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Formel 1 Angriff aus den hinteren Reihen

"Dieses Auto ist eine Bombe": Der schnelle Formel-1-Renner des Teams von Ex-Ferrari-Stratege Ross Brawn beeindruckt die Konkurrenz. Der Honda-Nachfolger steigt kurz vor Saisonstart zum Favoriten neben BMW und Ferrari auf - der Weltmeister reiht sich dagegen hinten ein.

Hamburg - Das erste und einzige Aufeinandertreffen aller zehn Teams vor dem Saisonstart in zwei Wochen hat in der Frage nach der künftigen Hackordnung für mehr Verwirrung als Erkenntnisse gesorgt. Völlig überraschend fuhr Honda-Nachfolger Brawn GP an den vier Testtagen in Barcelona auf dem Circuit de Catalunya vorneweg. Die Titelaspiranten Ferrari und BMW-Sauber tummelten sich eher im Mittelfeld. Favorit McLaren-Mercedes um Weltmeister Lewis Hamilton stürzte gar ans Ende der Formtabelle.

Brawn-Bolide in Barcelona: "Dann hat keiner eine Chance"
Getty Images

Brawn-Bolide in Barcelona: "Dann hat keiner eine Chance"

Vor allem die unerwartete Stärke des neuen Rennstalls um Ross Brawn, der erst in letzter Minute gerettet werden konnte, verblüffte die Konkurrenz. "Wenn die in Melbourne genauso stark fahren, dann hat keiner eine Chance", befand Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel. Jenson Button und Rubens Barrichello waren in Barcelona unter allen Bedingungen schnell. Button mochte die Freude darüber, dem Team auch in seiner schwärzesten Stunde nach dem Honda-Ausstieg die Treue gehalten zu haben, nicht verhehlen. "Klar habe ich riskiert, ohne Job dazustehen. Aber ich wusste anhand der Daten, was mich erwartet, wenn das Team überlebt", sagte der Brite.

Nun träumt sogar Grand-Prix-Rekordteilnehmer Barrichello vom WM-Titel, der ihm bei Ferrari als Nummer zwei hinter Michael Schumacher verwehrt blieb. "Dieses Auto ist eine Bombe. Das habe ich schon nach dem ersten Tag gespürt", sagte der Brasilianer. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug urteilte aus der Ferne: "Die sind so gut. Da ist nichts gespielt."

Krisenstimmung bei McLaren: "Wir haben ein Problem"

Das starke Brawn-Debüt lindert bei Mercedes auch den Ärger über die enttäuschende Zwischenbilanz der Silberpfeile. Während mit dem Motorenkunden aus Brackley plötzlich sogar Grand-Prix-Siege winken und auch das ebenfalls mit Mercedes-Aggregaten ausgestattete Force-India-Team einen verbesserten Eindruck hinterließ, kommen die Autos mit dem Silberanstrich nicht auf Touren. Diagnose: Massive Schwierigkeiten mit der Aerodynamik.

"Wir haben ein Problem", hieß es in Barcelona knapp aus dem McLaren-Camp. Dann fielen die Rollläden an den Garagen. Die Fahrer hatten Redeverbot. Doch ihre Gesichter sprachen Bände. Champion Hamilton will sein Glück erzwingen und riskiert Unfälle. Der Brite ist der Crashkönig des Testwinters. Jetzt sollen es abschließende Probefahrten kommende Woche in Jerez richten. "Wir arbeiten rund um die Uhr daran, uns zu verbessern. Aber es kann möglicherweise das erste Saisondrittel vergehen, bevor deutliche Steigerungen möglich sind", erklärte Haug.

Positiv entwickelte sich Nico Rosberg im Williams. Erstmals durfte er in Spanien mit Minimal-Tankfüllung auf die Jagd nach Bestzeiten gehen und etablierte sich hinter den Brawn-Boliden auf Rang zwei. "Ich glaube daran, dass Williams von den neuen Regeln profitiert. Alles beginnt bei Null, und wir konnten nicht mehr schlechter werden", sagte Rosberg.

Offen bleibt, was die Titelaspiranten Ferrari und BMW-Sauber leisten können. Meist experimentierten beide unter Rennbedingungen und wollten dabei feststellen, welchen Einfluss der Einsatz des Hybridantriebs auf den Verschleiß der Hinterreifen hat. Sogar bei BMW, dem größten Verfechter des neuen Energierückgewinnungssystems, ist noch nicht sicher, ob Kers beim Saisonauftakt in Australien zum Einsatz kommt.

Als Geheimfavorit wird Toyota gehandelt. Das in Köln-Marsdorf beheimatete Team beteiligte sich nicht am Wettrennen um Bestzeiten. Jarno Trulli und Timo Glock drehten stur ihre Runden und notierten zufrieden, dass ihr Auto schonender mit den Reifen umgeht als die meisten anderen. Toyota pokert hoch. Als einziges Team baute man ein Auto, das für den Verzicht auf Kers optimiert wurde. "Unseren Berechnungen nach fährt man auf den meisten Strecken ohne Kers schneller", sagte Technikchef Pascal Vasselon. Pilot Glock geht zuversichtlich in seine zweite volle Formel-1-Saison: "Unser Auto ist unter allen Bedingungen schnell."

fpf/dpa

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insgesamt 276 Beiträge
Michael KaiRo 16.01.2009
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl [...]
Zitat von sysopNeue Autos, neue Regeln, neue Technik: Die Formel 1 sieht 2009 ganz anders aus. Doch ändern sich damit auch die Kräfteverhältnisse? Wer ist Ihr Titelfavorit, was halten Sie von den Neuerungen in der Königsklasse?
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Cholerix 16.01.2009
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die [...]
Zitat von Michael KaiRoAnsonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
lynx2 16.01.2009
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen [...]
Zitat von CholerixDem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema .....
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen Firlefanz. Wo ist da eine Autokrise? Daimler kann über seine Autofinanzierungstochter ja eine 100 Mio oder mehr einsacken an Staatsknete und damit weiter auch F1 finanzieren. Ist doch schön!
myspace 16.01.2009
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action [...]
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action mit richtige Überholmanövern gibt.
metbaer 17.01.2009
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, [...]
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, weniger Elektronik, weniger Schnickschnack und einfach mehr fahrerisches Können.
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