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DFB-Star Bajramaj: Schön ins Abseits gestellt

Von , Mönchengladbach

Glamour auf der Ersatzbank: An Fatmire Bajramaj läuft die Frauenfußball-WM bisher komplett vorbei. Dabei war die attraktive 23-Jährige von der Werbeindustrie auserkoren worden, das Gesicht dieses Turniers zu werden. Jetzt ist ihr Marktwert bedroht - genau wie die unbeschwerte Laune im Team.

Profifußballerin Bajramaj: Von der Hoffnungsträgerin zur Hoffnungslosen Fotos
Getty Images

Fatmire Bajramaj war ganz oben angekommen. Die Wahl der Weltfußballerin des Jahres stand an, und die 23-Jährige gehörte zu den drei Spielerinnen, die zur Auswahl standen. Am Ende gewann die Brasilianerin Marta, Zweite wurde Birgit Prinz, Dritte Bajramaj. Das scheint Ewigkeiten her, dabei ist seitdem gerade einmal ein halbes Jahr vergangen. Während Prinz bisher nicht zu ihrer Form findet, hat es Bajramaj noch härter getroffen: Sie findet nicht einmal ins Team.

Für die künftige Frankfurterin scheint in der deutschen Startelf derzeit nur dann ein Platz frei zu sein, wenn sich eine Konkurrentin verletzt. So könnte sie eine Einsatzchance bekommen, weil die angeschlagene Melanie Behringer nicht rechtzeitig zum Vorrundenendspiel gegen Frankreich am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Mönchengladbach fit wird. In den bisherigen zwei Partien hat Bajramaj als Einwechselspielerin insgesamt 22 Minuten absolviert. Es waren sehr unauffällige Minuten.

Dabei sollte diese WM doch eine Bajramaj-WM werden. Darauf hatte sich zumindest die Werbebranche eingestellt, die sie im Vorfeld zum Gesicht dieses Turniers erklärte. Wenn irgendwo ein Werbespot lief, der mit Frauenfußball zu tun hatte, konnte man sicher sein, dass früher oder später Bajramaj darin auftauchen würde. Das hat auch in der Mannschaft nicht nur Begeisterung ausgelöst, der "Tagesspiegel" vermutet gar eine Art "unbewussten Mobbings" gegen die Angreiferin, weil sie bei ihren beiden Kurzeinsätzen kaum von den Mitspielerinnen in die Partie einbezogen wurde.

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DFB-Frauen: Riesige Euphorie, triste Auftritte
Bajramaj selbst ist die Unzufriedenheit mit ihrer Situation mittlerweile deutlich anzumerken. Bei einer Pressekonferenz machte sie dieser Tage einen überaus gereizten Eindruck. Einen Journalisten, der moniert hatte, sie habe seine Frage nicht beantwortet, fuhr sie an: "Was fehlt Ihnen denn noch?" Als sie auf die Anmerkung ihres früheren Potsdamer Trainers Bernd Schröder, Bajaramj sei im Team offenbar nicht integriert, angesprochen wurde, kommentierte sie: "Herr Schröder hat derzeit wohl nichts anderes zu tun." Dass der Coach wiederholt in den vergangenen Wochen die Nationalelf kritisiert habe, "darüber lachen wir im Team nur noch". Ihr Gesicht, das sie dabei machte, sagte allerdings das Gegenteil.

Ohnehin ist die gute Laune im deutschen Lager nach den zwei wenig überzeugenden Auftaktpartien gegen Kanada und Nigeria verschwunden, es herrscht rund ums Team eine merkwürdig angespannte Stimmung, obwohl die Mannschaft ja beide Spiele gewonnen hat. Zwar betonen alle im Kader bei ihren öffentlichen Auftritten nach wie vor, wie toll und großartig sie die Atmosphäre und das Publikum in den vollen Stadien finden - aber die Lockerheit wirkt mittlerweile doch arg angestrengt.

Noch in Berlin vor dem Eröffnungsspiel wurde in der Öffentlichkeit nach Herzenslust gescherzt und gefrotzelt. Man hatte nicht das Gefühl, dass diese Mannschaft durch irgendetwas aus der Bahn geworfen werden könne. Jetzt sind zwei Partien gespielt, und nun heißt es plötzlich, vielleicht habe die eine oder andere im Kader die Lage zu leicht genommen.

