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28.10.2009
 

Formel-1-Strecken-Architekt Tilke

"Wichtig ist, dass Fehler leicht möglich sind"

Rennstrecke in Abu Dhabi: Hitze und Hoteldurchfahrt
Fotos
Tilke

Architekt Hermann Tilke hat Formel-1-Strecken rund um den Globus gebaut - auch die für den Saisonabschluss in Abu Dhabi. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht er über Herausforderungen für Planer und Piloten, Simulationsmöglichkeiten bei der Entwicklung und das Geheimnis eines guten F1-Kurses.

SPIEGEL ONLINE: Herr Tilke, Sie haben als Architekt bereits den Bau diverser Formel-1-Strecken verantwortet. Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Strecke in Abu Dhabi, auf der am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) das Finale der diesjährigen Saison ausgetragen wird?

Tilke: Wir haben vor fast vier Jahren mit den ersten Planungen begonnen und vor zweieinhalb Jahren angefangen zu bauen. Das ist generell ein normaler Zeitraum, aber für eine derart große Baumaßnahme auch kurz.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt man an solch einen Job? Reicht mittlerweile Ihr Name?

Tilke: Nein, ganz am Anfang gab es schon eine Ausschreibung. Es sollte eine kleine Rennstrecke werden, passend zu der dort entstehenden Ferrari-World, zunächst noch ohne jeden Gedanken an die Formel 1. Diesen kleinen Auftrag haben wir bekommen, und danach sind die Verhandlungen aufgenommen worden von Abu Dhabi mit Bernie Ecclestone, um die Formel 1 zu bekommen. Dann haben sich die Voraussetzungen geändert.

SPIEGEL ONLINE: Mussten Sie bei Konzeption und Bau auf lokale Besonderheiten Rücksicht nehmen?

Tilke: Ja, das ist aber immer so. Egal, ob sie in der Eifel oder in München bauen. Und in Abu Dhabi ist es natürlich noch mal was Besonderes. Zum einen die Mentalität der dort lebenden Menschen und zum anderen die klimatischen Bedingungen.

SPIEGEL ONLINE: Aber der Grand Prix findet ja jetzt zu einer gemäßigten Jahreszeit statt.

Tilke: Das stimmt, aber die Anlage soll ja 365 Tage im Jahr genutzt werden, nicht nur für die Formel 1, sondern auch für weitere Rennen und Veranstaltungen. Deswegen mussten wir darauf Rücksicht nehmen, zum Beispiel dass die Straßen auch benutzbar sind, wenn draußen 45 oder 50 Grad sind. Und das hat natürlich Auswirkungen auf das Konzept und die Bautechnik.

SPIEGEL ONLINE: Auch auf die Rennstrecke im Speziellen?

Tilke: Die Strecke muss unbedingt in den Abendstunden befahrbar sein, weil dort das Leben am Abend beginnt, das heißt, sie muss zum Beispiel komplett beleuchtet sein. Beim Asphalt muss man aufpassen, dass der nicht anfängt zu schmelzen und sich aufzulösen und dann unter Belastung zu einer Buckelpiste wird. Dafür haben wir spezielle Rezepturen entwickelt.

SPIEGEL ONLINE: Was sind die Besonderheiten der neuen Strecke?

Tilke: Die Strecke heißt "Yas Marina Circuit", und das gibt schon die Besonderheit wieder. Es ist die einzige permanente Rennstrecke - also keine die nur für ein Rennen aufgebaut wird (Beispiele sind Monte Carlo, Valencia, Singapur, d. Red.) - die um einen großen Yachthafen, die Marina, herum und durch ein Hotel führt ...

SPIEGEL ONLINE: ... vorbei an der Rezeption?

Tilke: ... natürlich nicht durch, sondern quasi unter dem Hotel her. Das muss man sich jetzt aber nicht wie einen Tunnel vorstellen, sondern zwei Gebäude des Hotels werden durch eine Art Brücke miteinander verbunden, unter der die Strecke lang führt.

SPIEGEL ONLINE: Und der Kurs an sich?

Tilke: Wir haben versucht, zwei lange Geraden unterzubringen, die möglichst über einen Kilometer lang sind. Der Pilot soll auf der einen Geraden aufschließen um die andere dann leichter zum Überholen nutzen zu können. Das Rennen soll so interessanter werden. Ansonsten ist es ein Mix aus schnellen und langsamen Kurven. Wir haben versucht, es den Ingenieuren nicht einfach zu machen eine optimale Abstimmung fürs Auto zu finden. Ein Kompromiss beim Setup des Formel-1-Autos bedeutet auch eine höhere Fehlerquote beim Fahren und das bedeutet wiederum spannende Rennen.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Menschen haben an der Strecke gearbeitet?

Tilke: Von unserer Firma waren in den vergangenen Monaten 120 Ingenieure und Architekten vor Ort, an der Strecke sind zuletzt 17.000 Bauarbeiter tätig gewesen und am parallel entstandenen Hotel noch einmal 5700 Arbeiter.

SPIEGEL ONLINE: Enorme Zahlen. Wurden alle über den gesamten Bauzeitraum eingesetzt?

Tilke: Das Bauunternehmen hat mit 4500 bis 5000 Leuten angefangen und die Anzahl dann immer weiter gesteigert.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie im Zuge der Planung neuer Strecken irgendwelche Simulationsmöglichkeiten?

