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27.09.2009
 

Großer Preis von Singapur

Patzer in der Boxengasse

Von Jens Witte

Red-Bull-Pilot Vettel: "Meiner Meinung nach war ich nicht zu schnell"Zur Großansicht
Getty Images

Red-Bull-Pilot Vettel: "Meiner Meinung nach war ich nicht zu schnell"

Sebastian Vettel und Nico Rosberg haben beim Nachtrennen in Singapur einen möglichen Erfolg durch Fehler in der Boxengasse verspielt. So fuhr Lewis Hamilton einem souveränen Sieg entgegen. Jenson Button ist der WM-Titel kaum noch zu nehmen.

Lewis Hamilton jubelte schon vor der Ziellinie. Die linke Hand am Steuer, die rechte mit ausgestrecktem Zeigefinger aus dem Cockpit seines McLaren-Mercedes gereckt - so fuhr der Weltmeister von 2008 durch die letzte Kurve des Nachtrennens von Singapur. Den Sieg konnte ihm zu diesem Zeitpunkt schon lange niemand mehr nehmen. Toyota-Pilot Timo Glock lieferte zwar eine starke Leistung ab und belegte mit knapp zehn Sekunden Rückstand Platz zwei, eine Gefahr für Hamilton war er aber zu keinem Zeitpunkt.

"Lewis hat das immer unter Kontrolle gehabt", sagte der sichtlich entspannte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem 14. Saisonlauf. Und auch Hamilton wirkte erstaunlich locker, hüpfte durch die Boxengasse und feierte ausgelassen auf dem Siegerpodest. Für den 24-Jährigen war es das erste perfekte Wochenende in dieser Saison: Pole-Position und Erfolg im Rennen. In Monza, beim Grand Prix vor zwei Wochen, war Hamilton zwar ebenfalls von Startplatz eins ins Rennen gegangen, dann aber aufgrund der schlechteren Strategie hinter die Brawn GP von WM-Spitzenreiter Jenson Button und den Zweitplatzierten in der Gesamtwertung, Rubens Barrichello, zurückgefallen. In Ungarn hatte er gewonnen, aber im Qualifikationstraining nicht dominiert. Nun scheinen die McLaren auf dem Weg zu alter Stärke, was darauf schließen lässt, dass sie in der kommenden Saison wieder in den Kampf um die Weltmeisterschaft eingreifen werden.

Ans Limit musste Hamilton bei schwülen 32 Grad Celsius auf dem von 1500 Scheinwerfern erhellten Marina Bay Street Circuit in Singapur nicht gehen. Verantwortlich dafür waren auch zwei dicke Patzer der hinter ihm gestarteten Sebastian Vettel und Nico Rosberg in der Boxengasse. Nach seinem ersten Tankstopp rutschte Rosberg, der Vettel direkt nach dem Start überholt hatte, über die durchgezogene weiße Linie ausgangs der Boxengasse. Für diesen Regelverstoß sprachen die Rennkommissare eine Durchfahrtsstrafe aus, der Williams-Pilot büßte zwölf Plätze und Hamilton war seinen ersten ernsthaften Verfolger los.


Der zweite verabschiedete sich nach 39 von 61 Runden. Vettel steuerte seinen Red Bull zum Tanken und Reifenwechseln an die Box, überschritt dabei jedoch das Tempolimit (100) um 1,4 Kilometer pro Stunde. "Meiner Meinung nach war ich bei der Ein- oder Ausfahrt nicht zu schnell", sagte der 22-Jährige. Den Knopf zur Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit habe er auf jeden Fall gedrückt.

Die fällige Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse warf Vettel zwar nicht so weit zurück, wie Rosberg, der am Ende ohne Punkte blieb. Doch sie zerstörte seine Hoffnungen auf Platz zwei hinter Hamilton und - viel gravierender - seine wohl letzte Chance auf den WM-Titel. 25 Punkte beträgt der Rückstand auf Button, 30 sind den verbleibenden drei Saisonläufen noch zu vergeben. Nicht mehr aufzuholen - realistisch gesehen. Vettel scheint aber noch an das Unmögliche zu glauben: "Ab jetzt gehen wir nur noch volles Risiko. Suzuka ist eine gute Strecke für uns. Vielleicht können wir da nächste Woche schon zurückschlagen."

Immerhin rettete sich Vettel in Singapur auf Platz vier ins Ziel ("Das Maximum nach der Strafe"), einen Rang vor Button. Der Brite war nach Hamilton der zweite Gewinner des Abends. Er konnte den Vorsprung auf seinen Brawn-Kollegen Barrichello in der WM-Wertung um einen auf nun 15 Punkte ausbauen, weil der Brasilianer bei seinem zweiten Stopp den Motor abwürgte und damit wertvolle Sekunden verschenkte. Sollte Button am kommenden Sonntag in Suzuka (7 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) fünf Punkte mehr holen als Barrichello, würde er sich vorzeitig den Weltmeister-Titel sichern.

"Flavio hat auch einen Anteil an diesem Erfolg"

Vorzeitig war der Große Preis von Singapur für zwei deutsche Fahrer beendet. Force-India-Pilot Adrian Sutil krachte Nick Heidfeld ("Das war dumm") in dessen BMW-Sauber. Sutil kassierte dafür eine Verwarnung und muss 20.000 US-Dollar Strafe zahlen. Allein Glock konnte mit dem Rennverlauf zufrieden sein. "Das war ein Podiumsplatz zur richtigen Zeit", sagte der um ein Cockpit für 2010 kämpfende Toyota-Mann, der vor Fernando Alonso im Renault das Ziel erreichte.

Alonso, der das manipulierte Rennen im vergangen Jahr an gleicher Stelle für sich entschieden hatte, sorgte für einen Eklat, da er das Ergebnis vor laufender Fernsehkamera seinem lebenslang gesperrten Ex-Teamchef Flavio Briatore widmete. "Flavio hat sicher zuhause vor dem Fernseher gesessen, auch er hat einen Anteil an diesem Erfolg." Briatore war als mutmaßlicher Drahtzieher des Unfall-Skandals von den Richtern des Motorsport-Weltverbandes Fia für immer aus der Formel 1 verbannt worden.

Auf die Freude von Sieger Hamilton hatte all dies jedoch keinen Einfluss.

mit Material von sid und dpa

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