Von Benjamin Reister
Es ist ein bitterkalter Januartag. Vor dem Mercedes-Museum in Stuttgart warten Hunderte Menschen in der Kälte. Die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten hat sie hierhin geführt. Nichts Ungewöhnliches für ein Museum. Jedoch frieren die Leute nicht, um Autos aus dem vergangenen Jahrhundert zu bestaunen, sondern um einen Blick auf Michael Schumacher zu ergattern. So gesehen auch ein Oldtimer, nur aus Fleisch und Blut.
Die Fans sind nicht alleine. 600 Medienvertreter, viele Kamerateams und 200 Daimler-Mitarbeiter warten gespannt auf die Präsentation des neuen Formel-1-Teams Mercedes GP Petronas. Um 11:14 Uhr ist es so weit. In Begleitung der beiden Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher . Mit im Gepäck: ein Berg voller Hoffnungen und Erwartungen.
Gerade beim deutschen Autobauer Mercedes sind mit dem Comeback von Michael Schumacher und dem ersten eigenen Werksteam seit 55 Jahren große Hoffnungen verknüpft. Neben dem sportlichen Erfolg erwarten die Stuttgarter noch viel tiefer gehende Wirkungen. "Wir betreiben Image- und Markenpflege, Schumacher gibt einen Schub für das ganze Unternehmen", sagte Daimlerchef Dieter Zetsche anlässlich der Präsentation des neuen deutschen Rennstalls.
Dass der Konzern durch sein Engagement in der Königsklasse direkt profitieren wird, da ist sich auch Experte Marcel Cordes, Vorstand beim Kölner Beratungsinstitut Sport+Markt, sicher: "Das Comeback Schumachers in das neu gebildete Team hat direkten Einfluss auf das Image und den daraus folgenden Absatz von Mercedes-Benz. In Deutschland wird die Marke mittelfristig besonders profitieren."
"Deutsche Nationalmannschaft der Formel 1"
Für eine positivere Entwicklung könnte insbesondere die Ausrichtung des neuen Teams als "deutsche Nationalmannschaft der Formel 1" sorgen, wie Zetsche es selbst formuliert. Diese Strategie findet auch bei Experten ein überwiegend positives Echo. "Das ist ein cleverer Schachzug. Mercedes-Benz zeigt sich damit als Botschafter der deutschen Automobilindustrie", so Cordes. Nach dem Ausstieg von BMW aus der Formel 1 ist Mercedes die einzige deutsche Automarke, die in der Königsklasse des Motorsports verblieben ist. Ein profitables Alleinstellungsmerkmal.
Bei der Sponsorenakquise scheint sich dieser Konkurrenzvorteil bereits ausgewirkt zu haben. So wurde mit Petronas ein neuer Hauptsponsor gefunden. Der malaysische Mineralölkonzern soll sich das Engagement bei einer Laufzeit von fünf Jahren insgesamt rund 250 Millionen Euro kosten lassen.
Bereits vor Beginn der Saison spricht vieles dafür, dass Mercedes sich die neu geschaffene Aufmerksamkeit auch versilbern lassen wird. Generell dürfte 2010 die gesamte Formel 1 vom Mercedes-Fahrtwind mitgezogen werden, prophezeien Experten. André Theuerzeit, Geschäftsführer der Kölner Agentur Bang, berichtet von einer "steigenden Nachfrage" von Unternehmen nach Sponsorships in der Formel 1. Vor allem die starke Konstellation Michael Schumacher und Mercedes sei hierfür verantwortlich.
RTL erwartet deutlich höhere Quote
Auch im Hause RTL wurde die Präsentation im Stuttgarter Museum genau verfolgt. "Spätestens dort konnte man feststellen, welcher Impuls von der Rückkehr Schumachers ausgeht", so RTL-Sportchef Manfred Loppe. Beim Kölner Privatsender hat die Nachricht vom Schumacher-Comeback für großen Jubel gesorgt. Schließlich waren die Zuschauerzahlen nach Schumachers Ausstieg 2006 spürbar zurückgegangen. Zuletzt verfolgten im Durchschnitt nur noch knapp fünf Millionen Zuschauer die WM-Läufe bei RTL.
Nun hofft der Sender, dass mit Schumacher auch seine Fans vor den Bildschirm zurückkehren. Loppe erwartet für die neue Saison eine "deutliche Steigerung der Quote". Ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen, geht der Sportchef davon aus, dass in der Spitze ähnliche Zahlen wie vor zehn Jahren erreicht werden könnten. In der goldenen Schumacher-Ära konnte RTL mit rund zehn Millionen Zuschauern im Durchschnitt aufwarten.
Trotz der günstigen Prognosen in Sachen Einschaltquoten verzichtet der Werbezeitenvermarkter der RTL-Gruppe zunächst auf eine großflächige Anhebung der Werbepreise. Um von einem möglichen Schumacher-Effekt zu profitieren, hat er sich jedoch eine Hintertür offen gelassen. Der Vermarkter gab bekannt, dass Preisanpassungen in der laufenden Saison möglich seien, da mit einer Reichweitensteigerung gerechnet werden könne. Er vermeldet bereits einen deutlichen Anstieg bei der Nachfrage der Werbeblöcke. Schumacher sei Dank, heißt es aus dem Unternehmen.
Sky: "Nicht zum Schumi-Kanal mutieren"
Bei Sky sieht man die Rückkehr von Michael Schumacher etwas nüchterner. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Schließlich sitzt beim Abonnenten-Sender "ein fachkundigeres Publikum vor dem Bildschirm, das nicht ausschließlich auf Schumacher fixiert ist", sagt zumindest Ralph Fürther, Leiter Sportkommunikation bei Sky. Da sich aus diesem Grund der Zuschauerverlust bei dem Pay-TV-Sender in der Nach-Schumacher-Ära in Grenzen gehalten habe, geht Fürther auch jetzt nur von kleineren Schwankungen aus. Der Medienmann stellt klar: "Wir werden in unserer Berichterstattung nicht zum Schumi-Kanal mutieren." Reagiert hat der Sender aber trotzdem. Schon in Bahrain wird es eine exklusive Cockpit-Kamera geben, die ausschließlich das Geschehen um Schumacher dokumentiert und von einem eigenen Regisseur betreut wird.
Doch nicht nur die Sponsoren und TV-Sender profitieren von der Rückkehr des siebenmaligen Weltmeisters. Karl-Josef Schmidt, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, berichtet, dass "bereits kurz nach der Verkündung des Comebacks von Michael Schumacher die Nachfrage nach Tickets deutlich angezogen" sei. Nach eigenen Angaben liegen die Betreiber damit besser im Rennen als noch vor zwei Jahren, als die Formel 1 zuletzt in Hockenheim Station machte. Von ähnlichen Effekten berichten auch mehrere deutsche Reiseveranstalter. Dertour Live etwa verzeichnete einen Buchungsanstieg von bis zu 400 Prozent für das einzige Formel-1-Rennen 2010 in Deutschland.
Anmerkung der Redaktion: In der Originalversion dieses Artikels befand sich eine falsche Passage über einen geplanten Deal zwischen Mercedes und Henkel. SPIEGEL ONLINE hat sie entfernt.
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Das Ganze ist natürlich nur dann tragfähig, wenn der siebenmalige Weltmeister auch erfolgreich ist. Da ist die Einschätzung schwierig. Sicher kann er's noch und die Reglementänderungen beschweren auch den Konkurrenten neue [...] mehr...
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