DFB-Kapitänin Prinz: Ballack, nimm dir ein Beispiel

Von , Wolfsburg

Die hart kritisierte Birgit Prinz bricht ihr Schweigen: Ganz offen gibt die Rekordnationalspielerin zu, außer Form zu sein und unter dem hohen Druck gelitten zu haben. Damit erweist sich die Kapitänin endgültig als Führungsfigur - ganz im Gegenteil zu ihrem früheren männlichen Pendant.

dpa

Seit Donnerstagmittag ist Birgit Prinz wieder eine Führungsfigur - allerdings nicht mehr auf dem Platz. Die deutsche Rekordnationalspielerin, wegen ihrer bisher schwachen WM-Leistung scharf kritisiert und seit der Vorrundenpartie gegen Frankreich nur noch Reservistin, hat vor der Presse erstmals ausführlich und offen über ihre Situation gesprochen. "Ich hatte das Gefühl, dem Team nicht mehr helfen zu können", begründet sie ihren freiwilligen Rückzug aus der Stammelf. An Renommee hat die Kapitänin dadurch deutlich gewonnen, sportlich jedoch war es eine vorzeitige Abschiedsrede.

Prinz war in den ersten beiden Vorrundenpartien gegen Kanada und Nigeria bereits kurz nach der Halbzeit von Bundestrainerin Silvia Neid ausgewechselt worden. Zuvor hatte sie auf dem Platz all ihre großen Fähigkeiten, ihre Torgefahr, ihren Antritt vermissen lassen. "Es hätte mir und dem Team nichts gebracht, mich weiter aufzustellen. Es gibt im Moment andere, die das besser machen als ich", sagte die 33-Jährige.

Von daher gehe sie auch nicht davon aus, dass sie im Viertelfinale gegen Japan (Samstag 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) von Beginn an auflaufen werde. "Die Mannschaft hat ohne mich vier Tore geschossen, es gibt wenig Grund, die Offensive zu ändern." Für Prinz hatte gegen Frankreich Inka Grings gestürmt und zwei Treffer erzielt.

"Stimmung von außen hat nicht gutgetan"

Dabei fühle sie sich durchaus in Form, aber sie sei mit dem öffentlichen Druck nicht zurechtgekommen. "Die Stimmung von außen hat mir nicht gutgetan. Ich hatte den Eindruck, alle warten nur darauf, dass ich einen Fehler mache", sagte sie und fügte an: "Und dann ist es ja auch so gekommen."

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Rekordspielerin Prinz: Prinz mit Abschied auf Raten
Die Kritik in den Medien habe sie getroffen, sagte Prinz: "Ich fand die Kritik bei aller Berechtigung übertrieben. Das hatte Züge einer Hetzjagd." Daher habe es auch einige Tage gedauert, bis sie sich vor die Öffentlichkeit getraut habe: "Ich habe die Zeit gebraucht, um die Situation für mich zu sortieren und zu akzeptieren." Zum Akzeptieren gehört auch, sich auch für den weiteren Verlauf der WM mit dem Dasein auf der Ersatzbank abzufinden. "Ich habe mich jetzt mit der Situation arrangiert. Wenn ich nicht mehr spielen sollte, dann werde ich eben versuchen, meine anderen Fähigkeiten in der Mannschaft einzubringen."

Das klingt leicht dahingesagt. Bei einer, zwei Bemerkungen schimmerte aber deutlich durch, wie hart die Situation für die ehrgeizige Prinz, die immer eine Perfektionistin auf dem Platz war, sein muss: zuzugucken, wie die Teamkolleginnen im eigenen Land eventuell Weltmeister werden. "Während der Spiele werde ich enttäuscht und frustriert sein", sagte sie. In ihrer "ersten Emotion" nach der Auswechslung gegen Nigeria habe sie sich gefragt: "Warum tue ich mir das alles hier noch an?"

Prinz macht Neid keinen Vorwurf

Die Bundestrainerin hatte bei der Pressekonferenz nach der Frankreich-Partie überraschend unverblümt davon gesprochen, dass Prinz "sich selbst nicht in der Lage gesehen hat zu spielen". Neid war dafür in die Kritik geraten, von einer Demontage der Kapitänin war die Rede gewesen. Prinz selbst sieht das offenbar nicht so. Neids Worte seien zwar im Vorfeld nicht abgesprochen gewesen, "aber ich habe bei ihr nichts herausgehört, was ein Problem für mich sein könnte". Der Abgang aus der Startelf habe "ja irgendwie kommuniziert werden müssen, da hat es doch keinen Sinn, sich irgendwelche Ausreden auszudenken".

In den vergangenen Tagen ist die Situation von Prinz vielfach mit der ihres männlichen Kollegen Michael Ballack verglichen worden. Mit ihrem Auftritt am Donnerstag enden alle Ähnlichkeiten. Ballack hat auf seine Ausbootung durch Bundestrainer Joachim Löw verärgert und beleidigt reagiert. Prinz sagt: "Mir war immer wichtig, ein Teamplayer zu sein - auch als ich ganz oben war. Das gilt jetzt auch, wo es nicht so gut um mich steht."

