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04.11.2009
 

Toyota-Ausstieg aus der Formel 1

Tod eines Sauriers

Ein Kommentar von Detlef Hacke

Viel Geld bringt viel Erfolg - dachte Toyota. Doch der Ansatz ist gescheitert, nach null Siegen in acht Jahren haben sich die Japaner aus der Formel 1 zurückgezogen. Sie hatten eine Fabrik vom Feinsten, aber es fehlten Fachleute in der Führungsspitze.


Die Formel 1 ist nichts für Giganten, jedenfalls nicht mehr. Es geht nicht mehr darum, von einer Tausendschaft von Angestellten mit unerschöpflichen Quellen an Geld und Material ein Rennauto bauen zu lassen. Genau das aber war der Ansatz von Toyota, des größten Autoherstellers der Welt. Er funktioniert nicht mehr. Als die Teams noch nicht sparen und ihre Budgets intelligenter einsetzen mussten, schien es eine Frage der Zeit, bis Toyota an der Spitze fahren würde. Nun ziehen die Japaner sich zurück, blamiert von effizienten Teams wie BrawnGP und Red Bull Racing, dahingerafft von der Evolution wie ein tapsiger Saurier, der sich gar nicht so schnell anpassen konnte, wie die Welt um ihn herum sich veränderte.

Natürlich hat der Rückzug der Japaner aus der Rennserie viel mit der Wirtschafts- und der Autokrise zu tun, genauso wie bei Honda und BMW, aber die hatten wenigstens mal ein Rennen gewonnen. Toyota dagegen: Acht Jahre, 139 Grand Prix, null Siege. Toyota verstärkt den bekannten Trend im Starterfeld, weg von den Konzernteams, hin zu privaten Rennställen.

Trotzdem ist der Rückzug ein besonderer Fall, weil Toyota vor allem an sich selber gescheitert ist. In Köln hatten sie eine Formel-1-Fabrik vom Feinsten aufgebaut und als erstes Team zwei Windkanäle in Dauerbetrieb. Doch was fehlte, waren die Fachleute an der Führungsspitze. Präsident John Howett, ein Verkäufer und Marketingspezialist, verstand kaum etwas vom Rennsport, dafür aber viel davon, auf dem eigenen Posten zu überleben. Interne Kritik war unter Howett unerwünscht, in die Konzernzentrale nach Tokio wurde fast nur Positives übermittelt.

Wie bei vielen Dinos war das Hirn zu klein für den Koloss

Umgekehrt wirkte Japan stark auf die Kölner Dependance ein, statt ihr mehr Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit zu lassen. Toyotas Rennstall, mehr eine Behörde als eine Sportmannschaft, schien oft orientierungslos. War das Auto schnell, konnte sich das so richtig niemand erklären; war es langsam, wusste auch keiner so recht, woran es liegen könnte. Wie bei vielen Dinos war das Hirn zu klein für den Koloss.

Ein Formel-1-Team aber muss nach klaren Kriterien funktionieren, gut organisiert sein, Kreativität fördern und effizient arbeiten. Wer sich selber belügt, macht Fehler und wird abgehängt. Diese Saison war ein Triumph der schlanken Handwerksbetriebe: Die Weltmeisterschaft gewann BrawnGP, gestartet auf Hondas Resterampe, gerettet vom erfahrenen Technikchef Ross Brawn. Dahinter kam Red Bull Racing ins Ziel, mit Adrian Newey als Chefdesigner, einem weltfremden Genie, das seine extremen Kreationen nicht am Computer, sondern am Zeichenbrett entwirft. Bei Toyota hätten sie ihn längst gefeuert - ach was: gar nicht erst daran gedacht, ihn einzustellen.

Toyotas Team wird wohl sterben, zu eng ist es mit dem Konzern verwoben

Als Toyota 2002 in die Formel 1 einstieg, waren die Bedingungen ideal gewesen. Motoren durften nach Belieben verbessert werden, es wurden so viele davon gebaut und eingesetzt wie möglich. Seitdem hat das Reglement die Weiterentwicklung fast untersagt, die Zahl der zu verwendenden Triebwerke ist streng limitiert. Riesige Technikabteilungen sind überflüssig geworden, Toyota hat seinen großen Vorteil eingebüßt.

Die meisten Formel-1-Teams überleben. Aus Honda wurde BrawnGP, Sauber kann nach dem Ausstieg von BMW weitermachen, weil es jetzt Toyotas Startplatz erbt. Nur Toyotas Team wird wohl sterben, zu eng ist es mit dem Konzern verwoben, als dass man es einfach an einen Investor weiterreichen könnte. Am Standort, in der Toyota-Allee in Köln-Marsdorf, bleibt ein überflüssiges Gebäude stehen, gigantisch wie der Bau eines Urwesens, das zum Überleben zu plump geraten war.

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insgesamt 27 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
02.05.2010 von Rockaxe: ich schätze mal

wenn die F1 die Regeln so abändern würden, dass ein Fahrzeug pro Hauptrennen max. 150 l Treibstoff (oder weniger) verbrauchen darf, hätte Toyota einen Vorsprung haben können. mehr...

01.05.2010 von dizzler: F1

bei bis dahin nur zwei Beiträgen meinerseits rangiert deine Auslassung irgendwo zwischen sinnlos (wie die Formel 1) und hilflos, aggressiver Anmache. Gehört ignoriert da absolut offtoppic, eigentlich... mehr...

18.11.2009 von reflexxion: was bringt man mit Toyota in Verbindung? Jedenfalls keinen Motorsport

Wenn ich Toyota höre dann denke ich heute einfach nur an langweilige japanisch Familienkutschen, die Zeiten des MR2 sind vorbei und einen Nachfolger gits wohl nicht. Toyota das ist in erster Linie der überbewerte Hybrid Prius, [...] mehr...

10.11.2009 von DeeDeeBee: ;o)

Immerhin beschäftigen sich aktuell 50% Ihrer Beiträge mit dieser sinnlosen Zeitverschwendung. Die muß Ihnen superwichtig sein, die Zeitverschwendung. Sonst noch `was? mehr...

08.11.2009 von Meerkönig: Imageverlust für Toyota?

Eigentlich haben sie alles in diesem Zusammenhang geschrieben und ich kann mich zurückziehen. Ich selbst stehe 20 Jahre vor meinem Ableben und habe mir deshalb einen Toyota Prius als Endlösung bestellt. Plane die von Toyota [...] mehr...

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