DFB-Bundestrainerin Neid Löw auf weiblich

Mit der Vertragsverlängerung von Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid setzt der DFB ein Zeichen der Verlässlichkeit. Die 47-Jährige ist im Verband unumstritten, ihre Erfolgsbilanz beeindruckend. Die Mannschaft trägt allein ihre Handschrift: Wer nicht ins System passt, wird aussortiert.

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Silvia Neid muss ein glücklicher Mensch sein. Schließlich hat die Bundestrainerin nach eigener Auskunft "den schönsten Job, den man sich auf der Welt vorstellen kann". Einen Job, den sie nach ihrer Vertragsverlängerung bis 2016 noch eine ganze Weile ausfüllen kann - egal, wie das deutsche Frauen-Team bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft abschneiden wird.

Die Vertragsverlängerung ist aber weit mehr als ein Beitrag zum persönlichen Glück der 47-Jährigen. Auch der DFB hat einiges davon. Mit Neid hat er fünf Tage vor dem WM-Auftakt eine anerkannte Fachfrau langfristig an sich gebunden, die im Verband und bei den Spielerinnen mittlerweile unumstritten ist.

In der Öffentlichkeit wirkt die Bundestrainerin zuweilen leicht schnippisch, lässt ab und an ein leichtes Überlegenheitsgefühl in Interviews durchscheinen. Aber sie kann es sich erlauben. Weltmeisterin 2007, Olympia-Dritte 2008, Europameisterin 2009: Silvia Neid hat eine beeindruckende Bilanz in die Vertragsverhandlungen einbringen können. Die WM im eigenen Land soll ihre bisherige Arbeit krönen. Und alle trauen es ihr zu.

Was Neid sagt, gilt

Für das Ziel des WM-Titels hat Neid die Mannschaft ganz nach ihren Gesichtspunkten zusammengebaut. Wer nicht ins System Neid hineinpasst, hat keine Chance und wird aussortiert. Da ist sie ähnlich strukturiert wie ihr männliches Pendant Joachim Löw. Die Trainerin hat in ihrem endgültigen Aufgebot auf eine Topstürmerin wie Conny Pohlers, die Torschützenkönigin der Saison, verzichtet, weil sie der jungen Alexandra Popp und dem ewigen Joker Martina Müller im Angriff mehr zutraut.

Andererseits hält sie an ihrer Abwehrchefin Annike Krahn fest, obwohl es in der Defensive technisch beschlagenere Spielerinnen gäbe als die etwas hüftsteif wirkende Duisburgerin, die zudem lange verletzt war. Aber wem die Trainerin einmal vertraut, der kann sich relativ sicher sein, in ihren Planungen immer wieder eine Rolle zu spielen. Es ist quasi das Prinzip Löw, das auch bei Neid gilt.

Auf diese Weise hat sie ein Team geformt, das der Trainerin mehr oder weniger ergeben ist. Was Neid sagt, gilt. Eine Spielerin wie Ariane Hingst, die fast 200 Länderspiele absolviert hat und über Jahre eine Führungsfigur der Mannschaft war, fügt sich klaglos in die Rolle der Ergänzungsspielerin. Über Konflikte dringt nichts nach draußen.

Enger Kontakt zum DFB-Präsidenten

Im Frauenfußball verfügt Neid mittlerweile über eine Hausmacht, die der ihres männlichen Kollegen Löw in nichts nachsteht. Der enge Kontakt zu DFB-Boss Theo Zwanziger hat dazu einiges beigetragen. Zwanziger, der sich als oberster Förderer des Frauenfußballs versteht, ist ihr größter Fürsprecher im Verband. Der Präsident schätzt die Arbeit Neids über alle Maßen, die Trainerin genieße bei ihm "hohe Sympathie und Anerkennung", wie er am Dienstag nach der Ankunft des DFB-Trosses in Berlin noch einmal mitteilte. Zwanziger war DFB-Delegationsleiter bei der vergangenen WM in China, als Neid bei ihrer ersten WM als Verantwortliche gleich den Titel holte. Spätestens seitdem ist der DFB-Boss "ein großer Fan dieser Mannschaft und der Trainerin".

