DFB-Star Okoyino da Mbabi Jung, fit, gut zu vermarkten

Sie ist die neue Vorzeigespielerin des deutschen Frauenteams: Die 22-Jährige Celia Okoyino da Mbabi könnte ein Star der Fußball-WM werden. Für die Werbewirtschaft gilt sie als hochattraktiv - und mit der Bundeskanzlerin ist sie auch schon vertraut.

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Hamburg - Selten hat man Celia Okoyino da Mbabi so traurig gesehen wie am Sonntagabend. Tief bedrückt, am Boden zerstört, ein Jammerbild. Alles vorbei.

Es ist allerdings nur eine Statistenrolle im ARD-"Tatort", die sie so bekümmert dreinschauen lässt.

In der Wirklichkeit gestalten sich die Dinge für die 22-Jährige weitaus erfreulicher. Knapp eine Woche vor dem Eröffnungsspiel der deutschen Elf bei der WM gegen Kanada (Sonntag 18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat Okoyino da Mbabi beste Chancen auf einen Platz in der Anfangsformation. Sie ist die Gewinnerin der WM-Vorbereitung.

Als Bundestrainerin Silvia Neid die Spielerinnen im März zum ersten WM-Lehrgang einlud, da war nicht einmal klar, ob Stürmerin Okoyino da Mbabi überhaupt zum endgültigen Aufgebot des DFB gehören würde. Zu groß ist die Konkurrenz in der deutschen Offensive, bis auf Frauenfußball-Ikone Birgit Prinz konnte sich keine Angreiferin ihres Kaderplatzes sicher sein.

Okoyino da Mbabi und Popp - das neue deutsche Sturm-Duo

Aber Okoyino da Mbabi hat die Chancen, die Neid ihr in den Testspielen eingeräumt hat, konsequent genutzt. Zunächst als Einwechselspielerin, zuletzt als Stammkraft. Statt ihrer musste Anja Mittag das Team vorzeitig verlassen, immerhin die Topangreiferin von Turbine Potsdam, die ihren Club zur deutschen Meisterschaft und ins Champions-League-Finale führte.

Celia Okoyino da Mbabi und die noch zwei Jahre jüngere Alexandra Popp: So könnte der deutsche WM-Sturm im Lauf des Turniers aussehen. Trotz einer so hoch erfahrenen Konkurrentin wie der 32-jährigen Duisburgerin Inka Grings, trotz einer Birgit Prinz mit all ihrer Routine. Die beiden älteren Angreiferinnen wirkten in der Vorbereitung im Vergleich zu ihren jüngeren Kolleginnen umständlich und langsam, die Laufwege der beiden im Abschlusstest gegen die Norwegerinnen funktionierten erstaunlich selten. Immer erst, wenn Popp und Okoyino da Mbabi auf dem Feld standen, unterstützt durch die dynamische Melanie Behringer im Mittelfeld, kam Schwung in die deutsche Offensive. Diese Weltmeisterschaft vollzieht den Generationswechsel im deutschen Angriff.

Für die Werbestrategen wäre ein WM-Star Okoyino da Mbabi ein Hauptgewinn - gerade jetzt, wo die an sich für die Abteilung Glamour im deutschen Team zuständige Fatmire Bajramaj schwächelt. Die 22-jährige Okoyino da Mbabi, Tochter französisch-kamerunesischer Eltern, ist nahezu perfekt vermarktbar: eine fröhliche, kluge Frau mit Multikulti-Faktor. Besser geht's nicht in puncto PR.

Mit der Bundeskanzlerin am Tisch

Für den DFB hat sie das Amt der Integrationsbotschafterin inne. Im Vorjahr saß sie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Tisch und sollte über die Eingliederung von Migranten diskutieren, das sei "eine interessante Erfahrung gewesen, seinen Senf dazu abgeben zu dürfen", hat sie nachher gesagt. Sie selbst, aufgewachsen in Bonn, hat als Kind und Jugendliche nie registriert, dass sie in irgendeiner Art anders sein solle als andere: "Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen und habe alles genauso gemacht wie meine Freunde", hat sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. Nur als sie als Teenie Fußballkarriere machte und die Jugend-Nationalmannschaft lockte, fehlte plötzlich der deutsche Pass. 2004 wurde Okoyino da Mbabi deutsche Staatsbürgerin. Danach stand der Laufbahn beim DFB nichts mehr im Weg.

