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18.03.2007
 

Formel-1-Kommentar

Ferrari auch ohne Schumi eine Wucht

Von Stephan Gröne

Kimi Räikkönen tritt in Michael Schumachers Fußstapfen und sichert Ferrari einen Auftakt nach Maß. Die hinter ihm platzierten Silberpfeile geben allerdings Grund zu der Hoffnung, dass ein einsamer Triumphzug der Scuderia verhindert werden kann.

Einiges ist neu in der Formel 1 nach Michael Schumachers Rücktritt: Alle Teams sind auf Einheitsreifen unterwegs, die Motoren dürfen in den nächsten Jahren nicht entscheidend modifiziert werden, frische Gesichter knapp oberhalb der Führerscheingrenze drängen fahrerisch in den Vordergrund und Ferrari-Chef Jean Todt flüchtet in der Boxengasse vor Kai Ebel.

Trotzdem können sich bald vielleicht auch die hartgesottensten Schumi-Fans unter den Formel-1-Zuschauern an ein Leben ohne ihr Idol gewöhnen, wenn die Saison hält, was der Auftakt in Australien verspricht.

Sieht man einmal von Kimi Räikkönens Alleinfahrt im Ferrari an der Spitze ab. "A Walk in the Albert Park" brachte es ein australischer Journalist bei der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Rennen auf den Punkt – ein Sieg im Spaziergang. Der mit rund 25 Millionen Euro Jahresgage bestbezahlte Formel-1-Pilot scheint jeden Cent wert zu sein, ein Debüt-Sieg im Ferrari gelang vor ihm zuletzt Nigel Mansell im Jahr des Mauerfalls.

Nahezu unbehelligt vom Rest des Feldes spulte der Finne sein Rennprogramm ab, um nur kurz nach der Zieldurchfahrt einen Blick hinter seine sonst so extra-coole Maske zu gewähren – freihändig feierte er seinen ersten Spitzenplatz seit knapp anderthalb Jahren. Auch seine Bilanz fiel ungewohnt euphorisch aus: "Das ganze Wochenende lief fantastisch. Ich musste nicht zu hart pushen und habe geschaut, was die anderen machen. Es ist immer toll, wenn du im ersten Rennen gleich gewinnen kannst. Das Auto ist sehr stark, die Atmosphäre im Team ist großartig. Ein perfekter Start, ich hoffe es geht so weiter."

Die momentane Überlegenheit der Scuderia offenbarte sich vollends durch die Aufholjagd des Pechvogels vom Vortag. Michael Schumachers Ex-Kollege Felipe Massa ging nach einem Motorwechsel vom letzten und 22. Startplatz ins Rennen und hatte sich nach 58 Runden immerhin auf Rang sechs geschoben.

Im Team-Klassement blieb Ferrari damit allerdings um einen Zähler hinter McLaren-Mercedes zurück. Die Silberpfeile um Weltmeister Fernando Alonso beendeten den Ausflug nach Australien ohne die zuletzt obligatorischen Ausfälle auf Rang zwei und drei und sind anscheinend auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Auch weil sie mit dem erst 22-jährigen Lewis Hamilton einen der talentiertesten Jungspunde im Cockpit haben.

Beim Start düpierte er respektlos seinen Kollegen und zog vor der ersten Kurve dank eines bravourösen Manövers außen an Alonso vorbei. Zwischendurch kam Hamilton sogar in den Genuss von ein paar Führungsrunden, unterm Strich standen der dritte Platz und ein Debüt auf dem Podest – ein Kunststück, das auch Jacques Villeneuve vor elf Jahren schaffte. Der von McLaren-Boss Ron Dennis protegierte Hamilton brachte seine Leistung bei der Premiere selbst auf den Punkt: "Beim ersten Grand Prix schon in Führung zu gehen, das war ein tolles Gefühl. Es ist ganz großartig, hier auf dem Podium zu stehen. Ich könnte nicht glücklicher sein."