Tilke: Ja, haben wir im Haus. Wir fahren die Strecke vorher mit Hilfe eines Simulationsprogramms ab. Das muss man sich aber nicht wie ein Computerspiel vorstellen, unsere Rechner spucken nur Daten aus. Wir kennen dann die Geschwindigkeiten an jeder Stelle, die Bremszonen, wissen, wo Überholvorgänge passieren werden. Nach diesen Werten berechnen wir dann auch die Sicherheitsanforderungen der Strecke, die Auslaufzonen.

SPIEGEL ONLINE: Beziehen Sie auch Fahrer bei der Entwicklung mit ein?

Tilke: Die Fia (der Automobilweltverband, d. Red.) bezieht die Fahrer-Vereinigung mit in die Beurteilung der Sicherheit ein. Die Fahrer entscheiden nicht, ob eine Kurve rechts, links, langsam oder schnell ist. Aber natürlich diskutieren wir darüber mit einigen Piloten und natürlich auch mit Verantwortlichen der Fia und ebenso mit Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone, der auch gute Ideen hat.

SPIEGEL ONLINE: Welche Strecken haben Sie derzeit noch in Arbeit oder Planung?

Tilke: Wir bauen im Moment elf. Für die Formel 1 sind das Indien und Südkorea. Die anderen sind internationale Rennstrecken, aber keine für die Formel 1.

SPIEGEL ONLINE: Auch eine in Deutschland?

Tilke: Eine ist in Planung, eine Club-Rennstrecke in der Nähe von Paderborn: "Bilster Berg". Das wird eine wunderschöne Anlage.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Geheimnis einer guten Formel-1-Rennstrecke?

Tilke: Dass sie spannende Rennen zulässt. Es gibt ja Strecken, die sind superinteressant zu fahren, aber darauf kommt es nicht an. Die Rennen sollen spannend sein. Das ist das Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie das konkretisieren?

Tilke: Das ist schwierig. Man muss es ein bisschen im Gefühl haben. Wichtig ist, dass Fehler leicht möglich sind. Die erste Kurve am Nürburgring zum Beispiel. Dort ist es fahrdynamisch für einen Formel-1-Wagen äußerst schwierig, die richtige Linie zu finden. Wenn man die innere fährt, wahrscheinlich die schnellste, hat man ein hohes Risiko, dass dort beide Vorderräder kurz abheben, man kann also nicht lenken. Eine Fehlermöglichkeit, und der Hintermann kann dann überholen oder zumindest aufschließen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie eine Lieblingsstrecke?

Tilke: Gibt es, die ist aber nicht von uns.

SPIEGEL ONLINE: Welche ist es?

Tilke: Nürburgring, die Nordschleife. Gebaut 1927.

SPIEGEL ONLINE: Und wo würden Sie gern mal bauen?

Tilke: Da gibt es viele Orte. Im Gebirge beispielsweise, wo es extrem hoch und runter geht.

Das Interview führte Frieder Schilling

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03.08.2009 von hofmann-mx-sport:

Hier spielt der Kick an der Geschwindigkeit eine große Rolle! Ich denke, jeder Formel 1 Fahrer ist süchtig danach. mehr...

03.08.2009 von xsreality: Lasst sie doch

Jeder Fahrer in der Formel 1 ist Millionär und ist finanziell nicht auf die Formel 1 angewiesen, und sie wissen selbst ganz genau auf was die sich einlassen. Wenn die Leute ihr Leben riskieren wollen für den Ruhm, lasst sie doch. mehr...

03.08.2009 von Dieter 58:

Als ich beim "Mopped-Fahren" noch 'nen Jet-Helm trug, der das Gesicht weitgehend frei ließ, ist mir bei Tempo 160 mal ein Insekt auf der linken Wange gelandet, der Arzt der es herausoperiert hat, hielt es für einen [...] mehr...

28.07.2009 von m-pesch:

Ich fan dieser Crash von Kubica sah nur ziemlich spektakulär aus. Die Belastung dürfte gar nicht mal so hoch gelegen haben da er sich ja einfach immer weiter überschlagen hat. Ist auch mit dem normalen Auto eine relativ [...] mehr...

28.07.2009 von Christian B.:

Lächerliche Diskussion, es gibt keine Sicherheit im Sport. Aber man kann versuchen es möglichst sicher zu gestalten. Wichtig ist es endlich die Reifen zu sichern, Problem ist aber auch die Seile usw. vor mechanischen Schäden zu [...] mehr...

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Zur Person

Tilke
Hermann Tilke

wurde am 31. Dezember 1954 geboren. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Tilke GmbH. 1983 gründete er nach seinem Studium an der FH Aachen ein Ingenieurbüro für Umwelttechnik, ebenfalls in Aachen. 1994 gründete er das Büro für Architektur und Bauingenieurwesen Tilke und die dazugehörige Tilke GmbH. Tilke leitet zahlreiche Großprojekte im In- und Ausland, sein Spezialgebiet ist der Rennstreckenbau. Er war unter anderem für die Strecke in Abu Dhabi verantwortlich.


Die 19 Formel-1-Rennen der Saison 2010
Datum Land Ort
14. März Bahrain Sachir
28. März Australien Melbourne
04. April Malaysia Sepang
18. April China Shanghai
09. Mai Spanien Barcelona
16. Mai Monaco Monte Carlo
30. Mai Türkei Istanbul
13. Juni Kanada Montréal
27. Juni Europa Valencia
11. Juli Großbritannien Silverstone
25. Juli Deutschland Hockenheim
01. August Ungarn Budapest
29. August Belgien Spa
12. Sept. Italien Monza
26. Sept. Singapur Singapur
10. Okt. Japan Suzuka
24. Okt. Südkorea Yeongam
07. Nov. Brasilien São Paulo
14. Nov. V. A. Emirate Abu Dhabi




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