Finalsieg gegen die USA: Japan gewinnt sensationell den WM-Titel

Von Jan Reschke

120 Minuten Dominanz, zweimalige Führung - und am Ende flossen trotzdem Tränen: Die USA unterlagen im WM-Finale Japan im Elfmeterschießen. Dort wurde Torfrau Ayumi Kaihori mit zwei Paraden zur Heldin und sorgte für den glücklichen Triumph ihres Teams.

Triumph gegen die USA: Japan vom Punkt zum Titel Fotos
DPA

Hamburg - Fußball ist manchmal einfach ungerecht. Da hatten die USA das Finale der Frauenfußball-WM dominiert, sich Dutzende Chancen erspielt und sogar zweimal die Führung erzielt. Doch jubeln durften am Ende die Japanerinnen. Denn nach den Treffern von Alex Morgan (69. Minute) und Abby Wambach (104.) konnten Aya Miyama (81.) und Homare Sawa (117.) jeweils ausgleichen. 2:2 (1:1, 0:0) stand es nach Verlängerung, im Elfmeterschießen setzten sich die Japanerinnen dank ihrer Torfrau Ayumi Kaihori 3:1 durch, die zwei Schüsse parierte. Ein weiterer Elfmeter der Amerikanerinnen ging über das Tor.

Das Finale war ein rauschend inszeniertes Fest. Vor dem Spiel sahen die 48.817 Zuschauer im ausverkauften Frankfurter Stadion eine pompöse Choreografie mit Dutzenden Darstellern auf dem Rasen. Als prominentester Gast genoss Bundeskanzlerin Angela Merkel das Schauspiel. Und das Spektakel war ein guter Vorgeschmack auf das, was folgen sollte.

Denn vor allem die Amerikanerinnen hielten sich nicht mit taktischen Spielereien auf und spielten mutig nach vorne. Bereits in der ersten Minute kam Stürmerin Lauren Cheney zur ersten Chance. Sie erkämpfte sich an der Strafraumgrenze den Ball, doch Japans Torfrau Kaihori parierte ihren Schussversuch. Sieben Minuten später setzte erneut Cheney eine Flanke von Kapitänin Megan Rapinoe knapp neben das Tor. Auch der Versuch von Carli Lloyd verfehlte um wenige Zentimeter das Ziel (11.).

Vom erfrischenden Fußball der vergangenen Spiele war nichts zu sehen

Japans Abwehr wackelte - und es wurde nicht besser. Die USA erspielten sich Chancen im Minutentakt, Rapinoe konnte den Ball aus kurzer Distanz nicht im Tor unterbringen (12.). Die Japanerinnen setzten hingegen in der Offensive kaum Akzente. War das Team einmal in Ballbesitz, wurde das Spielgerät uninspiriert über wenige Meter zur jeweiligen Nebenfrau gespielt. Vom erfrischenden Fußball der vergangenen Spiele war nichts zu sehen.

Rapinoe zeigte in der 18. Minute hingegen die richtige Zielstrebigkeit. Die 26-Jährige lief von der linken Seite auf Japans Tor zu, scheiterte aber am Außenpfosten. Es dauerte bis zur 22. Minute, ehe die Japanerinnen zum ersten Mal einen Ball in Richtung amerikanisches Tor brachten - mit einem Schuss, der meterweit vorbei ging.

Die Amerikanerinnen zeigten hingegen, warum sie im Finale standen: Ein strammer Schuss von Wambach landete an der Unterkante der Latte des japanischen Tores (29.). Es schien nur eine Frage der zeit, wann der erste Treffer für die Amerikanerinnen fallen würde. Doch in der 31. Minute hätte Kozue Ando beinahe für die Überraschung gesorgt, sie scheiterte aber an US-Torfrau Hope Solo. Drei Minuten später herrschten aber wieder die gewohnten Verhältnisse: Cheney setzte einen Kopfball über das japanische Tor.

Zum Ende der ersten Hälfte hin ließ das Tempo etwas nach. Der Pausenpfiff durch die deutsche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beendete eine völlig einseitige erste Halbzeit.

Spielbestimmend blieben aber die US-Amerikanerinnen

Nach dem Seitenwechsel ging es weiter wie zuvor. Die USA machten Druck, Japan beschränkte sich auf die Verteidigung. Und das noch nicht einmal gut, in der 49. Minute traf die für Cheney eingewechselte Alex Morgan erneut den Pfosten. "Das kann man nicht erklären, manchmal gehen sie rein, manchmal nicht. Wir hätten unsere Chancen nutzen müssen", sagte US-Trainerin Pia Sundhage.

Anschließend verflachte die Partie ein wenig, spielbestimmend blieben aber die Amerikanerinnen. Japan versuchte über Konter gefährlich zu bleiben. Wie in der 64. Minute, als Ohno völlig frei durch war, das Schiedsrichtergespann aber fälschlicherweise auf Abseits entschied. Nur Sekunden später scheiterte Wambach an Torhüterin Kaihori.

Japans Trainer Norio Sasaki versuchte in der 66. Minute mit den eingewechselten Yuki Nagasato (für Kozue Ando) und Karina Maruyama (für Shinobu Ohno) die amerikanische Dominanz zu brechen. Doch das Gegenteil trat ein: Morgan lief ihrer Gegenspielerin davon und traf zum 1:0 ins Netz.