Neid wiederum kennt den DFB in- und auswendig. Seit 1996 ist sie beim Verband angestellt, erst neun Jahre als Assistentin von Coach Tina Theune-Meyer, sowie als Nachwuchstrainerin, danach als Chefin der A-Mannschaft. Über Jahre hat sie ein Netzwerk innerhalb und außerhalb des Verbandes geknüpft. Zahlreiche Spielerinnen, die heute zu den Leistungsträgerinnen in der Elf zählen, kennt sie bereits aus den Jugendauswahl-Teams. Mit ihrer Kapitänin Birgit Prinz hat sie sogar noch zusammengespielt.

Um sich herum hat Neid Vertraute geschart. Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen und sie kennen sich noch aus ihrer aktiven Zeit im Verein und in der Nationalelf. Der Vergleich mit Löw und Manager Oliver Bierhoff drängt sich geradezu auf, auch wenn die beiden nie zusammen gespielt haben. Doch wie bei dem Duo gibt es auch bei den Frauen in der Liga nicht wenige, die mit Skepsis betrachten, wie die Nationalmannschaft zum Machtzentrum ausgebaut wird.

Nicht nur Freunde in der Liga

Dass Neid ihre Nationalspielerinnen schon Anfang April zusammenzog und die Liga dafür bereits frühzeitig ihren Betrieb einstellen musste, hat ihr nicht nur Freunde eingebracht. Bei Meister Turbine Potsdam musste Trainer Bernd Schröder wochenlang auf seine Besten verzichten, die sich eigentlich im Verein aufs Champions-League-Endspiel gegen Olympique Lyon Ende Mai vorbereiten sollten. Das Endspiel ging prompt verloren.

Aber der DFB hat von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass in diesem Jahr im Frauenfußball nur die WM zählt. Neid hatte freie Hand. Die prestigeträchtige Veranstaltung genießt beim DFB allerhöchste Priorität, die Frauen-WM wird das letzte große Fußball-Turnier sein, das in den kommenden Jahren in Deutschland ausgetragen werden wird. Alle erwarten von Neid, dass sie für Deutschland den Titel holt. Sie selbst erwartet das auch.

Nach außen hin warnt die Trainerin zwar davor, dass "es auch passieren kann, dass wir in der Vorrunde ausscheiden". Aber wenn man in die Mannschaft und in ihr Umfeld hineinhört, dann fängt das Turnier für das Team eigentlich erst mit dem Viertelfinale richtig an. Zu viel haben Neid und der DFB in das Projekt Titelverteidigung investiert, um am Ende mit einem vorzeitigen Scheitern vor dem Endspiel zufrieden sein zu können.

Neid nennt den Titelgewinn ihren "ganz großen Traum". 2015 wird es die nächste Gelegenheit geben, ihn zu träumen. Eins ist sicher: Die Trainerin wird dann immer noch Silvia Neid heißen.



Forum - Fußball-WM der Frauen 2011 - was erwarten Sie vom Turnier?
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Seite 1
krafts 29.11.2010
1.
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Ich gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Kanzla87 29.11.2010
2.
Zitat von kraftsIch gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Aus welchem Grund?
Rockker, 29.11.2010
3.
Ein Wettbwerb aus der Kategorie *EIKS, aber dank den deutschen Medien wird er gehypt zu dem nächsten unsänglichen "Sommermärchen" wo die deutsche NM, alle Gegner sowieso mit 22:0 schlagen wird... *Eigentlich Interessiert Keine Sau
Flosse, 29.11.2010
4. Zu wünschen wäre es...
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Die Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
CaptainSubtext 29.11.2010
5. !
Zitat von FlosseDie Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
mmmmh. Wenn die Damenelf noch nicht mal in der Lage ist gegen eine Vereins-B-Jugend zu gewinnen, wieso.....?
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