SPIEGEL ONLINE: Herr Fischer-Appelt, erst kommt er zurück, dann tritt er wieder zurück: Hat Michael Schumacher mit dem Hin und Her sein Image beschädigt?
Fischer-Appelt: Ein klares Nein. Michael Schumacher hat mit der Ankündigung des Comebacks natürlich große Erwartungen geweckt. Aus Kommunikationssicht war das spektakulär, eine noch größere Nummer als die Rückkehr von Lance Armstrong …
SPIEGEL ONLINE: … der tatsächlich noch mal bei der Tour de France startete. Schumacher dagegen wird nun doch nicht wieder ins Cockpit steigen.
Fischer-Appelt: Er hat damit die einzig richtige Entscheidung getroffen. Natürlich hätten sich alle gefreut, aber die Gesundheit geht nun mal vor. Schumacher hat zudem stets gesagt, dass er erst einmal testen muss, ob sein Körper den Belastungen nach seinem Motorradunfall noch standhält. Michael war immer ehrlich, er hat alles richtig gemacht.
Fischer-Appelt: Natürlich sind die Fans enttäuscht. Aber sie werden es ihm nicht übel nehmen. Eine neue Lichtgestalt vom Schlage eines Michael Schumachers erwächst nicht so schnell. Daher nimmt sein Image auch nicht so schnell Schaden.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht es mit Ferrari aus? Der Rennstall hatte das Comeback bereits als perfekt vermeldet.
Fischer-Appelt: Auch Ferrari hat bei der ganzen Sache nichts falsch gemacht, weil nicht die Automarke, sondern die Marke Schumacher im Vordergrund stand. Daher wird auch Ferrari nach Schumachers Absage kein Imageproblem haben. Es wäre ja sowieso nur eine Lösung auf Zeit gewesen.
SPIEGEL ONLINE: Ein Imageproblem hat die Formel 1 aber aufgrund der Streitigkeiten der vergangenen Wochen nach wie vor. Schumachers Comeback hätte da sicher einiges kaschiert.
Fischer-Appelt: Es war auch meine Hoffnung, dass man über die Persönlichkeit Michael Schumachers endlich wieder zu sportlichen Themen gekommen wäre. Der Nachwuchs ist einfach noch nicht so weit, in einer solchen Phase das Interesse so stark auf sich zu ziehen wie Schumacher. Dieser positive Nebeneffekt für die Sportart ist seit heute verpufft.
Das Interview führte Mike Glindmeier
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