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27.05.2007
 

Großer Preis von Monaco

Alonsos Sternstunde, Schumachers Alptraum

Von Stephan Gröne

Die Silberpfeile haben das Formel-1-Rennen in Monaco nach Belieben dominiert - und ratlose Gegner zurückgelassen. Ein Ralf Schumacher musste sich sogar vor dem ersten Boxenstopp von Weltmeister Fernando Alonso überrunden lassen.

Schon in der 15. Runde wurde das berühmteste Rennen der Formel 1 zum absoluten Alptraum für Schumacher. Nicht einmal ein Fünftel der zu fahrenden Strecke war absolviert, da donnerte schon der Titelverteidiger Alonso im dominierenden McLaren-Mercedes mühelos am Toyota des Deutschen vorbei und überrundete ihn zum ersten Mal. Am Ende des für Ralf quälend langen Sonntagnachmittags war fast das ganze Fahrerfeld mindestens einmal an ihm vorbeigezogen. Nur Teamkollege Jarno Trulli, der 15. wurde, war für den dahinter fahrenden Schumacher noch halbwegs in Sichtweite. Beide kämpften sichtlich mit den Tücken des Objekts und vermittelten den Eindruck, mit einer der spektakulärsten Fehlentwicklungen der Formel-1-Geschichte unterwegs zu sein. Die bisherige Saison als eine Katastrophe für Toyota zu bezeichnen, wäre demnach eine allzu harmlose Verniedlichung. Die so prestigeträchtige Formel 1 entwickelt sich immer mehr zum Milliardengrab. Bei einem Monster-Etat von gemunkelten 400 Millionen Euro jährlich und gerade fünf WM-Punkten – nach insgesamt 35 im Vorjahr - im Niemandsland herumzudümpeln, schlägt wohl selbst dem gelassensten Japaner aufs Gemüt. Einzig die Tatsache, dass Erzrivale Honda noch gänzlich ohne Punkte auskommen muss, dürfte so manchen ehrgeizigen Verantwortlichen vom sofortigen Harakiri trennen.

Doch das Auto ist nicht die einzige Ursache des Debakels. Denn die Fahrer tragen zu dessen Entwicklung nicht unwesentlich bei. Was Trulli und Schumacher ihren Mechanikern eingeflüstert haben, hat die trägen Kisten nicht beschleunigt. Zumal Ralf schon das Qualifying angesichts des 20. Platzes unter der Rubrik "Totalausfall" verbuchen konnte. Einen schlechteren Zeitpunkt konnte sich Schumis kleiner Bruder für seine Horrorfahrten kaum aussuchen. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus und dürfte einer Buchprüfung kaum standhalten. Denn seine Fahrergage wurde zu Boom-Zeiten noch von Ex-Manager "Mr. 20 Prozent" Willi Weber ausgehandelt. Satte 14 Millionen Euro werden Ralf seitdem pro Jahr aufs Konto überwiesen, einzig die Top-Stars Alonso und Kimi Räikkönen (Ferrari) lassen sich noch großzügiger entlohnen.

Nur Hamilton kann Alonso folgen

Das Geld allein kein Punktegarant ist, bewies in Monaco wieder einmal Lewis Hamilton. Der mit einem "Taschengeld" entlohnte Brite war der einzige Fahrer, der Alonso im Fürstentum folgen konnte. Unterm Strich komplettierte Hamilton als Zweiter den Triumph der Silberpfeile und baute seinen Rekord auf nunmehr fünf Podestplätze in Folge aus. Das stellt den Senkrechtstarter aber nicht mehr gänzlich zufrieden. Er haderte nach dem Rennen mit den vielen Überrundungen, die ihm eventuell den Sieg kosteten: "Mal verlierst du, mal gewinnst du im Verkehr. Ich habe jetzt deutlich Zeit verloren. Das macht es schwierig. Aber ich musste einfach versuchen, aggressiv zu sein und nicht auf Sicherheit zu fahren."

Auch die WM-Führung verlor der nun mit 38 Zählern punktgleiche Hamilton aufgrund der besseren Einzelergebnisse an seinen Teamkollegen Alonso, der nach seinem zweiten Saisonerfolg (und dem 150. WM Sieg eines McLaren) einen Teil des Ruhmes an seine Helfershelfer weitergab: "Das war ein perfektes Auto am ganzen Wochenende. Es war eine schöne Überraschung zu sehen, wie das Team gearbeitet hat. Das war das schönste und einfachste Rennen, was ich bisher gewonnen habe."

Das hatte auch Ferrari-Pilot Felipe Massa bemerkt, der immerhin als einziger einer Überrundung durch die Silberpfeile entging. Ein Schrecken aufgrund der offensichtlichen Übermacht war ihm trotzdem in die Glieder gefahren: "Die McLaren hatten eine unglaubliche Pace. Selbst wenn ich 150 Prozent gegeben hätte und absolut am Limit gefahren wäre, hätte sich am Ende nichts geändert. Die waren so gut, dem war nichts entgegen zu setzen."

Umso erstaunlicher, dass Alonso und Hamilton erst seit wenigen Monaten hinterm Steuer ihres McLaren-Mercedes sitzen und vergleichsweise wenig Rennerfahrung aufweisen. Zusammen sind die beiden gerade mal 47 Jahre alt, in dem Alter fuhr der fünffache Champion Juan Manuel Fangio seine letzte Saison. Trotzdem hat Alonso schon die Renn-Routine von zwei Titeln im Gepäck, auch Hamilton bewegt sein Fahrzeug mit dem Geschick eines kommenden Weltmeisters.

Ihre Jugend und die – noch – fehlenden internen Hahnenkämpfe verbieten zu diesem Zeitpunkt allzu voreilige Vergleiche mit dem legendären McLaren-Package Ayrton Senna und Alain Prost. Senna wurde 1988 in seinem ersten Jahr bei McLaren-Honda zwar sofort Weltmeister, war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon 28 Jahre alt und fuhr seine fünfte Saison. Sein Teamkollege und spätere Erzfeind Alain Prost hatte damals schon zwei Titel in der Tasche, neun Jahre Rennerfahrung und fast biblische 33 Jahre auf dem Buckel.

Im Vergleich dazu wirken Hamiltons und Alonsos Ergebnisse noch unglaublicher. Nur an Charisma und Legendenbildung müssen sie noch arbeiten. Aber spätestens, wenn Alonso Hamilton nach einem harten Rennmanöver wutentbrannt aus dem Wagen zerrt, dürfen sich die beiden auch auf diesem Gebiet mit ihren Ahnen messen.

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