Und damit einer Karriere, die durch die WM noch einmal einen kräftigen Schub erhalten soll. Okoyino da Mbabi spielt im Verein für den SC Bad Neuenahr, das ist nicht die allererste Adresse im deutschen Frauenfußball. Für sie wäre es normalerweise ein logischer Schritt, irgendwann zu den Branchenführern zu wechseln. Zum FFC Frankfurt, nach Potsdam oder ins Ausland, zu einem Spitzenclub wie dem Champions-League-Gewinner Olympique Lyon. Aber bisher hat Okoyino da Mbabi allen Verlockungen der Großvereine widerstanden. Was auch daran liegt, dass sie in der Nähe ihres Vereins, in Koblenz, lebt und studiert.

Das Schwierigste an diesem WM-Turnier hat Okoyino da Mbabi ohnehin schon hinter sich. Alle Vorbereitungsspiele sind absolviert, und die Stürmerin ist immer noch fit und gesund. Das war nicht immer so. Zwei fußballerische Großveranstaltungen hat sie wegen Verletzungen bereits verpasst: 2005 galt sie im Vorfeld der WM als der Deutsche Jungstar, als ein Skiunfall ihre Ambitionen stoppte. Vor der WM 2007 zog sie sich einen komplizierten Schienbeinbruch zu - Okoyino da Mbabi musste von Koblenz aus zusehen, wie ihre Teamkolleginnen im fernen China den WM-Triumph feierten.

Wenn am Abend des 17. Juli der neue Weltmeister gekürt wird, will sie ganz nah dabei sein. Traurig dreinschauen sollen dann andere.

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ratxi 20.06.2011
1. Lachen
Zitat von sysopSie ist die neue Vorzeigespielerin des deutschen Frauenteams: Die 22-Jährige*Celia Okoyino da Mbabi*könnte ein Star der Fußball-WM werden. Für die Werbewirtschaft gilt sie als hochattraktiv - und mit der Bundeskanzlerin ist sie auch schon vertraut. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,768950,00.html
Ich freue mich sehr darauf, sie nach dem WM-Finale richtig lachen zu sehen...
reihenfolge 20.06.2011
2. Wie oft noch?
Zitat von sysopSie ist die neue Vorzeigespielerin des deutschen Frauenteams: Die 22-Jährige*Celia Okoyino da Mbabi*könnte ein Star der Fußball-WM werden. Für die Werbewirtschaft gilt sie als hochattraktiv - und mit der Bundeskanzlerin ist sie auch schon vertraut. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,768950,00.html
Aha, ein Jubelartikel. Wir brauchen Zuwanderung.
TomBlatt 20.06.2011
3. Oh mann ;-)
Diese gewaltsame hochstilisieren der Frauenfussball-WM nervt tierisch! Ich kann nur soviel sagen, alles was diese Frau bewirbt werde ich boykottieren, aus Protest! Wer will das sehen? Wieviele Besucher hat ein Frauenfussball-Bundesligamatch? 10? Ich schlag drei Kreuze wenn diese blöde WM vorbei ist. Ich werde diesen Artikel auch nicht lesen, das ist der Anfang des Boykotts, die Überschrift reicht völlig. Einen schönen Tag wünsch ich allerseits
MiaMaus 20.06.2011
4. Zum Glück spielt sie besser Fußball
als der gestrige Gruseltatort es insgesamt war. Ich muss der Kritik hier http://www.autonews-123.de/swr-tatort-im-abseits-diesmal-kein-fernsehtipp-der-woche/ schon Recht geben. Das war eine reine Werbeinszenierung für den DFB und die WM, kein Krimi. Hoffen wir, die Natio macht es besser bei ihren Spielen.
movfaltin 20.06.2011
5. Gutes Argument
Zitat von sysopSie ist die neue Vorzeigespielerin des deutschen Frauenteams: Die 22-Jährige*Celia Okoyino da Mbabi*könnte ein Star der Fußball-WM werden. Für die Werbewirtschaft gilt sie als hochattraktiv - und mit der Bundeskanzlerin ist sie auch schon vertraut. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,768950,00.html
Wow. Hat mal die Bundeskanzlerin getroffen. Ist das nicht Meilenstein eines jeden VIP-Lebens, der Bekanntheit dienlich? Wenn das Gradmesser ist - und sie dürfte maximal ein Hundertstel so bekannt mit Merkel sein wie ihr Mann - freue ich mich auf einen medialen Bekanntheitsgrad von etwa dem Hundertstel dessen eines Prof. Dr. Sauer. Glückauf, Megastar!
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