Tokio - Honda
steigt wegen der verschlechterten Konjunktur aus der Formel 1 aus. Sein Unternehmen werde sich angesichts der weiterhin wachsenden Unsicherheit über die Lage der Weltwirtschaft zum Ende dieses Jahres aus dem kostspieligen Rennsport zurückziehen, sagte Honda-Präsident Takeo Fukui am Freitag: "Es war eine sehr schwierige Entscheidung." Einige von Hondas Aktionären hätten den Autobauer zu diesem Schritt gedrängt, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.
Vertreter der japanischen Regierung zeigten sich über Hondas Ausstieg aus der Königsklasse des Motorsports betrübt. "Das ist sehr traurig", sagte Finanzminister Shoichi Nakagawa. Industrieminister Toshihiro Nikai drückte die Hoffnung aus, dass Honda in naher Zukunft seine finanziellen Schwierigkeiten überwinden und in den Motorsport zurückkehren wird. Hondas Entscheidung sei ein weiteres Zeichen, dass die Autoindustrie harten Geschäftsbedingungen ausgesetzt ist.
Die Autobranche fürchtet, dass angesichts der desolaten Lage der Autobauer weitere Teams Hondas Beispiel folgen könnten. Honda gehört neben Toyota zu den großen Geldgebern des Rennsports. Nahezu alle Hersteller kämpfen derzeit mit massiven Absatzschwierigkeiten.
Honda war von 1964 bis 1968 sowie von 2006 bis 2008 als eigenständiges Team in der Formel 1 angetreten und hatte in 88 Rennen drei Siege geholt. Als Motorenlieferant war Honda deutlich erfolgreicher: Von 1983 bis 1992 feierten die Japaner mit Williams, Lotus und McLaren 69 GP-Siege und sechs Konstrukteurstitel. Von 2000 bis 2005 rüstete man das BAR-Team aus, das man danach komplett übernahm. Angesichts eines selbst für Formel-1-Verhältnisse hohen Etats von - laut Sportinformationsdienst - 390 Millionen Euro pro Jahr blieb das Team aber weit hinter den Erwartungen zurück.
Mit dem Ausstieg von Honda ist Toyota
der einzige in der Formel 1 noch verbliebene japanische Automobilkonzern. Aber auch der Branchenprimus spürt die Folgen der globalen Wirtschaftskrise und musste genau wie Honda seine Ertragsprognosen für das bis zum 31. März laufende Geschäftsjahr deutlich zusammenstreichen. Toyota hatte bereits Ende Oktober angekündigt, aufgrund der Pläne Motorsport-Weltverbandes Fia für Einheitsmotoren die Formel 1 möglicherweise
verlassen zu wollen.
Max Mosley, Präsident des Automobil-Weltverbandes Fia, fühlt sich durch den sofortigen Formel-1-Ausstieg von Honda in seinem Kampf um Kostensenkung und für einen Einheitsmotor dennoch bestätigt und bot wenige Stunden nach der Erklärung der Japaner den Teams in einem Brief günstige Motoren an. Der Weltverband verhandele exklusiv mit Motorenbauer Cosworth und dem Getriebespezialisten Xtrac über die Lieferung eines kompletten Antriebsstranges von 2010 bis 2012 für 6,42 Millionen Euro pro Jahr, schrieb Mosley.
Der Durchschnittspreis liegt derzeit bei rund zehn Millionen Euro. Die von Mosley angesprochene Summe wäre realisierbar, wenn sich mindestens vier Teams bis kommenden Donnerstag (11. Dezember) für diese Variante einschreiben und eine Vorabzahlung von 1,97 Millionen Euro leisten. Sollten sich bis zu diesem Stichtag weniger Teams melden, würde die Fia ihr Vorhaben möglicherweise dennoch vorantreiben, der Preis könnte dann allerdings steigen.
Ferrari als Ersatz?
Nichtsdestotrotz sucht das bislang vom japanischen Autobauer finanzierte Formel-1-Team fieberhaft nach einem Käufer. Honda-Teamchef Ross Brawn und Geschäftsführer Nick Fry arbeiten nach Informationen des Internet-Fachportals "autosport.com" an einem Rettungspaket für den im englischen Brackley beheimateten Rennstall. Demnach könnte Ferrari als Motorenlieferant einsteigen, hieß es am Freitag. Findet das Team keinen neuen Besitzer, würden in der kommenden Saison nur neun Rennställe in der Formel 1 starten.
Durch den Rückzug steht der Brite Jenson Button, der in Budapest 2006 den letzten Honda-Sieg holte, nach neun Jahren in der Formel 1 (154 Rennen, ein Sieg) ohne Cockpit für 2009 da. Auch der erhoffte Einstieg des Brasilianers Bruno Senna, Neffe des dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna, droht nun zu platzen. Freie Plätze hat derzeit nur noch das Toro-Rosso-Team zu bieten, das seine Fahrer für das nächste Jahr noch nicht benannt hat.
suc/dpa/Reuters
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