Ob sie bei dieser Weltmeisterschaft überhaupt noch einmal auflaufen wird? Prinz erhofft das allerhöchstens. "Es geht mir nicht darum, das vielleicht entscheidende Tor zu schießen. Ich möchte bei dieser WM nur gerne einen anderen Eindruck hinterlassen."

Das ist ihr jetzt bereits gelungen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 127 Beiträge
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1. Ach Gott
indiantiger 07.07.2011
Immer wieder billige Stimmungsmache gegen Ballack ... Prinz hat keineswegs realisiert, dass sie von und in der Nationalmannschaft nicht mehr gebraucht wird. Sie wurde von einer Trainerin, die angeblich nach dem leistungsprinzip handelte, auf den Händen zur WM getragen, ohne Skrupel. Eine Prinz völlig außer Form stand leitungsfrei in der Nationalmannschaft, während Ballack eiskalt abserviert wurde, jenseits jedes Leistungsgedankens. Prinz mit Ballack zu vergleichen .... wie höchst absurd!
2. °!°
jot-we, 07.07.2011
Alsi ich hätt' ja lieber gelesen: "Löw, nimm dir ein Beispiel!" Oder, kultivierten schwarz-gelben Zeiten angemessener: "Herr Löw, nehmen Sie sich doch, bitte, ein Beispiel - aber nur, wenn es Ihnen auch wirklich nichts ausmacht!"
3. Schon wieder
Psycho Dad, 07.07.2011
Zitat von sysopDie hart kritisierte Birgit Prinz bricht ihr Schweigen: Ganz offen gibt die Rekordnationalspielerin zu, außer Form zu sein und unter dem hohen Druck gelitten zu haben. Damit erweist sich die Kapitänin endgültig als Führungsfigur - ganz im Gegenteil zu ihrem früheren männlichen Pendant. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,773023,00.html
ein durchgegenderter Artikel nach dem Motto: "Frauen sind die besseren Menschen." Bitte entfernt die Aushilfspraktikanten aus der Redaktion! By the way: Wieso gab es keinen entsprechenden Vergleich z.B. bei den Aussagen der nigerianischen Trainerin zur Homosexualität? Hat ihr "männliches" Pendant auch so blödsinnige Dinge von sich gegeben? Nein? Also warum hier wieder so ein sinnloser Geschlechterwettkampf? Die Situation bei Ballack war eine komplett andere...und wenn sich Prinz schon über die "Hetzjagd" beschwert...da hat Ballack wohl hundertmal mehr aushalten müssen.
4. Absurder Vergleich!
doc 123 07.07.2011
Zitat von sysopDie hart kritisierte Birgit Prinz bricht ihr Schweigen: Ganz offen gibt die Rekordnationalspielerin zu, außer Form zu sein und unter dem hohen Druck gelitten zu haben. Damit erweist sich die Kapitänin endgültig als Führungsfigur - ganz im Gegenteil zu ihrem früheren männlichen Pendant. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,773023,00.html
Was für ein absurder Vergleich. Ballack war lange Zeit verletzt und wurde, trotz anderweitiger Absprachen von Löw und Konsorten in unerträglichster Weise ausgebootet und musste nicht wie die seit Monaten gänzliche formlose Prinz einmal ein einziges Spiel auf der Bank Platz nehmen.
5. Dr.
Redigel 07.07.2011
Zitat von indiantigerImmer wieder billige Stimmungsmache gegen Ballack ... Prinz hat keineswegs realisiert, dass sie von und in der Nationalmannschaft nicht mehr gebraucht wird. Sie wurde von einer Trainerin, die angeblich nach dem leistungsprinzip handelte, auf den Händen zur WM getragen, ohne Skrupel. Eine Prinz völlig außer Form stand leitungsfrei in der Nationalmannschaft, während Ballack eiskalt abserviert wurde, jenseits jedes Leistungsgedankens. Prinz mit Ballack zu vergleichen .... wie höchst absurd!
Stimmt, Prinz war nämlich wesentlich wichtiger für die Frauen-NM als Ballack für die Herren-NM.
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Frauen-WM: Alle Nationaltrainer im Überblick
Frauenfußball-Weltmeister
Jahr Sieger
2011 Japan (3:1 n.E. gegen USA)
2007 Deutschland (2:0 vs. Brasilien)
2003 Deutschland (2:1 n.G.G. vs. Schweden)
1999 USA (5:4 n.E. vs. China)
1995 Norwegen (2:0 vs. Deutschland)
1991 USA (2:1 vs. Norwegen)

WM-Bilanz der DFB-Frauen
Jahr Bilanz
2011 Viertelfinale (0:1 n. V. gegen Japan)
2007 Weltmeister (2:0 gegen Brasilien)
2003 Weltmeister (2:1 n.G.G. gg. Schweden)
1999 Viertelfinale (2:3 gegen USA)
1995 Finale (0:2 gegen Norwegen)
1991 Spiel um Platz drei (0:4 gegen Schweden)