Hamburg - Hamilton siegte vor mehr als 100.000 Zuschauern mit über einer Minute Vorsprung. Der Brite gewann im McLaren-Mercedes vor Heidfeld im BMW-Sauber und Rubens Barrichello im Honda. Der Brasilianer fuhr somit nach 20 Rennen ohne jeden Punkt sensationellerweise aufs Podium. Vierter wurde Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) im Ferrari. "Wir sind wieder zurück im Titelkampf", sagte Hamilton. In der letzten Runde habe er gesehen, wie die Fans aufgesprungen seien und ihm zugejubelt hätten. " Da habe ich nur noch gebetet und zu meinem Auto gesagt: bitte, bleib auf der Strecke, bitte, bitte", so der 23-Jährige.
Räikkönens Teamkollege Felipe Massa (Brasilien), der erstmals als WM-Spitzenreiter bei einem Rennen startete, belegte nach einer desolaten Vorstellung mit zahlreichen Drehern nur den 13. und letzten Platz.
In der WM-Wertung liegen nun Hamilton und Massa zur Saison-Halbzeit mit jeweils 48 Punkten und identischen Resultaten gleichauf an der Spitze. Für Hamilton war es der dritte Saisonsieg nach Melbourne und Monte Carlo, Massa siegte in Bahrein, der Türkei und Frankreich. Räikkönen hat ebenfalls 48 Punkte auf dem Konto, aber nur zwei Siege eingefahren.
Beim Start boten die Silberpfeile den Zuschauern eine tolle Show. Hamilton schoss von Platz vier nach vorne und lieferte sich ein Rad-an-Rad-Duell mit Kovalainen. Der Finne gab aber keinen Zentimeter nach und behauptete zunächst die Spitze. In Runde fünf kam es dann doch zum Führungswechsel: Der schnellere Hamilton zog unter dem Jubel seiner Landsleute an Kovalainen vorbei.
Ein rundum misslungenes Rennen erlebte Massa. Der Brasilianer, der nur auf dem neunten Startplatz stand, drehte sich bereits in der ersten Runde und fiel dadurch ans Ende des Feldes zurück. Wenig später passierte dies auch Kovalainen, der auf Platz fünf zurückfiel. Hamilton musste sich fortan der Angriffe Räikkönens erwehren, der immer näher kam.
Dann plötzlich der Ferrari-Schock: Hamilton nahm seinem Rivalen mit jeder Runde teilweise mehr als fünf Sekunden ab. Die Erklärung: Der "Iceman" hatte sich verzockt und im Gegensatz zu Hamilton nicht die Reifen gewechselt. Als es dann wieder stärker regnete, hatte Räikkönen Probleme, seinen Boliden überhaupt auf der Strecke zu halten. Innerhalb weniger Runden wurde der Finne bis auf Platz vier durchgereicht. Neuer Zweiter war Heidfeld vor Kovalainen, der nach einem Ausrutscher allerdings den Anschluss verlor.
"Ich bin sehr zufrieden. Ich habe das Auto auf der Strecke gehalten, das war heute das Wichtigste", sagte Heidfeld nach dem Rennen. Als er merkte, dass Hamilton zu weit vor ihm lag, habe er den Schongang eingelegt, so der BWM-Pilot, der bereits zum dritten Mal in dieser Saison nach Melbourne und Montreal als Zweiter auf dem Podium stand: "Ich habe zum Schluss nichts mehr riskiert, wollte den zweiten Platz sicher nach Hause fahren."
Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel war bereits nach wenigen Renn-Sekunden ausgeschieden. Nachdem ihn David Coulthart mit seinem Red-Bull von hinten berührt hatte, rutschten beide Autos von der Strecke und blieben im Kies stecken. "David hat mich hinten links getroffen, und das Kiesbett ist hier fast einen halben Meter tief. Da gab es keine Chance", sagte Vettel. Für den Schotten Coulthard, der vergangenen Donnerstag seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatte, war sein letzter Heim-Grand-Prix somit schnell beendet.
"Ich bin extrem enttäuscht, es tut mir leid für das Team", sagte Coulthard bei seiner Rückkehr in die Boxengasse zu BBC Radio. "Man muss seine Möglichkeiten nutzen und ich dachte, ich sehe eine Lücke. Unglücklicherweise stellte sich heraus, das es eine schlechte Entscheidung war."
In der elften Runde war dann für den zweiten Deutschen das Rennen beendet. Force-India-Pilot Adrian Sutil drehte sich, wurde kurz ausgehoben, überquerte unkontrolliert die Piste und blieb in einer Auslaufzone stehen. Nico Rosberg im Williams wurde Neunter und verpasste nur um 0,8 Sekunden die Punkteränge, Toyoto-Pilot Timo Glock kam als Zwölfter ins Ziel.
fsc/reuters/sid
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