Nach Schminktipps wird nicht mehr gefragt

Die launigen Journalisten-Fragen nach Schminktipps und Ausflugslokalitäten aus der Vorwoche sind aus den Pressekonferenzen verschwunden, stattdessen wird nach den überraschenden Problemen in der Offensive gefragt, nach der Formschwäche der Kapitänin Birgit Prinz, nach der übermächtigen Anspruchshaltung der Öffentlichkeit.

Bei Fatmire, genannt Lira, Bajramaj ist der Druck besonders spürbar, daraus macht sie keinen Hehl. "Ich habe mich zu sehr damit belastet, aber jetzt ist das hoffentlich vorbei", sagt sie. Ein WM-Turnier auf der Ersatzbank wäre für sie verheerender als für andere. Bajramaj und ihre Berater haben massiv auf den Starfaktor gesetzt. Ob die werbetreibende Industrie allerdings bereit ist, eine Ersatzspielerin weiterhin so großzügig mit lukrativen PR-Aufträgen zu bedenken, ist kaum vorstellbar. Es gibt jetzt schon andere, die öffentlichkeitswirksamer sind: Mittelfeld-Darling Kim Kulig und die Vorzeige-Kämpferin Simone Laudehr zum Beispiel.

"Ich fühle mich gut und merke, dass ich mich im Training steigere", hat Bajramaj vor dem Duell gegen Frankreich gesagt, für die 23-Jährige wäre die Partie gegen den Tabellenführer der Gruppe ein besonderes Spiel. Sie ist in Mönchengladbach aufgewachsen, ein Teil ihrer Familie lebt hier. "Für mich ginge ein Wunsch in Erfüllung, einmal im Borussia-Park aufzulaufen."

Vom Trainerstab gibt es zumindest ein paar ermutigende Worte für die Stürmerin: "Sie ist Schritt für Schritt auf dem Weg, die alte Lira zu werden", sagt Assistenztrainerin Ulrike Ballweg. Die alte Lira - die Deutschland 2008 zur Bronzemedaille schoss und auch bei der EM 2009 eine überragende Vorstellung im Sturm abgab. Schritt für Schritt, das klingt allerdings nicht so, als seien Ballweg und Cheftrainerin Silvia Neid davon überzeugt, dass die Angreiferin dem Team schon im nächsten Spiel großartig helfen könne.

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Forum - Fußball-WM der Frauen 2011 - was erwarten Sie vom Turnier?
insgesamt 5176 Beiträge
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1.
krafts 29.11.2010
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Ich gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
2.
Kanzla87 29.11.2010
Zitat von kraftsIch gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Aus welchem Grund?
3.
Rockker, 29.11.2010
Ein Wettbwerb aus der Kategorie *EIKS, aber dank den deutschen Medien wird er gehypt zu dem nächsten unsänglichen "Sommermärchen" wo die deutsche NM, alle Gegner sowieso mit 22:0 schlagen wird... *Eigentlich Interessiert Keine Sau
4. Zu wünschen wäre es...
Flosse, 29.11.2010
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Die Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
5. !
CaptainSubtext 29.11.2010
Zitat von FlosseDie Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
mmmmh. Wenn die Damenelf noch nicht mal in der Lage ist gegen eine Vereins-B-Jugend zu gewinnen, wieso.....?
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Zur Person
Von der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) berichtet unser Redakteur Peter Ahrens.


WM-Rekord-Torschützinnen
Name Tore Zeitraum
Birgit Prinz (Deutschland) 14 1995-2011
Marta (Brasilien) 14 2003-2011
Michelle Akers (USA) 12 1991-1999
Bettina Wiegmann (Deutschland) 11 1991-2003
Abby Wambach (USA) 11 2003-2011
Sun Wen (China) 11 1991-2003
Ann Kristin Aarones (Norwegen) 10 1995-1999
Heidi Mohr (Deutschland) 10 1991-1995
Linda Medalen (Norwegen) 9 1991-1999
Hege Riise (Norwegen) 9 1991-1999

Chronologie: Frauenfußball in Deutschland
Vor 1950
1930: Charlotte "Lotte" Specht gründet den ersten Frauen-Fußballverein in Deutschland, den 1. Damen-Fußball-Club Frankfurt. Der Verein löst sich aufgrund großer Widerstände und mangelnder Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach einem Jahr wieder auf.
Fünfziger Jahre
Die ersten Frauenmannschaften organisieren sich einige Jahre nach dem Krieg, fristen aber noch ein Schattendasein.

