Was soll sie noch, diese Empörung über Ferraris Strategie beim Großen Preis von Deutschland? Zugegeben, die Italiener haben auf dem Hockenheimring Regeln gebrochen. In Führung liegend musste Felipe Massa seinen Teamkollegen Fernando Alonso vorbeiziehen lassen - auf Anweisung aus dem Boxenfunk. Ein klarer Verstoß gegen Paragraf 39.1 des Reglements: Verbot der Teamorder. "Inakzeptabel" sei das, sagte der frühere Rennfahrer Niki Lauda. "Skandalonso", empörte sich die "Bild"-Zeitung.
Doch wie skandalös kann der Verstoß gegen eine längst überholte Regel sein?
Seit sieben Jahren ist die Teamorder in der Formel 1 verboten - doch wirklich akzeptiert wurde die Regel nie. "Es kommt halt wirklich drauf an, von welcher Position man das Ganze betrachtet", sagt Sebastian Vettel. "Wenn man den WM-Titel wegen weniger Punkte verpasst, die man vielleicht hier oder da hätte besser hamstern können, steht man auch als Idiot da", so der Red-Bull-Pilot.
Das ist keine exklusive Meinung. Michael Schumacher bezeichnete die Diskussion als "Mumpitz", und der frühere Teamchef Eddie Jordan forderte, das Verbot abzuschaffen. "Das ist ein Unsinn, der aufgehoben werden muss", sagte er in einem BBC-Interview. Selbst Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sprach sich nun gegen das Verbot aus: "Was Leute in ihrem Team machen, obliegt ihnen", sagte der Brite Motorsport-Magazin.com.
Teamstrategie schlägt Rennfahrer-Romantik
Die Diskussion über den Sinn oder Unsinn der Regel ist eine Scheindebatte. Denn wirklich nachweisen lässt sich die Order ohnehin nur in Ausnahmefällen. So wie nun auf dem Hockenheimring, wenn der Funker die Anweisung mehr schlecht als recht verschlüsselt: "Fernando ist schneller, hast du die Botschaft verstanden?", lautete Ferraris Kommando.
Oftmals finden die Rennställe diskretere Wege, um ihre Nummer eins zu unterstützen. Red-Bull-Pilot Mark Webber beschwerte sich unlängst darüber, dass Teamkollege und -konkurrent Sebastian Vettel das bessere und neuere Material zuerst bekomme. Und beim Großen Preis der Türkei lautete die Anweisung der McLaren-Teamleitung an die führenden Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button: "Benzin sparen!". Mit anderen Worten: Auf Überholmanöver verzichten, Position halten! Zuvor hatten sich beide Fahrer ein heißes Duell um die Führung geliefert, der Verdacht einer Teamorder zugunsten Hamiltons lag nahe.
Natürlich fällt es schwer zu akzeptieren, dass nicht immer der schnellste Mann am Ende vorn landet. Echtes Racing, knallharte Manöver auch gegen den eigenen Teamkollegen, jeder Pilot fährt für sich allein - das ist Rennfahrer-Romantik. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.
Wenn es um den WM-Titel geht, bekommen die Spitzenfahrer alle Unterstützung innerhalb des Teams. Das war selten anders. Schumachers Ferrari-Kollegen Barrichello und Eddie Irvine waren stets Erfüllungsgehilfen. Manchmal bremsten sie als Zweitplatzierte hinter Schumacher die Konkurrenz aus, so dass der Rekordweltmeister ungestört dem nächsten Sieg entgegensteuern konnte. McLaren-Mercedes dagegen erlebte 2007 ein Debakel, weil Alonso und Hamilton sich gegenseitig bekämpften und den Titel leichtfertig an Kimi Räikkönen (Ferrari) verloren.
Ferrari nimmt daher die Strafe für die Teamorder locker in Kauf. Bislang müssen die Italiener nur 100.000 Euro zahlen. Doch selbst im Falle eines noch möglichen Millionenbußgelds - der WM-Titel wäre ein Vielfaches wert. "Ich habe immer gesagt, dass die Interessen des Teams vor denen des Einzelnen stehen", verteidigte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo die Entscheidung.
Das Verbot hat sich nicht bewährt
In anderen Sportarten stand diese Erkenntnis nie außer Frage. Das ist jedes Jahr bei der Tour de France zu beobachten. Dort strampeln willige Helfer die Pyrenäen hoch, eigene Ambitionen auf einen Etappensieg werden den Interessen des Mannschaftskapitäns geopfert. Empörung? Fehlanzeige.
Seit 2003 ist die Teamorder in der Formel 1 verboten. Zuvor hatten ebenfalls Ferrari-Entscheidungen Proteste ausgelöst: "Let Michael pass for the championship", befahl der damalige Teamchef Jean Todt seinem Fahrer Rubens Barrichello 2001 beim Rennen in Österreich. Schumacher überholte und wurde am Ende Weltmeister. Im folgenden Jahr wiederholte sich die Szene trotz klarer Führung Schumachers in der Gesamtwertung. Eine überflüssige Aktion. Der Weltverband Fia brummte Ferrari eine Million Dollar Strafe auf und führte das Verbot der Stallorder ein.
Heute steht Todt selbst an der Spitze der Fia und muss über die Strafe für seinen einstigen Arbeitgeber Ferrari entscheiden. Unabhängig von dieser unglücklichen Konstellation dürfte er sicher sein: Das Verbot der Teamorder hat sich nicht bewährt. Wie schizophren die Diskussion ist, machte Weltmeister Button deutlich. Der bezeichnete die Teamorder in einem Interview mit dem "Guardian" als falsch - aber auch als unvermeidlich.
Falsch, aber unvermeidlich? Ein konsequentes Verbot der Teamorder ist schlicht nicht durchzusetzen. Die Fia sollte es abschaffen. "Genug mit der Heuchelei", fordert Montezemolo. Dem ist nichts hinzuzufügen.
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Moral ist auch nur eine Konvention die ständigem Wandel unterworfen ist, früher war eine alleinstehende Mutter und dessen uneheliches Kind auch eine Schande für die Familie, heute ist es die Regel und keinen interessierts. Die [...] mehr...
... die Tour de France mit der Formal 1 zu vergleichen! Oder Radsport mit Motorsport. In einem Radteam gibt es eine ganz klare Hierarchie - Kapitän, Sprinter, Bergspezialist, Helfer. Die Helfer sind für alle drei da. Das weiß [...] mehr...
Natürlich ist das Verbot gewissermaßen Heuchlerei. Es ist ein Tribut an den Zuschauer, ohne den dieser Sport kaum möglich wäre. Wenn ich mich richtig erinnere, war das auslösende Rennen in Österreich selbiges, in dem [...] mehr...
Das führt dann zu sowas wie NASCAR. Und das ist dann wirklich ganz große Langeweile. mehr...
vielleicht ist ja eine 50 / 50 Regel die lösung!? Stallorder wird meinstens nur angewandt wenn es einen fahrer gibt der um die Fahrer-WM fährt. Meine idee ist, dass wenn 50% der rennen gefahren sind, dann gibt es einen fahrer der [...] mehr...
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