Und Japan? Zeigte zwar Bemühen, aber ohne zu brillieren.

Den Asiatinnen half US-Innenverteidigerin Rachel Buehler, die nach ihrer Rotsperre zurück im Team war. In Bedrängnis spielte sie einen Ball quer durch den eigenen Strafraum. Von Krieger prallte der Ball zu Miyama, und die traf völlig überraschend zum Ausgleich (81.). "Wir haben Japan ein paar Geschenke gemacht", sagte Krieger.

Dann kam die Verlängerung - und wieder gab es das gewohnte Bild: die USA drückend überlegen, aber mit Pech im Abschluss. Wambach scheiterte in der 92. Minute an Torfrau Kaihori. In der 104. Minute durfte Wambach jedoch jubeln: Aus kurzer Distanz traf sie nach der Flanke von Morgan per Kopf zum 2:1. Doch wie schon nach der ersten Führung konnten die Japanerinnen erneut ausgleichen. Nach einer Ecke kam Homare Sawa an den Ball und verlängerte ihn direkt ins Tor.

"Wir haben alle unser Selbstvertrauen bis zum Ende bewahrt, an uns geglaubt und deshalb haben wir am Ende gewonnen. Wir sind total glücklich über diesen WM-Titel. Jetzt sind wir die Nummer eins in der Welt", sagte Sawa. In der letzten Minute der Verlängerung sah noch Japans Azusa Iwashimizu die Rote Karte wegen einer Notbremse. Morgan wäre frei durch gewesen. Der fällige Freistoß brachte aber nichts. Und so ging es ins Elfmeterschießen.

Es wurde ein Festival der Fehlschüsse: Shannon Boxx und Tobin Heath scheiterten an Kaihori, der Schuss von Carli Lloyd landete über dem Tor. Erst Wambach mit dem vierten Versuch traf. Doch da bei Japan lediglich Yuki Nagasato vergaben, jubelten am Ende die Asiatinnen.

Fußball ist manchmal eben ungerecht.

Japan - USA 3:1 im Elfmeterschießen (2:2, 1:1, 0:0)
0:1 Morgan (69.)
1:1 Miyama (81.)
1:2 Wambach (104.)
2:2 Sawa (117.)
Elfmeterschießen: Boxx (USA) verschießt, 1:0 Miyama (Japan), Lloyd verschießt, Nagasato verschießt, Heath verschießt, 2:0 Sakaguchi, 2:1 Wambach, 3:1 Kumagai.
Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Sakaguchi, Sawa - Ohno (66. Maruyama, 119. Iwabuchi), Miyama - Ando (66. Nagasato), Kawasumi
USA: Solo - Krieger, Buehler, Rampone, LePeilbet - Lloyd, Boxx - O'Reilly, Rapinoe (114. Heath) - Cheney (46. Morgan), Wambach
Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus
Zuschauer: 48.817 (ausverkauft)
Rote Karte: Iwashimizu (Japan) wegen einer Notbremse (120.)
Gelbe Karten: Miyama -

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insgesamt 54 Beiträge
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1. Wow ...
theresarain 18.07.2011
was für ein Spiel - und da sag nochmal jemand, Frauenfußball wär nicht spannend. Absolut toll!!!! Nur die japanische Torfrau hätte noch ein bisschen mehr bejubelt werden können. Die war doch heute um Längen besser als Hope Solo und hat den Japanerinnen mehrfach den A**** gerettet!
2. Wow ...
theresarain 18.07.2011
aber Kaihori wurde viel zu wenig gewürdigt. Die Frau war Weltklasse!
3. Ich finde ...
Misha 18.07.2011
Zitat von sysop120 Minuten Dominanz, zweimalige Führung - und am Ende flossen trotzdem Tränen: Die USA unterlagen im WM-Finale Japan im Elfmeterschießen.*Torfrau Ayumi Kaihori wurde zur Heldin, sie parierte gleich*zwei Elfmeter und sorgte für den glücklichen Triumph*ihres Teams. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,774943,00.html
Das Spiel hat mich irgendwie an Deutschland - Japan erinnert. Ansonsten war der Sieg nicht unbedingt glücklich. Die Japanerinnen waren immer konzentriert und taktisch sehr gut eingestellt.
4. Das haben die Ladys auch wirklich verdient.
wolfgangotto 18.07.2011
Glückwunsch an alle. Das haben die Japanerinnen auch wirklich verdient. Wenn man sieht, was die für Pässe schlagen, die auch ankommen und es vergleicht mit den überbezahlten und zickigen Diven und Mimosen im Männerfussball, geht einem einfach das Herz auf! Ein wunderschöner Sonntagabend. Danke!
5. ungerecht??
Matti40 18.07.2011
2 mal nach einem rueckstand weiterkaempfen und ausgleichen ist fuer mich eine tolle leistung,...nicht ungerecht.im verlauf des gesamten tournament grossartig gespielt,...nicht ungerecht.vor 4 jahren ein nobody,...heute gewonnen,...wohl verdient und nicht ungerecht! gratulation!!!
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