1955: Auf dem DFB-Bundestag am 30. Juli in Berlin untersagt der Verband seinen Vereinen, Damenfußball-Abteilungen zu gründen oder aufzunehmen.

1956: Am 13. September bestreitet eine deutsche Damenfußball-Auswahl das erste (inoffizielle) Länderspiel in Essen. Vor 18.000 Zuschauern besiegt Deutschland die Niederlande 2:1.
Sechziger Jahre
Der DFB weicht sein Verbot des Damenfußballs auf.

Siebziger Jahre
1970: Der DFB gibt seinen Widerstand auf. Beim Bundestag am 30. Oktober in Travemünde fasst er den Beschluss, Frauen das Fußballspielen zu erlauben. Längst gibt es zahlreiche Vereine und Auswahlmannschaften, die inoffizielle Länderspiele bestreiten.

1973: Ohne Zustimmung des DFB wird der "Goldpokal" - Vorläufer der deutschen Meisterschaft - zwischen den Meistern einiger Landesverbände ausgespielt. Sieger wird der TuS Wörrstadt mit einem 3:1-Finalsieg gegen Bayern München am 29. September.

1974: Wörrstadt wird erster offizieller deutscher Frauenfußball-Meister. Bärbel Wohlleben geht als erste Torschützin des Monats bei der Wahl in der ARD-"Sportschau" in die Geschichte ein.
Achtziger Jahre
1980/81: Der DFB-Pokal der Frauen wird eingeführt: Erster Titelträger ist die SSG Bergisch-Gladbach.

1982: Die von Gero Bisanz betreute Nationalelf bestreitet am 10. November in Koblenz ihr erstes offizielles Länderspiel gegen die Schweiz. Die heutige Bundestrainerin Silvia Neid steuert zwei Tore zum 5:1-Sieg bei.

1984:Die erste (noch inoffizielle) Europameisterschaft findet statt. Es gibt allerdings noch keine Endrunde in Turnierform. Den Titel sichert sich Schweden in den Finalspielen gegen England. Beide Teams gewinnen zu Hause jeweils 1:0. Im Elfmeterschießen setzt sich Schweden 4:3 durch.

1989: Deutschland wird durch ein 3:1 nach Verlängerung gegen Norwegen zum ersten Mal Europameister - es folgen bis 2009 sechs weitere Titel: 1991, 1995, 1997, 2001, 2005 und 2009.
Neunziger Jahre
1990: Erstes und einziges Frauen-Länderspiel der DDR. Die Auswahl verliert am 9. Mai in Potsdam 0:3 gegen die CSFR.

1991: In China findet die erste Frauen-Weltmeisterschaft statt: Das DFB-Team wird nach einem 0:4 gegen Schweden im Spiel um den dritten Platz Vierter. Die USA holen den Titel durch ein 2:1 gegen Norwegen.

1995: Deutschland wird in Schweden Vizeweltmeister. Den Titel gewinnt Norwegen.

1996: Frauenfußball ist erstmals olympisch. Deutschland scheidet in Atlanta in der Vorrunde aus. Danach übernimmt Tina Theune-Meyer das Traineramt.

1997: Die eingleisige Bundesliga startet. Erster Meister wird der FSV Frankfurt.
Nullerjahre
2000: Die deutsche Elf belegt bei den Olympischen Spielen in Sydney den dritten Platz. Gold geht mit einem 3:2-Sieg nach Verlängerung an Norwegen, Silber an die USA.

2002: Der 1. FFC Frankfurt gewinnt als erster Verein den neu eingeführten Uefa-Pokal für Frauen.

2003: Nia Künzer sichert der DFB-Elf in den USA mit ihrem Golden Goal zum 2:1 nach Verlängerung im Finale gegen Schweden den ersten WM-Titel.

2007: Deutschland wird in China zum zweiten Mal Weltmeister: Im Finale gegen Brasilien gewinnt die DFB-Elf 2:0.

2011: Die WM findet vom 26. Juni bis 17. Juli erstmals in Deutschland statt.

Quelle: dpa

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