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GP von Malaysia Dunkle Wolken über der Formel 1

Der Sport als Nebensache: Gerade mal zwei Rennen sind in der Formel 1 absolviert, aber statt Jubel und Siegen regiert die Ungewissheit. Fragwürdige Startzeiten, ungeklärte Regelfragen, teaminternes Chaos - die Vorzeigeserie des Motorsports spielt mit ihrem Ruf.

Jarno Trulli saß im Regen. Schulterzuckend. Vor dem Wasser schützte den Toyota-Piloten ein Regenschirm, die offensichtliche Ungewissheit aber konnte dem Italiener keiner nehmen. Nicht weit entfernt hockte Ferrari-Pilot Felipe Massa auf einer Leitplanke. Mit Regenschirm. Etwas weiter der Japaner Kazuki Nakajima, ebenfalls nicht im Cockpit seines Williams', sondern auf der Leitplanke. Durchnässt und fragend auf die Start- und Zielgerade des Sepang International Circuit in Malaysia blickend.

Wenige Minuten zuvor hatte die Rennleitung den Grand Prix in der 32. Runde unterbrochen. Ein extremer Wolkenbruch hatte die Strecke restlos überschwemmt, Rennen fahren unmöglich gemacht. Selbst hinter dem Safety-Car hatten zuvor diverse Superlizenz-Inhaber einen Dreher ihrer Boliden nicht verhindern können.

Wolken über Malaysia: Schade, ärgerlich
AP

Wolken über Malaysia: Schade, ärgerlich

Nach rund 50 Minuten Unsicherheit die Entscheidung: Abbruch. Aufgrund der zurückgelegten Distanz nur die halbe Punktzahl für den Sieger Jenson Button. Irgendwie unbefriedigend. Schade. Ärgerlich.

Die Zeit zwischen Unterbrechung und Abbruch des Grand Prix' stand sinnbildlich für den aktuellen Zustand der Vorzeigeserie des Motorsports. Sie symbolisierte die Unklarheit, wie es weitergeht. Es sind chaotische Zustände. Gerade mal eine Woche ist die Saison jung. Schlagzeilen aber, vor allem negative, hat sie schon unzählige produziert. In Malaysia kamen neue hinzu.

Selbstverständlich kann man niemanden für den Regen verantwortlich machen. Dieser fällt in Sepang nun mal öfter und auch heftiger als auf anderen Rennstrecken. Einen anderen Termin im Rennkalender zu finden ist auch schwierig. Sowohl von März bis Mai als auch von September bis November, wenn die Formel 1 ihre Überseerennen bestreitet, herrscht in Malaysia Regenzeit. Und im Sommer einen Abstecher nach Asien zu machen, würde aufgrund der enormen Logistikkosten dem Sparprogramm der Rennserie, auf das sie so stolz ist, widersprechen.

Fragwürdig aber ist die Verschiebung der Startzeit in den Abend hinein, geschuldet dem Fernsehzuschauer in Europa. Diese hatte bereits vergangene Woche in Australien Kritik unter den Fahrern hervorgerufen. Gerade zum Ende des Rennens hin klagten die Piloten in Melbourne über schwierige Sichtverhältnisse. Gegen die tief stehende Sonne halfen auch die verdunkelten Visiere nicht endgültig. Und bei 300 Stundenkilometern sowie kurzen Bremswegen des Vorausfahrenden kann selbst minimaler Sichtverlust extreme Folgen haben.

In Malaysia reklamierten viele Fahrer während der Unterbrechung die einsetzende Dunkelheit. Und das noch weit vor dem Ende der offiziell möglichen Rennzeit. Zwei Stunden nach dem Start wird ein Formel-1-Rennen abgewunken - dies verlangt das Reglement. Aber so lange sollte Racing problemlos möglich sein. Bewölkung hätte es schließlich auch ohne Regen geben, die Strecke nach Ende des Niederschlags abtrocknen können. Dass dies schnell möglich ist, dafür sorgen die rund um die 5,543 Kilometer Asphalt installierten Drainagen. Das Tageslicht aber kann kein Streckenplaner der Welt zurückbringen.

