Von Peter Ahrens, Wolfsburg
Seit Donnerstagmittag ist Birgit Prinz wieder eine Führungsfigur - allerdings nicht mehr auf dem Platz. Die deutsche Rekordnationalspielerin, wegen ihrer bisher schwachen WM-Leistung scharf kritisiert und seit der Vorrundenpartie gegen Frankreich nur noch Reservistin, hat vor der Presse erstmals ausführlich und offen über ihre Situation gesprochen. "Ich hatte das Gefühl, dem Team nicht mehr helfen zu können", begründet sie ihren freiwilligen Rückzug aus der Stammelf. An Renommee hat die Kapitänin dadurch deutlich gewonnen, sportlich jedoch war es eine vorzeitige Abschiedsrede.
Prinz war in den ersten beiden Vorrundenpartien gegen Kanada und Nigeria bereits kurz nach der Halbzeit von Bundestrainerin Silvia Neid ausgewechselt worden. Zuvor hatte sie auf dem Platz all ihre großen Fähigkeiten, ihre Torgefahr, ihren Antritt vermissen lassen. "Es hätte mir und dem Team nichts gebracht, mich weiter aufzustellen. Es gibt im Moment andere, die das besser machen als ich", sagte die 33-Jährige.
Von daher gehe sie auch nicht davon aus, dass sie im Viertelfinale gegen Japan (Samstag 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) von Beginn an auflaufen werde. "Die Mannschaft hat ohne mich vier Tore geschossen, es gibt wenig Grund, die Offensive zu ändern." Für Prinz hatte gegen Frankreich Inka Grings gestürmt und zwei Treffer erzielt.
"Stimmung von außen hat nicht gutgetan"
Dabei fühle sie sich durchaus in Form, aber sie sei mit dem öffentlichen Druck nicht zurechtgekommen. "Die Stimmung von außen hat mir nicht gutgetan. Ich hatte den Eindruck, alle warten nur darauf, dass ich einen Fehler mache", sagte sie und fügte an: "Und dann ist es ja auch so gekommen."
Das klingt leicht dahingesagt. Bei einer, zwei Bemerkungen schimmerte aber deutlich durch, wie hart die Situation für die ehrgeizige Prinz, die immer eine Perfektionistin auf dem Platz war, sein muss: zuzugucken, wie die Teamkolleginnen im eigenen Land eventuell Weltmeister werden. "Während der Spiele werde ich enttäuscht und frustriert sein", sagte sie. In ihrer "ersten Emotion" nach der Auswechslung gegen Nigeria habe sie sich gefragt: "Warum tue ich mir das alles hier noch an?"
Prinz macht Neid keinen Vorwurf
Die Bundestrainerin hatte bei der Pressekonferenz nach der Frankreich-Partie überraschend unverblümt davon gesprochen, dass Prinz "sich selbst nicht in der Lage gesehen hat zu spielen". Neid war dafür in die Kritik geraten, von einer Demontage der Kapitänin war die Rede gewesen. Prinz selbst sieht das offenbar nicht so. Neids Worte seien zwar im Vorfeld nicht abgesprochen gewesen, "aber ich habe bei ihr nichts herausgehört, was ein Problem für mich sein könnte". Der Abgang aus der Startelf habe "ja irgendwie kommuniziert werden müssen, da hat es doch keinen Sinn, sich irgendwelche Ausreden auszudenken".
In den vergangenen Tagen ist die Situation von Prinz vielfach mit der ihres männlichen Kollegen Michael Ballack verglichen worden. Mit ihrem Auftritt am Donnerstag enden alle Ähnlichkeiten. Ballack hat auf seine Ausbootung durch Bundestrainer Joachim Löw verärgert und beleidigt reagiert. Prinz sagt: "Mir war immer wichtig, ein Teamplayer zu sein - auch als ich ganz oben war. Das gilt jetzt auch, wo es nicht so gut um mich steht."
Ob sie bei dieser Weltmeisterschaft überhaupt noch einmal auflaufen wird? Prinz erhofft das allerhöchstens. "Es geht mir nicht darum, das vielleicht entscheidende Tor zu schießen. Ich möchte bei dieser WM nur gerne einen anderen Eindruck hinterlassen."
Das ist ihr jetzt bereits gelungen.
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