Das galt für den 2006 so arg gebeutelte Mercedes-Sportchef Norbert Haug mindestens im gleichen Maße, der dem ersten dunkelhäutigen Fahrer in der Formel 1 eine eigene Hymne widmete: "Ich will nicht euphorisch sein. Aber unser Lewis ist eine Sensation. Er hat sein ganzes Potential noch nicht ausgespielt. Dass der Fernando das kann, ist klar. Ich denke, die Silberpfeile werden mitmischen." Und damit auch aus deutscher Sicht dem Rennspektakel im Jahr 2007 einen heißen Zweikampf bescheren.

Die Roten gegen die Silbernen, Ferrari gegen Mercedes – ein Duell, dass es seit der Häkkinen-Schumacher-Ära nicht mehr gegeben hat, und das Potential hätte, die Massen zu elektrisieren und die Schumi-Fans wieder zu beleben.

Denn von reellen Siegchancen müssen die deutschen Fahrer zurzeit noch träumen. Immerhin fuhren aber gleich drei von ihnen in die Punkte, in den 80er-Jahren wäre das allemal ein Grund zur nationalen Euphorie gewesen. Der vierte Platz von Nick Heidfeld im BMW-Sauber dürfte zwar noch nicht für ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer in den Vorgärten sorgen, stellt dem Bartträger aber eine bald mögliche Champagnerdusche in Aussicht. Ralf Schumacher blieb als Achter im Toyota immerhin vor seinem Teamkollegen Jarno Trulli, Nico Rosberg schob seinen Williams kurz vor Schumacher über die Ziellinie.

Der einzige Pianist im Feld, der Münchner Adrian Sutil, bekam dagegen bei seinem Formel-1-Debüt eine bezahlte Lehrstunde und lag nur in der Kategorie Boxenstopps überlegen vorn. Schon in der ersten Runde kollidierte er im unterlegenen Spyker mit Anthony Davidson (Super Aguri), danach wurde er wegen zweier Anfängerfehler gleich zweimal zu Durchfahrtsstrafen verdonnert. Als Letzter kam er zumindest in den Genuss, durchs Ziel gewunken zu werden und kann sich nun bis zum nächsten Rennen ausgiebig mit der Regelkunde befassen. Denn einiges ist auch in der Formel 1 beim Alten geblieben und gilt auch für Debütanten: Sich bei geschwenkten blauen Flaggen zügig überrunden lassen und während der Boxenausfahrt niemals über die weiße Linie fahren.

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23.10.2007 von Brettschneider:

Das kann so nicht ganz stimmen. In den USA und in Istanbul kam Massa jeweils einen Platz knapp vor Kimi ins Ziel. Beide Male hatte der Brasilianer anscheinend freies Manöver, denn in den USA wurde er Dritter, Kimi Vierter. In [...] mehr...

23.10.2007 von Brettschneider:

Das kann so nicht ganz stimmen. In den USA und in Istanbul kam Massa jeweils einen Platz knapp vor Kimi ins Ziel. Beide Male hatte der Brasilianer anscheinend freies Manöver, denn in den USA wurde er Dritter, Kimi Vierter. In [...] mehr...

23.10.2007 von mirror7:

Herrn Massa blieb nichts anderes übrig, die Wasserträgerrolle wird bei Ferrari vertraglich geregelt, auch das ist ein Erbe Herrn Schumachers. Hatte Herr Schumacher bei Ferrari jemals einen gleichgestellten Teamkollegen, wie ihn [...] mehr...

23.10.2007 von Brettschneider: Dream-Team Ferrari

Massa und Räikkönen haben gezeigt, daß man in der Formel-1 als Team etwas erreichen kann. Diesen Teamgeist bei Ferrari kann man durchaus als das Erbe Michael Schumachers bezeichnen. Die Professionalität eines Felipe Massa ist [...] mehr...

23.10.2007 von wühlmaus_reloaded:

Ich denke es wird diesmal ganz knapp, aber mein Geheimtipp ist Räikkönen vor Hamilton vor Alonso. SysOp, diesen Thread können Sie getrost knicken ;-)) mehr...

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