Dunkelheit herrscht zudem weiterhin in der Frage nach der Regelkonformität der Diffusoren, mit denen Brawn GP, Williams und Toyota antreten. Am 14. April wird der Automobilweltverband Fia in Paris die Beschwerde einiger Teams verhandeln. Alle Ergebnisse und Punkte - egal ob halbiert oder komplett verteilt - bleiben also vorläufig. Einer global agierenden Sportart unwürdig.

Zehn Teams ist es möglich, Hunderte von Mitarbeitern, ganze Motorhomes, Tonnen an Technik und Ersatzteilen sowie ihre Rennwagen innerhalb von vier Tagen von Australien nach Malaysia zu transportieren. Aber einige Fia-Funktionäre können sich in dieser Zeit nicht zusammensetzen, um eine die Glaubwürdigkeit der Formel 1 untergrabende Frage zu beantworten. Ein Bild, das den Fan rund um den Globus ungläubig zurücklässt.

Passend dazu die Meldung, dass die Fia den Bericht über die Lügenaffäre Lewis Hamiltons angefordert hat. Diesen wolle man ganz genau studieren. Sollte man feststellen, dass McLaren-Mercedes dem Ansehen des Sports geschadet hat, können weitere Sanktionen folgen: Geldstrafe, Punktabzug, Ausschluss des Teams. Wann die werten Herren einen Blick in die Aufzeichnungen werfen wollen? Keine Angaben. Einen Punktabzug jedenfalls würden die Silbernen bislang verschmerzen können. Einen einzigen hat das Weltmeister-Team bislang geholt, der Imageschaden wiegt weit schwerer.

Und es geht weiter: Titelverteidiger Hamilton soll nach einem Bericht der englischen "Times" sogar über das Verlassen des Teams sinniert, Teamchef Martin Whitmarsh seinen Rücktritt angeboten haben. Egal, wer nun wem aufgetragen hat, was zu sagen: Selten wurde der Sport in der Formel 1 so in den Hintergrund gedrängt.

Und das ist schade. Denn die massiven aerodynamischen Regeländerungen haben dem eigentlichen Renngeschehen offensichtlich gut getan. Überholen scheint wieder leichter möglich. Das Kers-System - bislang zwar nur von vier Teams eingesetzt - bestätigt nicht nur den Ruf der Formel 1 als technischer Vorreiter, sondern trägt auch seinen Teil zu der erhöhten Anzahl an Positionskämpfen bei. Und die engere Leistungsdichte der Teams, das Aufkommen der in den vergangenen Jahren hinterherfahrenden Autos und der sportliche Fehlstart von Ferrari und McLaren-Mercedes machen die Rennserie absolut attraktiver.

Darüber könnte man auch mal reden.

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insgesamt 276 Beiträge
Michael KaiRo 16.01.2009
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl [...]
Zitat von sysopNeue Autos, neue Regeln, neue Technik: Die Formel 1 sieht 2009 ganz anders aus. Doch ändern sich damit auch die Kräfteverhältnisse? Wer ist Ihr Titelfavorit, was halten Sie von den Neuerungen in der Königsklasse?
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Cholerix 16.01.2009
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die [...]
Zitat von Michael KaiRoAnsonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
lynx2 16.01.2009
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen [...]
Zitat von CholerixDem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema .....
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen Firlefanz. Wo ist da eine Autokrise? Daimler kann über seine Autofinanzierungstochter ja eine 100 Mio oder mehr einsacken an Staatsknete und damit weiter auch F1 finanzieren. Ist doch schön!
myspace 16.01.2009
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action [...]
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action mit richtige Überholmanövern gibt.
metbaer 17.01.2009
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, [...]
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, weniger Elektronik, weniger Schnickschnack und einfach mehr fahrerisches Können.
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