Schmidt) - Garefrekes, Okoyino da Mbabi, Behringer - Grings (102. Popp)
Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Ohno (66. Iwabuchi/116. Utsugi), Sakaguchi, Sawa, Miyama - Ando, Nagasato (46. Maruyama)
Schiedsrichterin: Alvarado (Mexiko)
Zuschauer: 26.067 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Peter - Iwashimizu, Sakaguchi, Sawa, Kumagai

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
elcycinu 09.07.2011
1. Schade!
Noch eine Mannschaft Weltmeister der Herzen... Nun schaue ich gespannt nach vorne wie die WM noch ausgehen wird... Best E.
de_spiegel_de 09.07.2011
2. Gut!!!
Das was so geil zu sehen! Japan 1x0 DE Ich freue mich auf die nächsten Spiele
großwolke 09.07.2011
3. .
Hat alles sein Gutes... mir bleiben die Autokorsos erspart :)
chewie1337 09.07.2011
4. es gleicht sich immer mehr an :-/
jaja jetzt machen unsere mädels auch das schmachvolle verlieren den männern nach - schade! es war ganz und garnicht nötig heute so zu verlieren... Japan war keines Wegs drückend überlegen sondern hatte im Gegensatz zu unserer Mannschaft einen Plan, was sie in dem Spiel anfangen wollen. Das habe ich bei den deutschen Spielerinnen so sehr vermisst - zwischenzeitlich war das Spiel auf Bolzplatz-Niveau gesunken (wie übrigens bei vielen Männer-Spielen auch) Das Tor von Japan war da beinahe verdient, denn wer 15 oder mehr Standards aufs japanische Tor bekommen bei Abwehrspielerinnen, die allesamt einen halben Kopf kleiner sind und immernoch kein Tor schießt kann eben nicht weiter kommen.
Ragtimer 09.07.2011
5. .
Gab es sonst irgendwelche wichtigen Ereignisse vom Tag?
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